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Albstadt Kein guter Tag für den Biber

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Zwei Wochen hat der Biber gebraucht, um den Damm im Naturfreibad zu bauen – der Bagger beseitigte ihn in Minuten. Foto: Kistner

Albstadt-Tailfingen - Die Onstmettinger Biber versuchen zum wiederholten Mal, ihr Revier nach Süden auszudehnen. Das führt zu Interessenkonflikten: Gestern musste ein zwei Wochen alter Biberdamm im Tailfinger Naturfreibad entfernt werden.

Die Untere Naturschutzbehörde hat sich die Zustimmung zum Abriss nicht ganz leicht gemacht: Amtsleiter Werner Ludwig war gestern Nachmittag beim Anblick der Baggerkralle sichtlich unwohl; allein der Umstand, dass der Damm direkt unterhalb der Holzbrücke zur Liegewiese lag und der Wasserspiegel schon dicht ans Leitungsrohr an der Brückenunterseite heranreichte, hielt ihn davon ab, sein Veto einzulegen.

Der Biber baut seine Dämme schließlich nicht aus Spaß an der Freud: Eine Bibersippschaft benötigt in der Regel mindestens einen halben Kilometer Territorium an einem Wasserlauf und kann bis zu sechs Kilometer bewirtschaften. Die Onstmettinger Biber leben somit äußerst beengt: Die Entfernung zwischen dem südlichen Onstmettinger Ortsende, wo sich ihre Hauptburg befindet, und dem Autohaus Maier, wo ihr Revier endet, beträgt etwa 450 Meter, und das ist zum Sterben zwar zuviel, aber für ein auskömmliches Biberleben fast schon zu wenig.

Dies umso mehr, da das Nahrungsangebot nicht gerade reichhaltig ist. Die Schmiecha fließt im oberen Talgang schließlich nicht durch einen Auwald, in dem es die Nahrung des Bibers – Gräser, Kräuter, Wasserpflanzen, Früchte und nicht zuletzt Baumrinde, die Winterdiät – in Hülle und Fülle gäbe. Die Tiere müssen sich vielmehr mit dem begnügen, was ein schmaler Galeriewaldstreifen an den Bachufern ihnen bietet; kein Wunder, dass sie Expansionsgelüste verspüren.

Zweimal musste unmittelbar an der Brücke der Freibadstraße ein Damm abgeräumt werden, und vor zwei Wochen versuchten es die Biber direkt unterhalb der Holzbrücke im Naturfreibad erneut. Nicht dass sie nisten wollten; sie haben bachaufwärts mehrere Burgen. Der Damm im Naturfreibad sollte eine Wassertiefe von mindestens 60 Zentimetern garantieren, damit ein Biber mit Gepäck – in erster Linie Holz – darin problemlos schwimmen kann; er dient also zu Erschließung eines neuen Revierabschnitts.

In Brückennähe können sie den Damm nicht dulden

Den hätten Ludwig und der Kreisbiberbeauftragte Heinz- Dieter Wagner den Onstmettinger Bibern – ihre Zahl schätzen sie auf ein halbes Dutzend: zwei ausgewachsene Tiere und vier oder fünf Jungtiere – von Herzen gegönnt. Aber in Brückennähe können sie den Damm nicht dulden, zumal Elektrizität im Spiel ist. Dass der Biber ein kleines Eck der Liegewiese flutet, ist im Winter von eher nachrangiger Bedeutung – schon 15 Meter bachabwärts, findet Wagner, wäre eine "Duldung" durchaus in Frage gekommen. Vielleicht lassen sich die Biber ja überreden, wenn man ihnen Angebote macht – etwa durch dezente Vorarbeit mit ein paar Ästen oder Balken.

Auch die Situation in der Nähe des Biberhauptquartiers, wo die Tiere vor zwei Jahren per Druckspülung aus einem Abwasserkanal vertrieben wurden, ist nicht ganz unproblematisch. Nach wie vor drohen Natur- und Hochwasserschutz einander ins Gehege zu kommen; den nördlich­sten der vier Onstmettinger Dämme hat Heinz-Dieter Wagner angebohrt und verrohrt, damit das Wasser nicht über eine bestimmte Marke klettert. Doch misslicherweise rochen die Biber den Braten und versuchen hartnäckig, das Loch zu stopfen. Ein Gitter soll Abhilfe schaffen – wenn es nichts bewirkt, bliebe als Alternative eine sogenannte Flutmulde: ein Überlauf in Gestalt eines Kanals.

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