Zum christlichen Osterfest gehören bunt verzierte Ostereier mit filigranen Ornamenten. Jolante Kosok (links) und ihre Eltern Renate und Manfred Rohn (daneben) feiern das wichtigste Fest der Christenheit im Kreis der Familie gemeinsam. Fotos: Maier Foto: Schwarzwälder-Bote

Jolante Kosok in Tumlingen verziert Ostereier ideenreich mit Ornamenten / Tolle Deko zum Fest

Von Walter Maier

Waldachtal-Tumlingen. Filigrane Kunstwerke zaubert Jolante Kosok in Tumlingen auf farbige Ostereier. Was für eine zeitaufwendige Arbeit: Um ein Ei zu verzieren, benötigt sie vier bis fünf Stunden. Mit ideenreichen Ornamenten verwandelt die 47-Jährige ausgewählte Hühnereier in bewundernswerte Schmuckstücke.

Jedes künstlerisch gestaltete Ei ist ein Unikat. Eine wahre Geduldsarbeit. Zur Osterzeit zieren die edlen Kleinode ihre Wohnung in der Weinhalde. Ihre Familie hat dort das ehemalige Elternhaus des Alpirsbacher Stadtpfarrers Horst Schmelzle gekauft.

Die Mutter der zwei erwachsenen Kinder Justine und Tobias pflegt wie ihre aus Oberschlesien stammenden Eltern Manfred und Renate Rohn, die auch seit 25 Jahren in Tumlingen leben, schlesisches Brauchtum. Auch der Zusammenhalt der Familie wird hochgehalten. Zu den christlichen Hochfesten legt sich die Familie besonders ins Zeug. Die schöne Oster-Dekoration lässt Festtagsstimmung aufkommen.

Schon als Kind zeigte Jolante Interesse, Ostereier kunstvoll zu verzieren. Für Handarbeit in der Volkskunst machte sie in ihrer ursprünglichen Heimat eine Ausbildung bei der Oppelner Arbeitsgemeinschaft. Dort knüpfte sie vorwiegend Gobelin-Wandteppiche und stellte Porzellanwaren her, deren Motive sie auch auf Ostereier übertrug. Seit sie in Deutschland ist, fertigt sie jedes Jahr rund 20 kleine Kunstwerke auf Schalen von ausschließlich weißen Eiern, die teilweise verschenkt werden.

Heute sieht die Reinemache-Frau vom katholischen Gemeindezentrum Lützenhardt und der Grundschule Salzstetten ihre handwerkliche Kunst als Ausgleich zu ihrem Alltag. Mittels Kratztechnik mit einem Messer oder in moderner Frästechnik bearbeitet sie die Eier. Zuvor bläst sie diese manuell oder mit einer Vakuum-Pumpe aus. Früher kochte man die Hühnerprodukte bis zu vier Stunden in Salzwasser, um die Schale zu härten. Sauber mit Spülmittel gewaschen, das entfettet, wird zuerst eine Textilfarbe aufgetragen. "Der Inhalt ist die Seele des Eies", bemerkt Mutter Renate, die es selbst ausprobiert hat, aber nur am Staunen ist, wie gut ihre Tochter eine stimmige Symmetrie auf diese ovale Form hinbekommt.

"Beim Kratzen fallen mir die Muster ein", sagt die sympathische Freizeitkünstlerin lächelnd, die davon träumt, eines Tages auch riesengroße, bis zu eineinhalb Kilo schwere Straußeneier zu bearbeiten, die 24 Hühnereier entsprechen. Als Motive verwendet sie vorwiegend Blumen, Herzen oder einen Korb. Geschickt kann auch ein lieber Spruch zwischen den Verzierungen platziert werden. Die 47-Jährige widmete ihrem Mann Jan einen Vers: "So viel Sterne am Himmel, so viel Liebe für dich".

Auch an diesem Osterfest wird sie von ihrem Mann Jan wieder eine kleine Sprühladung Parfüm abbekommen. Das zieht sie einer Eimer-Schütte kaltem Wasser vor, wie es in ihrer oberschlesischen Heimat Brauch ist. Das Besprühen mit Parfüm ist eine Version des Bespritzens. Dem Morgen des Ostermontags sah sie in ihrer Jugendzeit wie manch anderes Mädchen mit banger Erwartung entgegen. Denn im Kreis Oppeln ist es Tradition, dass Burschen die Mädchen stark begießen oder zu einem Wassertrog schleppen. Was für eine Art von Zuneigungs-Bekundung? Auf jeden Fall ein Fruchtbarkeitsbrauch. Die Mädchen ihrerseits schenken ihren Verehrern bunt verzierte Ostereier. Das rot-gefärbte Ei war als Farbe der Liebe sehr begehrt. "Ich wollte kein gelbes Ei geben", sagt Jolante Kosok. Denn das gelbe Ei wurde mit Ablehnung verbunden. Das blau-gefärbte Ei, ein Zeichen der Hoffnung, war die Vorstufe zu rot. Auch das grüne verbindet man mit Hoffnung. Schwarze Eier werden an Herrschaften wie Geistliche oder Bürgermeister verschenkt. Seit Jahrzehnten gibt es in Schlesien Wettbewerbe und Ausstellungen.

Ostern begehen die schlesischen Familien Kosok und Rohn wie ihre schwäbischen Landsleute in ihrer neuen Heimat als Familienfest. Die in der Osternacht gesegneten Speisen werden am Ostersonntag gegessen. "Jeder Tag des Osterfestes hat seine Bedeutung", erklärt der katholisch geprägte Manfred Rohn.

Das Ei ist seit jeher ein Sinnbild für Fruchtbarkeit, Geburt und Wiedergeburt und lässt sich bis 2600 vor Christus ein kultisches Frühlingsfest der Sumerer mit Eiern zurückverfolgen. Es wurde im Laufe der Zeit zum Symbol für Ostern. Archäologische Funde belegen, dass schon die Ägypter, Griechen und Römer bemalte Eier ihren Gräbern beilegten. Später wurde bei Christen das Ei zum Symbol für die Auferstehung Jesu Christi. Berühmt für die wunderschöne Gestaltung der Ostereier sind die Sorben. In Oberschlesien gibt es heute noch Künstler im Eierkratzen.