Rottweil Hängebrücke zieht Fragen nach sich

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Rottweil - Eine Hängebrücke für Fußgänger, die den Aufzugtestturm mit der Innenstadt verbindet, und mit 950 Metern Länge noch einen Weltrekord aufstellt: Nicht nur Oberbürgermeister Ralf Broß ist begeistert. Doch das Vorhaben wirft auch Fragen auf.

Ins beschauliche Rottweil, die älteste Stadt Baden-Württembergs ist Bewegung gekommen. Mit dem Aufzugtestturm von Thyssen-Krupp hat es angefangen, dann folgte das Ja zum Bau des Großgefängnisses, und nun gipfeln die Veränderungen in der Ankündigung, dass ein privater Investor, die Firma Eberhardt Bewehrungsbau, eine Hängebrücke übers Neckartal bauen will. Sie soll den Testturm auf dem Berner Feld mit der Innenstadt, genauer mit dem Bockshof, verbinden. So der Plan.

Inzwischen hat sich die Neuigkeit gesetzt, und für so manchen ergeben sich die ersten Fragen. Beispielsweise: Welche Kosten zieht der Bau nach sich, und wer soll diese tragen? So rechnet die österreichische KTS Innovations GmbH, die am Projekt beteiligt ist, mit 100 000 Besuchern jährlich, davon an Spitzentagen mit weit über 1000. Wer die angespannte Parksituation in Rottweil kennt, die ohnehin ein Dauerthema ist, weiß, dass im Nägelesgraben manches Mal kein freier Platz zu ergattern ist. Wo also sollen die Autos der Touristen hin?

Mehr Parkplätze nötig

"Mit Turm und Brücke heben wir den Tourismus auf ein neues Niveau, sorgen für einen wirtschaftlichen Aufbruch in unserer Stadt. Selbstverständlich müssen wir dann auch die Infrastruktur anpassen", erklärt OB Ralf Broß. Auf dem Berner Feld und in der Innenstadt müssten Kapazitäten geschaffen werden. Im besten Fall in Zusammenarbeit mit privaten Investoren.

Eine erste Maßnahme sei die Reaktivierung des vierten Decks im Parkhaus am Kriegsdamm – "wo wir dem Eigentümer zur Finanzierung eine Vorauszahlung städtischer Stellplatzmieten im Parkhaus angeboten haben". Fürs Berner Feld führe die Verwaltung zudem "aussichtsreiche Gespräche" mit Privaten. "Auch in der Innenstadt steigen die Chancen für eine Realisierung neuer Parkmöglichkeiten, je mehr wir konkrete Projekte wie die Brücke vorantreiben können. Hier sind sowohl private Investitionen als auch städtische Vorhaben denkbar", sagt Broß.

Doch mit den Kosten für Parkplätze ist es nicht getan. Was ist etwa mit dem Müll, der rund um den Brückeneinstieg liegen bleiben könnte? "Natürlich muss die Stadt bei mehr Menschen auch mit höheren Kosten für die Stadtreinigung rechnen", entgegnet der OB. Allerdings sei denkbar, den Brücken-Eigentümer vertraglich zur Reinigung zu verpflichten. Und Ralf Broß sagt: "Mehr Touristen bedeuten aber in erster Linie mehr Einnahmen für die Stadtkasse über die Gewerbesteuer durch das Ankurbeln der örtlichen Wirtschaft sowie direkte Mehreinnahmen für unsere Museen sowie der Kultur- und Freizeiteinrichtungen!"

Rottweil ist reich an Kultur und reich an Historie. Dazu gehört der Bockshof, wo sich von 1580 bis 1831 der städtische Friedhof befand, und der zudem von der alten Stadtmauer umgeben ist. Wie soll das zum geplanten Brückeneinstieg passen? "Der Denkmalschutz und gegebenenfalls auch die Archäologie werden von Anfang an in das Planungsverfahren eingebunden", sagt Broß. Darüber hinaus lägen noch keine exakten Pläne vor, der Investor sollte aber die Chance erhalten, "genauer zu erklären, wie er sich den Einstieg am Bockshof vorstellt, bevor hier vorschnell geurteilt wird".

Bockshof einst Friedhof

Dass im Bockshof einst ein Friedhof war, könne heute nicht mehr ausschlaggebend sein. Er stünde seit Langem als öffentlicher Raum allen Bürgern offen, "ist durch Fußwege gut erschlossen und längst kein geweihter Ort mehr". Dass sich allerdings Anwohner immer wieder wegen Lärms beschwert hatten, weiß auch die Verwaltung. Werden die Pläne konkret, will die Stadt das Gespräch mit den Anwohnern suchen.

Eine Alternative zum Bockshof als Einstieg, wie vom Investor vorgeschlagen, ist derzeit kein Thema. Zumal sich nur dort ein Einstieg "in direkter Linie zum Turm" realisieren lasse, ohne tatsächlich merklich ins Stadtbild eingreifen zu müssen.

Wird der Bockshof zum Knackpunkt für die, die um Rottweils Geschichte und deren Erhalt bedacht sind? Der Geschichts- und Altertumsverein habe sich mit der Hängebrücke noch nicht befasst, sagt Vorsitzender Markus Schellhorn. Das Thema stehe erst in der Februar-Sitzung auf der Tagesordnung. Schellhorn geht aber davon aus, dass bei dem Vorhaben auch die Meinungen der Mitglieder auseinander gehen werden.

Mancher fragt sich derweil nicht nur, ob die Brücke sich mit dem Bockshof verträgt, sondern auch, ob sie überhaupt zum Turm passt. Denn die geplante Besucherplattform soll zunächst nur freitags bis sonntags geöffnet sein. Dazu sagt Broß, Thyssen-Krupp habe angekündigt, dass der Turm für angemeldete Gruppen auch unter der Woche zugänglich sein soll. Nach einem halben Jahr werde die Besucherfrequenz ausgewertet, und bei Bedarf werde "eine Optimierung der Öffnungszeiten erfolgen". Der OB macht sich keine Sorgen: Schon 2015 seien es 50. 000 Besucher am Turm gewesen – ohne Plattform.  

  
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