Von Hans-Jürgen Kommert Unterkirnach. "Deutschlandbilder" malte der Musikverein Unterkirnach eindrucksvoll im Jahreskonzert in der Schlossberghalle. Und als ob sie die Besonderheit geahnt hätten, kamen so viele Besucher wie schon lange nicht mehr. Bei der Jugend hatten nicht nur die Mitglieder des Jugendorchesters ihren großen Auftritt. Wer Rolf Zuckowski kennt, weiß auch Bescheid, was es heißt, wenn Kinder "In der Weihnachtsbäckerei" mithelfen. Dies sangen die Zöglinge mit, die noch nicht reif für einen Auftritt mit den jungen Musikanten sind.

Michael Sweeney sorgte mit der "Black Forest Ouvertüre" für den ersten Ausflug nach Hause. Ins "Zauberland" von Neuschwanstein entführte Kurt Gäble, und Wim Laseroms "Globetrotter" zeigte auch, was in den Jungmusikern alles steckt. Donnernder Applaus sorgte für Verlängerung – von den Musikern unter dem Stab von Melitta Richardi souverän gemeistert. Gleich drei Stücke mussten sie anhängen, so das Lied der wohl populärsten Biene Deutschlands, der Biene Maja, aber auch einen kernigen Grönemeyer-Song, der Rhythmus und Kraft in sich vereint: "Zeit dass sich was dreht".

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Dann zeigte die Hauptkapelle, dass sie doch noch etwas mehr draufhat, obwohl der Altersdurchschnitt dank vieler junger Musiker doch niedrig liegt. Da gehören solche gestandenen Musiker wie der Vorsitzende Eduard Weisser schon beinahe zu den "Oldies". So führte ein ganz Junger durch das Programm: Norman Blum tat dies mit einer Abgeklärtheit, als mache er das täglich. Der Musiker Kees Vlak aus den Niederlanden hat mehrere Besonderheiten. Eine gravierende ist die, dass er, je nach Genre, das er bedient, verschiedene Pseudonyme benutzt. Einer der benutzten Namen ist Alfred Bösendorfer. Dies führte dazu, dass Vlak gleich mit drei kraftvollen Kompositionen am Erfolg des wohl seit Jahren besten Konzerts der Unterkirnacher Musiker beteiligt war.

"Kap Arkona" auf Rügen sprach von weißen Kreidefelsen, die Bösendorfer auf der einen Seite düster und geheimnisvoll malte, dann wieder lebendig und stark. Vor allem die jungen Männer am Schlagwerk zeichneten sich aus und förderten die Intensität. Zwischen den Stücken des Holländers zeichnete Markus Götz ein vielfältiges Bild des Schwarzwalds. Akzentuiert setzte das Orchester die Stabführung von Wolfgang Kunzelmann um. "Silva Nigra", der Schwarze Wald, wurde auf Bestellung zum 125-jährigen Bestehen der Trachtenkapelle St. Märgen und schildert eindrucksvoll die Umgebung des Schwarzwalddorfes.

Ein Capriccio für Blasorchester von Bösendorfer diente als Titelgeber des Konzerts: Der Komponist liefert wunderschöne "Deutschlandbilder", während er unter dem Namen Vlak in einer anderen musikalischen Sprache "Mein Brandenburg" preist, mit vielen Elementen aus Märschen.

Ein Medley aus Fernsehmelodien entführte die Besucher in die Tagesschau oder aufs Traumschiff, zur Schwarzwaldklinik und in die Lindenstraße. Bei dem Lied "Ich gehör nur mir" aus dem Musical "Elisabeth" gesellte sich zu den Klängen des Orchesters die Stimme von Julia Obergfell. Grönemeyer kam mit seinem Titel "Mambo" nochmals zu Ehren, gefolgt von einem Medley der Schlagerikone Wolfgang Petry. Den Schluss bildete der Jägermarsch Waidmannsheil. Eigentlich, denn anhaltender Applaus ließ auch die Truppe um Kunzelmann weich werden: Eine "Schlittenfahrt in den Alpen" sowie die Polka "Mein schönes Heimatdorf" über Unterkirnach gab es als Zugabe.