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Albstadt Intensive Landwirtschaft schadet Schafen

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Peter Wohlfahrt liebt seinen Beruf. Obwohl es für ihn immer schwerer wird, das wirtschaftliche Überleben zu sichern. Foto: Müller

Albstadt-Pfeffingen - Wie schwer es die Umstände dem Schäfer Peter Wohlfarth und seiner Familie machen, von der Schäferei noch zu leben, ist eine Sache. Eine andere sind die Folgen für die Herde und die Landschaftspflege. Beides macht dem Albstädter Sorgen.

Schäfer Peter Wohlfarth hütet schon seit seinem elften Lebensjahr Schafe. Die Schäferei ist ein hartes Brot, in der Form, wie es sie jetzt gibt, wird sie schon aufgrund des Generationenwechsels nicht mehr bleiben, meint Wohlfarth – sie werde sich hinsichtlich des Freizeitverhaltens und des Familienbewusstseins der jungen Generation verändern. Finde kein Umdenken in der Landwirtschaft statt und komme dann auch noch der Wolf hinzu, seien ihre Tage wohl gezählt.

Peter Wohlfarth ist Schäfer mit Leib und Seele. Er ist mit der Schäferei groß geworden. Die Übernahme des elterlichen Betriebs war nur eine Frage der Zeit. Schon als Elfjähriger hatte Wohlfarth die Schafherde seiner Eltern gehütet, als 13-Jähriger den Hütehund ausgebildet, und als 15-Jähriger war er der jüngste Teilnehmer beim Leistungshüten.

Einen so hohen Preis – besser gesagt: einen so hohen Verzicht, wie Wohlfarth für seinen Beruf als Schäfer in Kauf nimmt – werden seine Kinder, wenn sie später einmal den Betrieb übernehmen, nicht mehr zu zahlen bereit sein, ist der 47-Jährige sicher.

Warum nicht? Die Schafhaltung sei ein sehr arbeitsintensives und teures "Abenteuer", berichtet er. Ein soziales Leben sei so gut wie unmöglich, wenn er ab früh morgens bis abends um 21 Uhr bei seinen 600 Schafen auf der Weide ist. Auch das Familienleben werde auf eine schwere Belastungsprobe gestellt, denn an nur rund 65 Spätabenden ist Wohlfarth zuhause. Bei vielen familiären Festivitäten kann er nicht dabei sein – von Urlaub oder Ähnlichem ganz zu schweigen.In den Sommermonaten ist Wohlfarth im Odenwald zugange, und seine Kinder versorgen die zweite Herde in Albstadt.

Dennoch liebt der "gute Hirte" seine Arbeit, vor allem dann, wenn es ihm "so richtig den Kopf wäscht" – das braucht er. Im Oktober 2015 gründete er mit seinem Sohn eine GbR. Die Vorstellung, in einem Büro zu arbeiten, ist für ihn mehr als seltsam. Kopfzerbrechen macht ihm jedoch die moderne Landwirtschaft, denn die Schäferei ist auf deren Wiesen angewiesen. Heute würden im Gegensatz zu früher, als zwei Schnitte üblich waren, drei pro Jahr gemacht. Somit bleibe für die Schafe nichts mehr übrig. Hinzu komme, dass "dort, wo Gülle ausgefahren wurde, kein Schaf frisst". Wohlfarth hat selbst noch 100 Hektar Wiesen gepachtet – ohne sie müsste er die Schäferei aufgeben.

Um zu überleben, braucht ein Schäfer – trotz Subventionen – 700 Schafe. Die Stadt Albstadt plane nun einen neuen Schafstall mit EU-Subventionen in Pfeffingen. Wohlfarth hofft auf einen 70-prozentigen Zuschuss für die Stadt. Werde der nicht genehmigt, sei nicht nur seine Existenz, sondern auch die seiner Nachfolger, seiner Kinder gefährdet. Sie seien auf den neuen Stall angewiesen, zumal sie Familienleben und soziale Kontakte nicht missen wollten.

Vor allem in den Wintermonaten kommt das Familienleben der Wohlfarths viel zu kurz, denn dann ist der Schäfer mindestens vier Monate weg, wenn er sich mit seiner Herde auf den Weg zu den Winterweiden zwischen Odenwald und Remstal macht – eine Strecke von 300 Kilometern. Die Nächte verbringt er bei seiner Herde im Wohnwagen. Siedle sich nun noch der Wolf an, werde es für die Schäferei brenzlig.

Er selbst könnte gut damit leben, dem Wolf pro Jahr 25 Schafe zu überlassen, sagt Wohlfahrt. Dennoch frage er sich: "Warum muss man den Wolf ›herziehen‹, um Leid zu verbreiten?" Zudem findet er es seltsam, dass plötzlich, nach 150 Jahren, gleich vier Wölfe in Baden-Württemberg gesichtet werden. Als Ursache vermutet Wohlfarth die Wolfszuchtstation in Bayern, die Wölfe auswildere. Wenn er seine Herde im Jagsttal neben der Autobahn weiden lässt und sich dann vorstellt, der Wolf scheuche die Herde auf – daran will Wohlfarth gar nicht denken: Seine Tiere über die A81 rennen zu sehen, wäre für ihn ein Horrorszenario. Sei einmal ein Wolf in der Herde, werde es schwierig bis unmöglich, die Tiere noch zu hüten, denn die Schafe seien dann für immer verstört. Bei kleinsten Geräuschen gerieten sie in Panik.

Komme es erst einmal so weit, dass die Herde mit Herdenschutzhunden bewacht werden müsse, sei es für jeden Spaziergänger und jeden Hund gefährlich, an der Herde vorbei zu laufen. Außerdem werde die Schäferei dann zu kostspielig und sei mit noch mehr Arbeit verbunden, denn seine beiden Hütehunde dürften nicht mit den Herdenschutzhunden zusammentreffen. Wenn es soweit kommen sollte, will Peter Wohlfarth definitiv aufhören.

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