Das Aktionsbündnis Pro Gäubahn bei der Gründung im evangelischen Gemeindehaus in Rottweil. Foto: Juergen Lueck /Juergen Lueck

Das Aktionsbündnis Pro Gäubahn wurde in Rottweil gegründet. Andreas Frankenhauser: „So wird unsere Stimme gehört.“ Warum Jürgen Resch von der Umwelthilfe beste Chancen fürs „Oben-Bleiben“ bei S 21 sieht.

Andreas Frankenhauser freut sich: Vor über zehn Jahren hatte er mit der Facebook-Seite Pro Gäubahn den Bahnkunden eine erste Stimme gegeben. Jetzt sagt er im evangelischen Gemeindehaus Rottweil: „Ich bin froh, dass aus dem Ganzen jetzt eine politische Bewegung geworden ist. Mit einer starken Stimme.“

 

Denn: Mit über 50 Gästen haben sich namhafte Organisationen, Kommunalpolitiker und Bürger zum Aktionsbündnis Pro Gäubahn zusammengeschlossen. Ihr Ziel: Keine Gäubahn-Kappung, trotz Stuttgart 21 weiter freie Fahrt bis Hauptbahnhof.

Verzögerungen bei S 21 Und das ist so wahrscheinlich wie nie. Meint Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Aufgrund der jetzt bekannt gewordenen Verzögerungen bei der Inbetriebnahme von Stuttgart 21 sagt er voraus, dass das Projekt bald „Stuttgart 33 oder 35“ heißen könnte: „Die Bahn macht das, was ich im Oktober im Gespräch mit den Bahn-Vorständen Berthold Huber und Lutz vorgeschlagen habe: Einen Kombi-Betrieb von Tiefbahnhof und Kopfbahnhof. Wer die Bahn kennt, kann sich gut vorstellen, dass aus einem Provisorium von zwei bis drei Jahren eines von acht bis zehn Jahren wird.“

Der Pfaffensteigtunnel Auch für den Pfaffensteigtunnel, der ab 2032 fertig sein soll und die Gäubahn über den Flughafen an den Hauptbahnhof anbinden soll, sieht Resch derzeit keine Chance.

Jürgen Resch, Geschäftführer der Deutschen Umwelthilfe, bei der Gründung des Aktionsbündnis „Pro Gäubahn“. Er sagt voraus: Stuttgart 21 könnte Stuttgart 33 werden. Foto: Jürgen Lück/Juergen Lueck

Der Geschäftsführer der DUH sagte unserer Redaktion: „Mir hat Bahn-Vorstand Huber gesagt, dass die Bahn zur Korridor-Finanzierung 40 Milliarden Euro benötigt. Für die Nebenstrecken wie den Pfaffensteigtunnel braucht man 45 Milliarden Euro. Der Bund hat jetzt lediglich 27 Milliarden Euro freigegeben. Damit ist auf Jahre kein Geld mehr da.“

Blick in die Gründungsversammlung von Pro Gäubahn. Foto: Lück/Juergen Lueck

Matthias Gastel, bahnpolitischer Sprecher der Bundes-Grünen und Mitglied im Verkehrsausschuss, ist auch vor Ort. Er sagt unserer Redaktion: „An diesem Mittwoch wird sich Verkehrsminister Volker Wissing im Verkehrsausschuss zu Stuttgart 21 äußern. Da wird sicherlich auch der Pfaffensteigtunnel zur Rede kommen. Seine Finanzierung ist im Moment nicht gesichert.“ Diese Sitzung am Mittwoch, 13. März, ist nichtöffentlich.

Resch ergänzt: „Es herrscht im Moment noch die Feigheit, zu sagen, dass die 2,7 Milliarden echte Baukosten für den Pfaffensteigtunnel nicht da sind.“

Klage der Umwelthilfe Umso wichtiger ist deshalb die Klage der Deutschen Umwelthilfe gegen die Kappung der Gäubahn. Resch: „Nur sie kann verhindern, dass der Gäubahn-Damm an der Ehmannstraße für die S-Bahn gekappt wird und so die Durchfahrt zum Hauptbahnhof unmöglich wird.“

Resch verweist auf Hans-Jörg Jäkel vom Stuttgarter Gäubahnkomitee, der aufgrund einer Machbarkeitsstudie der Deutschen Bahn nachgewiesen hat, dass man die S-Bahn-Station Mittnachtstraße auch ohne Abriss des Gäubahn-Damms umsetzen kann.

So kann die S-Bahn Strecke ab Mittnachtstraße auf den Gäubahn-Damm an der Brücke Ehmannstraße in Stuttgart geführt werden. Das heißt: Besserer Nahverkehr in Stuttgart und freie Fahrt weiterhin bis Hauptbahnhof. Foto: Gäubahnkomitee Stuttgart

Jäkel: „Das kostet laut der Machbarkeitsstudie der Bahn zwischen 1,5 bis 3 Millionen Euro. Das ist so viel Geld, wie an einem Tag bei Stuttgart 21 verbaut wird.“ Deshalb hofft das Aktionsbündnis Pro Gäubahn, dass die Klage der DUH, der Doppel-Betrieb von Stuttgart 21 und Kopfbahnhof und das fehlende Geld für den Pfaffensteigtunnel dazu führt, dass Stuttgart 21 auf Dauer oben bleibt. Selbst wenn es dann erst Stuttgart 33 wird.

Gastel: „Durch das Baustellendesaster hat die Gäubahn schon enorm an Bedeutung verloren. Das Land versucht, gegenzusteuern. Wenn noch die Kappung vom Hauptbahnhof kommt, dann wird die Gäubahn zu stark geschwächt.“

Politischer Druck Und so sieht sich das neue Aktionsbündnis Pro Gäubahn im Aufwind. Hendrik Auhagen (Ex-MdB, Grüne, Konstanz): „Die Gäubahn jetzt abhängen zu wollen, ist nur Zerstörungswille. Jetzt steht auch meine Partei, die Grünen, unter Druck. Die Abhängung der Gäubahn wäre Anti-Verkehrswende-Politik. Auch Stuttgart sollte die Chance ergreifen, das Rosensteinviertel umzuplanen. Wir als Bodenseeanrainer sagen ja auch nicht: Da, wo die Zapfstelle für das Stuttgarter Bodenseewasser ist, hätten wir lieber Eigentumswohnungen in Bodman.“ Ein langer Applaus zeigt – das Aktionsbündnis Pro Gäubahn ist so selbstbewusst und stark wie nie.

Foto: Jürgen Lück/Juergen LueckE

So stark ist das neue Aktionsbündnis Pro Gäubahn

Das Bündnis
 Es besteht aus Experten, Vereinigungen, Bürgern und Kommunalpolitikern.

VCD
 Der Verkehrsclub Deutschland ist unter anderem mit dem Landesvorstand Jörg Dengler, Geschäftstellenleiterin Stefanie Liepins und Bundesvorstand Monika Zimmermann dabei. Dazu Markus Mertens vom VCD Herrenberg.

LNV Der Landesnaturschutzbverband ist mit Vize Stefan Frey dabei.  Frey hatte mit dem VCD und Pro Bahn den „Faktenschummel“ der Deutschen Bahn aufgedeckt, der beim Gäubahn-Gipfel in Horb von den Gutachtern von Ramboll bestätigt wurde.

Gäubahnkomitee Stuttgart.
Ein breites Bündnis der „Oben-Bleiben“ Kämpfer gegen Stuttgart 21 aus der Landeshauptstadt. Mit dabei: Hans-Jörg Jäkel, Wolfgang Grohe (Ingenieure gegen S 21), Frank Distel (Schutzgemeinschaft Filder), Gero Treuner (VCD Stuttgart).

Kommunalpolitiker.
Mirko Witkowski (SPD-Kreischef Rottweil), Sonja Rajsp-Lauer (Kreistag, Gemeinderat Grüne RW) Katja Rommelspacher (Kreisschefin Grüne Tuttlingen, Gemeinderätin), Heiko Focken (Beisitzer Grünen-Kreisverband Böblingen), Dieter Rominger-Seyrich (SPD-Gemeinderat Horb).

Naturschützer und Co.
Eberhard Valtinke (Nabu-Vorstand Freudenstadt), Hendrik Auhagen (Attac Konstanz), Jürgen Resch, Deutsche Umwelt-Hilfe, Michael Leibrecht (Pro Gäubahn Rottweil, Ex-Gemeinderat), Nikolaus Baur (Singen)