Rottweil - Bei der Stadt bleibt alles beim Alten, doch die Narrenzunft hat seit 2012 bekanntermaßen eine neue Obrigkeit. Und die musste sich natürlich auch an Dreikönig neuen Aufgaben stellen.

Die Lösung für Christoph Bechthold: Flucht nach vorn. Nein, der neue Narrenmeister hat sich vorm Café Schädle nicht etwa verzischt, sondern schlichtweg die Rottweiler Fasnet ins virtuelle Zeitalter der Virtualität gehoben. Künftig soll auch das Narren online möglich werden. Also nicht das Narren, sondern vielmehr die administrative Abwicklung. Der Kontakt zwischen Zunft und Narr wird sich demnach künftig sogar über das Smartphone erledigen lassen. Eine Fasnets-App macht’s möglich.

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Diese gewährt dem Säckelmeister nicht nur Sofortzugriff auf den Mitgliedsbeitrag, sondern weitreichende Konteneinsicht. Sogar ein paar neue "Character", inspiriert von markanten Persönlichkeiten der neueren Rottweiler Fasnet, hat die neue Obrigkeit schon ausgetüftelt. Und dann soll es auch bei der Motivwahl für die Bemalung der Narrenkleider Neues geben: Stadtobere statt Tiroler und Türken. Wobei auf die richtige Platzierung zu achten wäre.

Das närrische Volk beim Café Schädle – nicht drinnen, das war die nächste Neuerung – erkannte: Es ist viel im Fluss. Doch der fließt glücklicherweise in vertrauten Bahnen. Nicht alles, was Bechtolds Vorgänger aus Träumen und Alpträumen an Dreikönig berichteten, ist eingetreten. Für die Abstauber ist auch die Dienstanweisung dieselbe geblieben: gründlich arbeiten, an Flüssigkeitszufuhr in Maßen denken, abends ungefähr pünktlich wieder da zu sein, dieses Jahr zur Nachbereitung im "Rädle". Auch neue Besen müssen, um sauber zu kehren, nicht das Kehren neu erfinden.

Ach so, und auch das noch: Den Soundtrack für die Abstauber der noch analogen Fasnet 2013 lieferte die Tagwachtkapelle, die sich auf dem Schädle-Balkon um den Narrenmeister, der mit Zunftschreiber Frank Huber und zweitem Narrenmeister Georg Hauser aufmarschiert war, gruppiert hatte. Zwei Fenster weiter nickte Wilu Kirsner wohlwollend über das, was er da zu sehen und zu hören bekam: fröhliche Menschen, freudige Juzger und den Narrenmarsch, der sogar manch kleinem Sternsinger, der gerade noch im Münster Dienst getan hatte, direkt in die Beine fuhr.