Sulz a. N. Vom Staub der Vergessenheit befreit

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Kunsthistoriker Ralf Gottschlich ging auf Riccardas Leben und Wirken ein. Fotos: Reinauer Foto: Schwarzwälder-Bote

Riccarda Pfeiffer-Gohr-Gregor-Grieshaber - die vergessene Malerin vom Bernstein; so der Titel der Ausstellung, welche kürzlich im Wasserschloss eröffnet wurde.

Sulz-Glatt. Die Malerin wird den Zusatz "vergessen" nach dieser Ausstellung hoffentlich nicht mehr tragen müssen. Bleiben ihre Werke doch im Gedächtnis der Betrachter.

Musikalisch umrahmten der Pianist Michael Hauser und der Klarinettist Sven Gnass die Vernissage mit Stücken aus den 50er und 60er Jahren. Landrat Wolf-Rüdiger Michel begrüßte die Gäste und erzählte von der legendären Bildungseinrichtung nur zehn Kilometer von Glatt entfernt – der Kunstschule Bernstein. Dort verbrachte Riccarda drei Jahre.

Die Malerin sei in Vergessenheit geraten, obwohl sie doch eine Schlüsselrolle in der Geschichte von Bernstein gespielt hätte. Sie hätte der zeitgenössischen Kunst Richtungsimpulse gegeben. "Mitten in der schwäbischen Provinz", so Michel. Diese Retro­spektive würde den Landkreis bereichern und auch an vergangene Einzellaustellungen von Künstlern der Bernsteinschule anknüpfen. Sie würde gebührend Beachtung durch diese Ausstellung finden, sagte Michel.

Die Bilder stammen aus Privatbesitz und dem Museum Spendehaus in Reutlingen. Kunsthistoriker des Museums, Ralf Gottschlich, begrüßte anschließend die Gäste und ging auf Riccardas Leben und Werk ein. Die Nachkriegszeit sei damals nicht so beschwingt gewesen, wie die eben gehörte Musik, sagte Gottschlich.

Das Ende von Nazi-Deutschland war nicht das Ende des Schreckens

Das Kunstmuseum Spendehaus kam erst in den Besitz der Holzschnitte des Ehemanns der Künstlerin und dann auch der Gemälde Riccardas. So konnten die 50 Werke der Malerin vor zwölf Jahren erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden. "Die Kapitulation von Nazi-Deutschland bedeutete nicht das Ende des Schreckens", so Gottschlich. Auch nicht für Riccarda, die vergewaltigt wurde. Dies hätte sie in ihrem künstlerischen Schaffen verarbeitet. In einem ihrer Werke wird diese Tat bildlich-abstrakt dargestellt.

Des Weiteren ging der Kunsthistoriker auf ihre Rolle als Ehefrau des Holzschnittkünstlers Grieshaber ein. Über deren künstlerische Beziehung sei nicht viel bekannt. Man könne aber ihre unterschiedlichen Werke deuten: Neben dem Gemälde "Motorradfahrer" von Riccarda befindet sich der Holzschnitt ihres Mannes, der den Titel "Motorrad" trägt.

Ralf Gottschlich vermutet, dass es ein Wechselspiel zwischen den beiden Künstlern gegeben hatte. Sie, die eine solide Kunstausbildung genossen hatte, er, der Autodidakt. Beide hätten sich gegenseitig in ihrem Schaffen befruchten können.

Viel gab es zu erzählen, über das Leben dieser vielschichtigen Künstlerin. Doch die Gemälde sprechen für sich. Sie entfalten ihre Wirkung erst, wenn man ein paar Schritte zurücktritt und sie aufmerksam als Ganzes betrachtet. Oft hinterlassen sie ein unangenehmes Gefühl: Gemälde wie "Sozialamt" oder "Krieg", mit dunklen Farben und traurigen Gestalten, wirken wie Traumbilder. Als Kontrast dazu stehen Riccardas Stillleben und farbenfrohen Werke.

Neben der Malerei widmete sie sich auch der Literatur und schrieb Bücher, später bemalte sie Möbel.

Die Bilder der Nachkriegszeit jedoch sind prägnant. Man spürt, dass diese Frau in ihren Werken Schmerz und Schrecken verarbeitete. Als dieser seinen Ausdruck gefunden hatte, konnte sie sich froheren Bildern widmen.

Die Ausstellung ist noch bis zum 4. Dezember zu sehen.

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