Villingen-Schwenningen Nach Anschlag: Polizei durchsucht Sicherheitsfirmen

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Das Regierungspräsidium will nun Videokameras an der Flüchtlingsunterkunft installieren lassen und neues Sicherheitspersonal einstellen. Foto: Seeger

Villingen-Schwenningen - Es ist Tag eins nach dem Bekanntwerden der Hintergründe zu dem Granatenwurf auf das Flüchtlingsgelände in Villingen-Schwenningen. Der Verdacht: Es könnte sich um eine der Gruppierungen handeln, mit denen man in der Doppelstadt schon öfter Bekanntschaft gemacht hatte. Zudem durchsuchte die Polizei am Mittwochnachmittag Unternehmen des Sicherheitsgewerbes in den Landkreisen Tuttlingen und Schwarzwald-Baar.

In Villingen-Schwenningen munkelte man bereits vor dem Ermittlungserfolg der Polizei, dass eventuell die Security-Mitarbeiter Ziel des Granatenwurfs waren. Kenner der Szene sehen dabei auch einen möglichen Konflikt mit einer rockerähnlichen Gruppierung, die in Villingen-Schwenningen gegründet wurde und mittlerweile bundesweit kriminell aktiv ist.

Die Gruppe gilt als "Gang", der es nicht nur im Türsteher-Milieu um Geld geht. Vorstellbar wäre daher, dass "Revierstreitigkeiten" Hintergrund der Tat sind. Jedoch weniger territorial sondern eher auftragstechnisch. "In der Szene wird auch immer genau geschaut, wer welchen Auftrag bekommt." Dabei würde es neben den finanziellen Anreizen ebenso um die "Existenzsicherung in der Legalität" gehen. Ein gewisser Konflikt schwele immer – dies zeige auch die Präsenz verschiedenster Vereinigungen in der Stadt, heißt es vor Ort.

Mitarbeiter der Firma verspüren Angst

Nicht ohne Grund äußerten Mitarbeiter aus dem Kreis des betroffenen Unternehmens, dass sie Angst hätten. Und dies bereits im frühen Stadium der Polizei-Ermittlungen. "So ein Ding wirft man jemanden in den Vorgarten, um ihn zu warnen", berichtet ein Informant zu Gepflogenheiten auf dem Balkan. Dazu passt, dass die jugoslawische Granate vom Typ M52, die mit Sprengstoff gefüllt war, vor allem während des Bürgerkriegs im Westbalkan stark verbreitet war.

Der Sprecher einer rockerähnlichen Gruppe indes weist gestern einen Bericht der "Bild" zurück, für den Anschlag verantwortlich zu sein: "Das hat absolut nichts mit unseren Jungens zu tun."

Derweil wird in Ermittlerkreisen vermutet, dass in der Granate kein Zünder verbaut war – sprich: Sie hätte nicht von alleine explodieren können. Dafür spricht auch, dass gegen die drei Beschuldigten lediglich wegen eines Verbrechens nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz Haftbefehl erlassen wurde – und nicht wegen versuchten Mordes.

Die Stellungnahmen seitens der Politiker, nachdem ein fremdenfeindlicher Hintergrund von den Behörden ausgeschlossen wurde, halten sich eher in Grenzen. Oberbürgermeister Rupert Kubon (SPD) lobte den "schnellen Ermittlungserfolg". Gleichzeitig fordert er Konsequenzen. "Man muss bei der Auswahl der Sicherheitskräfte sehr genau schauen, wen engagiert man da."

Ohne Sachkundeprüfung keine Anstellung

Momentan brummt die Sicherheitsbranche. Die Bundesagentur für Arbeit listet in ihrer Jobböse mehr als 10 000 Stellengesuche im Bereich Schutz und Sicherheit, die meisten davon im Werk-, Personen- und Objektschutz. Doch wonach suchen die Firmen ihre Mitarbeiter aus?

Oft wird in den Ausschreibungen eine Sachkundeprüfung nach Paragraf 34a der Gewerbeordnung verlangt. Um diese sogenannte Bewachungserlaubnis zu bekommen, ist eine Prüfung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) nötig. Wie das Regierungspräsidium Freiburg (RP) gestern mitteilte, stellt jedoch der Kreis oder die Stadt dafür die Genehmigung aus. "Wird diese Erlaubnis entzogen, wird der Vertrag sofort gekündigt", heißt es aus Freiburg. Zudem muss die Firma dem RP von jedem neuen Mitarbeiter ein aktuelles polizeiliche Führungszeugnis vorlegen. Fällt ein Mitarbeiter negativ auf oder verweigert ein Führungszeugnis, kann er ausgetauscht oder entlassen werden.

Dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW) reicht das nicht aus. Er fordert erneut strengere Vorgaben zur Ausbildung von Wachpersonal. Für Tätigkeiten in sensiblen Bereichen wie in Flüchtlingsunterkünften seien gesetzliche Regeln notwendig, sagte eine Verbandssprecherin gestern. So müssten Grundqualifikationen wie die interkulturelle Kompetenz gelehrt werden. Die rund 40-stündige Unterrichtung bei der IHK allein reiche dafür nicht aus.

Ein Sicherheitsexperte aus Rosenfeld (Zollernalbkreis) spricht Klartext: Qualifizierte Mitarbeiter seien kaum noch zu finden: "Wir versuchen die im Ländle zu bekommen, aber die Kapazitäten sind erschöpft."

 

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