Schramberg Klinik hängt am seidenen Faden

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Legen sich für die Schramberger Interessen mächtig ins Zeug: die Kreisräte Thomas Schenk, Bernd Richter und Werner Klank (von links). Querbeet durch alle politischen Lager derweil betretene Gesichter bei der Tennenbronner Fraktion mit den Stadt- und Kreisräten Josef Günter, Alois Fleig, Klaus Broghammer und Oberbürgermeister Herbert Zinell. Foto: sb

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Kreis Rottweil - Vom neuerlichen Schramberger Aufmarsch in der Reichsstadt ließ sich der Kreistag nicht mehr ausreichend beeindrucken. Nach der Euphorie vom Bärensaal folgte in der Rottweiler Stadthalle die Ernüchterung.Der erhoffte "Retter beider Standorte" fiel gestern Abend in der Gunst des Gremiums durch, Helios macht mit Rottweil das Rennen. So mussten gestern Abend alle offenen und heimlichen Hoffungsträger ein vom Gremium stundenlang hart umkämpftes Abstimmungsergebnis ermattet und frustiert erdulden.

Nach anfänglich heftigen Gefühlsausbrüchen und einer folgenden Durststrecke bei ermüdender Sitzungsdauer keimte kurz vor "Toresschluss" noch ein letztes Aufbäumen im massiv vertretenen Schramberger Publikum auf. Die Beiträge etlicher Ameos-Sympathisianten im Plenum weckten vorübergehend wieder verhaltete Zuversicht auf einen knappen Abstimmungserfolg. Umsonst: Erschöpfung und Niedergeschlagenheit machten sich am Ende breit: 25 zu 18 für Helios. Voraussgegangen waren zwei mindestens 80-minütigen Vorstellungsrunden, in denen beide Anbieter noch einmal ihre Trümpfe auf den Tisch legten.

Die Vorkämpfer um den Erhalt beider Standorte hatten dabei vielleicht zu viel erwartet, waren sie doch am Donnerstag zuvor noch mit einem guten Gefühl  aus   der   vorgeschalteten Bürger-Information im Bärensaal nach Hause gegangen.

Der Anbieter Ameos fuhr mit seiner ersten Garde erneut konsequent auf der emotionalen Schiene ab, hatte dabei aber möglicherweise zu wenig beachtet, dass diesmal die Befürworter mehrheitlich nur in der Zuhörerschaft saßen, nicht aber Ratstisch, wo später die Würfel fallen sollten.

Die Helios AG, nicht minder professionell, hatte den Zug der Zeit erkannt, und als Eröffnungsrednerin gegen Marina Martini ebenfalls eine Frau ins Rennen geschickt. Die sachkundigen Männer in der Warteschleife warteten dann bei Bedarf mit Fakten und Feinheiten auf. Als "utopisch und unrealistisch" gezielt auseinander genommen wurde dabei schwerpunktmäßig das von Ameos in Spiel gebrachte Thorax-Zentrum für Schramberg.

Von den Zahlenspielen und Angeboten der einen Seite nicht sonderlich beeindruckt, wies die "Rottweiler Fraktion" auf den Erhalt der notwendigen Qualität der medizinischen Versorgung für den gesamten Landkreis hin, dies allerdings definitiv nur an einem Standort.

"Rottweil allein ist ohne Schramberg vom Untergang bedroht", so lautete das Credo des Schweizer Konzerns. Das genaue Gegenteil prognostizierte Helios: Das Schrambergs Krankenhaus sei wirtschaftlich nicht führbar und trage gar die Schuld daran trage, wenn die medizinisch weitaus besser positionierte Rottweiler Klinik dadurch mit in den tödlichen Strudel gezogen werde.

Nachdem die Fronten also faktisch geklärt waren, rückte ein weiterer Aspekt der absehbaren Entscheidung vorübergehend in den Mittelpunkt: Arbeitsplatz-Abbau zu Lasten beider Standorte, wobei alte Schramberger Mitarbeiter zwangsläufig die jüngeren Rottweiler verdrängten könnten. Imponierend für die Befürworter der konzentrierten Kreisstadt-Lösung war letztendlich die von Helios zugesicherte verlockende Investition von insgesamt 44, 3 Millionen zum Aufbau Rottweils samt Abwicklung Schrambergs.

Vom Umstand, dass über neun Millionen Euro allein für Abfindungen eingesetzt, und der Kreis womöglich noch in ungewisser Höhe zuschießen müsse, ließen sich der Gegner der dualen Lösung nur unwesentlich beeindrucken. Ist damit der Graben im Kreis tiefer gezogen und das Tischtuch zwischen Rottweil und Schramberg endgültig zerschnitten oder der Weg zur Versöhnung versperrt, wie in einigen Redebeiträgen befürchtet? "Nicht die Matrix ist das Problem, sondern deren Auslegung", mokierte sich ein Schramberger RaumschaftsBürgermeister in Richtung Sitzungs-Präsidium und Helios-Befürworter. Zurück blieb ein staunender und verärgerter Talstädter Stadtrat mit seiner Frage, wo denn die Rottweiler Gefolgschaft im Zuhörerraum gewesen sei. Schramberg habe wenigstens gekämpft.

Übrig bleibt fürs Erste der depremierten Menge als letzter Strohhalm die vage Hoffnung, ob nicht doch noch das Regierungspräsdium oder ein Gericht ein Haar in der Matrix-Suppe finden möge.

 
 
 

Ihre Redaktion vor Ort Schramberg

Edgar Reutter

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