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Albstadt Groz-Beckert leidet unter Konjunkturflaute

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Trotz Konjunktureinbruch und Umsatzrückgang investiert Groz-Beckert in einen Neubau in Albstadt – die Rohbauarbeiten sollen in Bälde beginnen. Foto: Groz-Beckert

Albstadt-Ebingen - 2019 war ein schwieriges Jahr für Albstadts größtes Industrieunternehmen Groz-Beckert. Der Konzernumsatz ist um 75 Millionen auf 670 Millionen Euro gesunken. Hauptgrund dafür war der Handelskonflikt zwischen den USA und China.

Seit der zweiten Jahreshälfte 2018 habe sich die globale Konjunkturdynamik schrittweise abgeschwächt, erläutert Hans-Jürgen Haug, Sprecher der Geschäftsführung von Groz-Beckert, und dieser Trend habe sich 2019 fortgesetzt. Spannungen zwischen den USA und der EU, der Brexit, vor allem aber der Handelskonflikt zwischen den USA und China hätten die Wirtschaft verunsichert und die Akteure in den internationalen Märkten veranlasst, sich mit Investitionen zurückzuhalten. Als Folge davon ging auch der Konzernumsatz von Groz-Beckert 2019 deutlich zurück; mit 670 Millionen Euro lag er zehn Prozent unter dem des Vorjahres. Vor allem in Asien und Westeuropa war die Nachfrage schwach.

Nachfrage in Asien, China und den USA gesunken

Betroffen waren praktisch alle Einzelsparten. Der Absatz von Strickmaschinennadeln war 2019 rückläufig, da die Nachfrage im asiatischen wie auch im europäischen Maschinenbau, der zumeist nach Asien exportiert, deutlich nachließ. Die Nachfrage nach Nähmaschinennadeln belebte sich zwar in der zweiten Jahreshälfte, doch in Summe blieb der Absatz hinter dem des Vorjahres zurück. Der Absatz der Filznadeln des Produktbereichs Felting litt unter dem Nachfragerückgang in der Automobilindustrie, vor allem in den USA und China.

In China brach zudem das Segment vernadelter Strickwaren, das besonders in Asien in den Vorjahren einen Boom erlebt hatte, zusammen. Beim Absatz von Web­litzen und Webschäften des Bereichs Weaving (Web) wurde die Absatzzahlen des Vorjahres ebenfalls verfehlt; neue Webmaschinen wurden nur gekauft, wenn ältere Modelle dringend ersetzt werden mussten.

Positive Entwicklung im Bereich Carding

Im Bereich Carding entwickelte sich der Absatz von Ganzstahlgarnituren 2019 leicht positiv, trotz schwieriger Umstände. Die Spinnereiindustrie litt an Überkapazitäten in der Garnerzeugung; die Nachfrage in der Nonwovens-Industrie war insgesamt schwach – es fehlte die Bereitschaft, in neue Vliesstoffmaschinen zu investieren.

Auf die Beschäftigungssituation hat sich der Konjunktureinbruch kaum niedergeschlagen. Zum Jahresende 2019 beschäftigte Groz-Beckert im Konzern weltweit 9225 Mitarbeiter; ein Jahr zuvor waren es 9282 gewesen, also 57 mehr. Am Stammsitz in Albstadt waren Ende des Jahres 2287 Mitarbeiter beschäftigt, 32 mehr als Ende 2018. Ferner waren zum Stichtag 31. Dezember 166 junge Leute in der Ausbildung oder im dualen Studium, 16 mehr als Ende 2018; 54 traten 2019 eine Berufsausbildung oder ein Studium bei Groz-Beckert an; 2018 waren es 50 gewesen.

Weitere Kennzahlen: Die Bilanzsumme stieg 2019 von 1,169 auf 1,206 Milliarden Euro, das Eigenkapital von 688 auf 744 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote von 59 auf 62 Prozent und die Summe der Investitionen von 72 auf 104 Millionen Euro. 2019 wurde ein neues Produktionsgebäude in Albstadt geplant; die Entscheidung, mit dem Bau zu beginnen, fiel im März 2020. Die Kosten des Projekts werden mit 140 Millionen Euro veranschlagt; die Bauzeit wird voraussichtlich zweieinhalb bis drei Jahre betragen. In dem neuen Gebäude, das auf der Freifläche östlich des Technologie- und Entwicklungszentrums (TEZ) entsteht, sollen verschiedene Produktionsstätten, die heute übers Werksgelände verteilt sind, vereint werden; annähernd 46 000 Quadratmeter Bruttogrundrissfläche werden sich auf drei teilweise durch Zwischengeschosse ergänzte Etagen erstrecken. Auf dem Dach soll eine Photovoltaikanlage mit 700 Kilowatt/Peak installiert werden.

Klares Bekenntnis für Standort Albstadt

"Dieses Projekt ist viel mehr als eine reine Gebäudeinvestition", sagt Hans-Jürgen Haug: "Es ist ein klares Bekenntnis zum Standort Albstadt." Derzeit sind die Tiefbauarbeiten im Gange, im Sommer sollen die Rohbauarbeiten beginnen. Ferner wird ein Fußgängertunnel unter der B 463 gebaut, der das neue Gebäude und den Firmenparkplatz auf der anderen Seite der Bundesstraße verbindet. Diese wird deshalb für die Dauer von etwa einem Dreivierteljahr eine Schleife über einen Teil des Groz-Beckert-Parkplatzes ziehen.

Für das Geschäftsjahr 2020 zeichnet sich bei Groz-Beckert ein neuerlicher, diesmal coronabedingter Geschäftsrückgang ab. Während die Ergebnisse der ersten drei Monate des Jahres noch recht ordentlich ausfielen, brachen die Umsätze im April drastisch ein – nach dem zweiten Quartal liegt der Halbjahresumsatz um mehr als 15 Prozent unter dem des Vorjahres. Angesichts der aktuellen Weltwirtschaftslage rechnet Groz-Beckert für 2020 mit einem weiteren Rückgang des Konzernumsatzes. Wie hoch er ausfällt, bleibt allerdings abzuwarten.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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