St. Georgen Alles, was zum Mensch sein gehört

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Petra Wolff unterrichtet Geige und Bratsche an der Jugendmusikschule. Foto: Seiss Foto: Schwarzwälder-Bote

Im zarten Alter von acht Jahren begann Petra Wolff Geige zu spielen. Während ihres Studiums lernte sie dann auch das Spielen auf der Bratsche . Ihr Ziel ist es, dass ihre Schüler den Unterricht mit einem Lächeln verlassen.

St. Georgen. Ihre Mutter wollte immer Geige spielen, begann im Alter von 16 Jahren damit. Als sie sich die Hand brach, musste sie aufhören. Während der Schwangerschaft hörte sie viel Barock-Musik. Petra Wolff wuchs mit Musik auf. In der Grundschule in Neuss am Rhein hatte sie von der zweiten bis einschließlich der dritten Klasse elementare Musikerziehung. "Ich hatte dann kein Problem mehr, zu erkennen, was die schwarzen Punkte auf den Linien sollen", scherzt sie. Die damalige Lehrerin sprach eine Empfehlung für die Geige aus. Mit acht fing sie das Spielen an.

Mit 14 Jahren wusste sie: "Ich will das studieren". Sie machte Kammermusik, hörte ein Streichquartett auf einem Tonträger, dann war sie "völlig infiziert". In der Musikschule spielte sie im Streichquartett bis sie 19 war. "Ich wollte so toll spielen können", schwärmt sie.

Aus Sehnsucht Geigen aus Katalog abgemalt

Mit ihrer Familie war sie oft im Urlaub in den Bergen. Dorthin durfte sie ihre Geige nicht mitnehmen. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts gibt es in Mittenwald eine Musikinstrumentenbauschule. In deren Museum malte Petra Wolff aus Sehnsucht dann Geigen aus dem Katalog ab. "Ich habe sogar die doppelten Ränder und F-Löcher gemalt. Ich fand das einfach schön." Durch das Schallplatte-Hören wuchs ihre Begeisterung und die Faszination für die Geige. "Man hat ein Ideal von Klang im Kopf, das wird man nie wieder los."

Ein weiterer Aspekt der sie an der Geige begeistert: "Ich kann mit dem Klang resonieren. Es fühlt sich an, als würde er in einem leben, als wäre es eine innere Stimme", beschreibt sie ihre Gefühlslage.

Neben der Geige hat sie auch die Liebe zur Bratsche gefunden. Die Viola, der italienische Begriff dafür, ist vergleichbar mit einem Tenor. Sie ist etwas größer als die Geige, hat das tiefe "C" als zusätzliche Saite. Dafür nicht die höchste Saite der Geige. Die Geige, italienisch Violine, ist die Sopran-Stimme. Das Interessante: "Wenn Mädchen eine tiefere Stimme bekommen, dann mögen sie oft die Bratsche lieber", stellte Petra Wolff fest.

Die Geige wächst mit den Schülern mit. Die Musikschule stellt Leih-Geigen zur Verfügung. Die Kinder fangen je nach Körpergröße im sechzehntel Bereich an. Auf einer "ganzen Geige"­ spielen sie erst, wenn sie nahezu ihre volle Körpergröße erreicht haben. Meist sei dies im Alter von etwa 15 Jahren, erläutert Wolff. "Kindergeigen klingen klein, da braucht die Familie Geduld, bis Kind und Geigen wachsen", schmunzelt sie.

In Düsseldorf begann sie ihr Geigengrundstudium. Dann lernte sie den Lehrer kennen, der in Trossingen unterrichtete. Mit der Schwarzwaldbahn fuhr sie nach Trossingen. Für sie stand fest: "Hier will ich nicht mehr weg." Mit dem Instrumentallehrer-Diplom schloss sie ab, machte zusätzlich einen künstlerischen Abschluss für die Bühnenreife.

Im Studium begann sie mit der Bratsche. "Sie hat etwas Beruhigendes, etwas Weiches. Wenn ich ausgiebig auf der Bratsche spiele, werde ich ein anderer Mensch. Es erdet mich." Die Geige hingegen findet sie belebender, aufgeweckt. "Sie klingt euphorisch, leuchtend."

Seit ihrem Abschlussjahr 2000/01 unterrichtet Wolff an der Jugendmusikschule (JMS) St. Georgen-Furtwangen. "Ich habe mich auf einen Aushang bei Herrn Rimbrecht beworben", blickt sie zurück. Ihr Jugendplan sah vor, in einem Orchester zu spielen. Im Laufe ihres Studiums kristallisierte sich die Kammermusik für sie heraus. Während des Studiums gab sie Unterricht. "Das Unterrichten würde ich nicht mehr aufgeben wollen", verrät sie.

Kommunikativer Aspekt der Kammermusik reizvoll

Neben ihrer Tätigkeit als Musikschullehrerin spielt sie freiberuflich in zwei Orchestern. Außerdem hilft sie bei städtischen Orchestern aus, vor allem auch in Kammerorchestern und Barock-Ensembles.

Besonders toll an der Kammermusik findet sie den kommunikativen Aspekt. "Man nimmt die Kollegen wie im Flug wahr, den Atem, die Körpersprache. Es muss auf jeden Fall etwas Schönes dabei heraus kommen. Wir Musiker stellen uns der Herausforderung, uns immer wieder für mindestens ein Konzert zu einigen", beschreibt sie. Man kenne sich nach solchen Projekten unglaublich gut. Bei Wiedersehen habe sie oft den Eindruck, die anderen Musiker erst gestern gesehen zu haben.

Auch die Literatur für Kammermusik gefällt ihr. "Es gibt unglaublich viel, unglaublich gute Musik. Von jedem Genie ist Literatur dabei." Beethoven, Brahms, Schubert, Mendelssohn, zählt sie auf. "Ich glaube, man könnte ein ganzes Leben spielen und fände immer noch Stücke, die man noch nie zuvor gehört hat."

Stolz ist sie darauf, dass sie – im Moment –­ als Musikerin leben kann. "Es wird an Kultur gespart", beklagt Wolff. Viele Musiker müssten sich mit zwei Jobs über Wasser halten. Das sei schwierig, denn durch Fahrtwege gehe wichtige Übungszeit verloren. "Ohne Übung geht es bei uns einfach nicht", konstatiert die Geigenlehrerin.

Dabei sei in Musik all das inbegriffen, was zum Mensch sein gehört. "Ich kann mich dem nicht entziehen", gibt sie zu. Die Vielfältigkeit imponiert ihr. Emotionen und Fantasien werden geweckt. Zuhörer sind physisch involviert – Gefühle tiefer Traurigkeit, Schauer oder auch Glücksgefühle, die Lust zu Tanzen – all dies wird nur über die Ohren ausgelöst, schwärmt Wolff.

Es sei möglich, Kultur aus vier Jahrhunderten nachzuerleben. Bei Bach sei es so, dass alles strukturiert werde. Bei Schubert und Mendelssohn werde die romantische Welt ausgekostet. "Es ist eine ausgiebige Beschäftigung. Und man hat ein soziales Miteinander, beispielsweise wenn man im Orchester oder in einem Ensemble spielt."

Wenn jemand mit Musik aufwächst und als Kind "infiziert"­ werde, dann behalte das ein Mensch ein Leben lang bei. "Dann ist man traurig, wenn der Unterricht ausfällt." Deshalb ist sie immer noch mit Begeisterung dabei. "Klänge selbst zu machen, insbesondere, wenn sie so gelingen, wie man sich das vorstellt – das sind schon tolle Momente."

An eine lustige Begebenheit kann sich Petra Wolff noch gut erinnern. Sie spielten im Orchester ein Stück von Tschaikowski. Es war alles sehr dramatisch, eine nahezu hysterische, überemotionale Stimmung. Dann brach die Dramatik ab, es herrschte Stille. "Ich war völlig der Dramatik hingegeben. Der letzte Schlag fiel in die Pause. Dann musste ich im ganzen letzten Satz lachen", schmunzelt sie.

Unterricht auf der Geige oder Bratsche findet bei Wolff in aller Regel einzeln statt. Als Lehrer habe man dadurch die Möglichkeit, die Schüler besser kennenzulernen. "Ich versuche die Stunden bunt zu halten. Es gibt sowohl konsequente, strenge Momente, aber auch viel Spaß." Strukturiert und schematisch wird beispielsweise das Noten lesen gelernt. Im Unterricht findet aber auch die empfindsame Auseinandersetzung mit Musik und dadurch ausgelösten Emotionen statt. "Mein Ziel ist es, dass meine Schüler aus der Türe gehen und einfach ein Lächeln auf den Lippen haben."

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