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Villingen-Schwenningen Mobbing: Für Lehrerin wird Schule zur Hölle

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Krank durch Kollegen-Schikane? Offenbar kein Einzelfall unter Lehrern. (Symbolfoto) Foto: kieferpix/ stock.adobe.com

Villingen-Schwenningen - Für eine Lehrerin wird die Schule zur Hölle. Sie erhebt nicht nur gegen eine Kollegin, sondern auch die Schulleitung schwere Mobbing-Vorwürfe. Seit einem Jahr ist die Frau krank geschrieben. Krank durch Kollegen-Schikane? Das ist kein Einzelfall.

Es ist im Herbst ein Jahr her, dass sich der Schwarzwälder Bote mit einer bislang eher ungewöhnlichen Geschichte aus dem Schulalltag der Region beschäftigt. Mobbing unter Lehrern. Die betroffene Frau ist dem Vernehmen nach seit den Sommerferien 2016 krank geschrieben. Wann sie in den Schuldienst zurückkehren kann, ist noch offen. Eines ist aber gewiss: In die alte Schule möchte sie nicht zurückkehren. Zum Thema Mobbing kann sich Markus Adler, Pressesprecher im Regierungspräsidium, nur spärlich äußern. Aus den schulpsychologischen Beratungsstellen der Staatlichen Schulämter und von den psychologischen Schulberatern gebe es immer wieder Anfragen von betroffenen Lehrkräften oder Schulleitungen, die mit Mobbing-Verdachtsfällen im Kollegium umgehen müssen, berichtet er. "Sicherlich gehen wir solchen Fällen nach, wenn sie uns zu Ohren kommen." Was passierte nach Bekanntwerden der Mobbingvorwürfe? "Zu Einzelfällen können wir uns nicht äußern", so Adler knapp. "Wir nehmen das Thema aber sehr ernst."

Behörden in der Kritik

"Dann ist ja gut", würde ein Experte in Sachen Mobbing zu dieser Aussage sagen. Reinhold Jäger, jahrelang Professor für Psychologie an der Universität Landau, hat eine groß angelegte Studie des Zentrums mit 3000 Lehrern zum Thema Mobbing gemacht und teils Schockierendes erfahren. Befremdet war er vor allem darüber, dass gerade übergeordnete Stellen wie Schulämter oder Regierungspräsidien teilweise nichts unternehmen. "Das wird häufig unter den Tisch gekehrt." Hilfe bekommen seinen Erfahrungen nach nur wenige Mobbing-Betroffene. Im Gegenteil: Der Spieß werde nicht selten umgedreht und den Opfern signalisiert, "dass sie wohl im falschen Job gelandet sind und lieber etwas anderes machen sollten".

Am gravierendsten für Jäger: Rund 56 Prozent der bundesweit befragten Pädagogen gaben an, von ihren Vorgesetzten gemobbt, also über einen längeren Zeit schikaniert, gepiesackt und ausgegrenzt worden zu sein. Rund 48 Prozent nannten die eigenen Kollegen als "Angreifer", Betroffene erleben ein "Gefühl der Respektlosigkeit und des Ausgegrenztseins". Häufig, so seine Beobachtungen, treffe es engagierte Neulinge im Beruf, Persönlichkeiten, die oft über ein zu geringes Selbstbewusstsein verfügen. Meist beginne das Mobbing recht subtil, zunächst verdrängen es Betroffene, wenn getuschelt werde, sobald man den Raum betrete oder sich Kollegen demonstrativ wegsetzen.

Ausnutzen der Macht

Warum mischen vor allem leitende Pädagogen in dem perfiden wie krank machenden Spiel mit? Es geht um das "Ausnutzen einer Machtposition", analysiert Jäger. "Nicht jeder Qualifizierte ist auch geeignet für den Job." Was bleibt Opfern , wenn sie sich von allen Stellen alleine gelassen fühlen? "Dann muss die Sache an die Öffentlichkeit, zum Beispiel an Medien wie den Schwarzwälder Boten".

Der Fall der krank geschriebenen Lehrerin ist kein Einzelfall. Jeder neunte Arbeitnehmer, heißt es in einem Bericht zum Thema Mobbing von der Barmer GEK, werde mindestens einmal in seinem Berufsleben auf üble Weise schikaniert. Arbeitsausfälle durch Mob bing verursachen einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden, der sich je nach Quelle auf Summen zwischen 15 und 40 Milliarden Euro beläuft. Der Villinger Psychologe Andreas Maschmann kennt einige Mobbing-Fälle. "Es gibt nichts, was es da nicht gibt." Auch er hört von Vorgesetzten, die ihre Machtposition ausnutzen und Mitarbeiter piesacken. Welche Möglichkeiten Betroffene haben, zeichnet er auf: Berufsgenossenschaften und Betriebsärzte informieren und eine saubere Dokumentation über das Erlebte führen. Und wenn nichts zum Ziele führen sollte, "dann sollte Betroffene lieber den Arbeitsplatz wechseln".

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