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Albstadt Auf eine Tasse Tee in den Schwarzwald

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Ein Ebinger Flugpionier: Anton Riediger hatte als 17-Jähriger im Ersten Weltkrieg das Fliegen gelernt. Foto: Schwarzwälder Bote

Vor 90 Jahren, am 19. Januar 1930, landete ein Flugzeug auf dem Feldberg, und zwar auf Kufen, denn der Gipfel war verschneit. Es war die erste Winterlandung auf dem höchsten Berg des Schwarzwalds; Flugzeug und Pilot kamen aus Ebingen.

Albstadt-Ebingen. Anton Riediger, sein Bruder Adolf und Passagier Emil Blickle waren um 12.18 Uhr mit einem Leichtflugzeug des Böblinger Herstellers Klemm in den Ebinger Bleuelwiesen gestartet, wo damals Anton Riedigers Hangar und sein kleiner Flugplatz lagen. Die Kufen, ein von einem Storzinger Stellmacher konstruierter Prototyp aus Holz und Draht, waren erst unmittelbar vor dem Abflug montiert worden, und zwar direkt neben den Rädern, die für den Start benötigt wurden – in Ebingen lag an diesem Tag kein Schnee, und wie Emil Blickles Bericht zu entnehmen ist, auch nicht auf den Schwarzwaldgipfeln, die das Flugzeug unterwegs passierte: Schneemangel ist offensichtlich kein ausschließliches Gegenwartsphänomen.

Für den Feldberg reichte es 1930 allerdings noch – als die drei Flugreisenden nach knapp einstündigem Flug über Trossingen, Schwenningen und den Titisee bei herrlichem Wetter zur Landung auf dem Berggipfel ansetzten, winkten ihnen bereits zahlreiche Skifahrer von den Hängen zu. Riediger umkurvte dreimal die Bergspitze, um das Gelände zu sondieren, und wählte dann ein etwa 400 Meter vom Feldbergturm entferntes Schneefeld für die Landung aus. Der erste Versuch musste wegen plötzlichen Aufwinds abgebrochen werden, der zweite gelang anstandslos: Bereits vier Meter nach dem ersten Bodenkontakt stand die Maschine.

Das Publikum ließ nicht lange auf sich warten; wenige Minuten später umgab eine Traube von Schaulustigen Riedigers Klemm. Eine Einladung aus dem Feldberghotel musste er ausschlagen, da er sein Flugzeug nicht allein lassen wollte, die des Wetterdienstes zu einer Tasse Tee im Observatorium nahm er jedoch dankend an. Seine Passagiere passten so lange auf den Vogel auf.

Zwei Stunden verbrachten die drei Ebinger auf dem Feldberg; dann machten sie sich wieder auf den Heimweg. In fliegerischer Hinsicht war die Aufgabe diesmal noch anspruchsvoller als bei der Landung, weil die Startbahn nicht allzu lang war, und die Räder und etliche Schneewechten den Schwung der Klemm stark abbremsten. Erst nach 180 Meter, kurz bevor es steil nach unten ging, hob sie ab, und unmittelbar darauf musste Anton Riediger auch schon eine Linkskurve fliegen und beinahe über den Flügel abkippen, um eine Kollision mit der nächsten Erhebung zu vermeiden. Es folgten noch zwei Ehrenrunden um den Feldbergturm und ein ereignisarmer Rückflug, der eine Stunde und drei Minuten dauerte. Noch vor Anbruch der Dunkelheit waren die drei Flugpioniere wieder wohlbehalten in Ebingen.

Der Ausflug zum Feldberg war ein Testflug gewesen – Erich Blickle plante, das Fahrwerk mit den Kufen in den Hohen Tauern in Österreich einzusetzen – es kam nicht dazu, und auch die Pläne Anton Riedigers, künftig passionierten Skifahrern in schneearmen Zeiten den Flugtransport in den Schwarzwald anzubieten – sozusagen ein Helikopterskiing auf Schwäbisch – , ließen sich nicht verwirklichen. Anton Riediger kam im Oktober 1959, noch keine 60 Jahre alt, bei einem Flugzeugabsturz auf dem Klippeneck ums Leben. Sein fliegerischer Ruhm als Gipfelstürmer auf Flugzeugkufen lebt jedoch fort.

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