Enzkreis/Pforzheim.Beim Bundesverkehrsministerium in Berlin müssen die drei Bundestagsabgeordneten Katja Mast (SPD), Gunther Krichbaum (CDU) und Erik Schweickert (FDP) weiter dicke Bretter bohren für einen guten Lärmschutz an der Autobahn im Enztal. In einem Brief an den Verkehrsstaatssekretär Andreas Scheuer machen sie keinen Hehl aus ihrer Enttäuschung, dass der Bund den Kompromissvorschlag der ganzen Region verworfen hat. Wenn die A 8 sechsspurig ausgebaut wird, soll eine längere Einhausung als bisher geplant die Anwohner wirkungsvoll vor dem Verkehrslärm abschirmen, forderte die Region. Wie berichtete, wies Scheuer vor einer Woche den Vorschlag zurück, den vorgesehenen 380 Meter langen Deckel auf 800 Meter zu verlängern. Der Bund wollte die Mehrkosten für diese Lösung, rund zehn Millionen Euro, nicht tragen.

Die drei Abgeordneten kritisieren in ihrem Brief, dass das Bundesverkehrsministerium "wieder die seit nunmehr sieben Jahren bekannten Argumente des Regierungspräsidiums Karlsruhe wiederholt". Seit 2005 setzen sich Anwohner und Kommunen beim Land dafür ein, bessere Lärmschutzeinrichtungen zu bauen.

Bisher bissen sie mit ihren Ideen bei den Straßenplanern aber auf Granit. Die Abgeordneten hoffen trotz Scheuers Absage, dass der im Mai bei einem Spitzengespräch in Berlin begonnene Dialog zwischen den Kommunen und dem Bund nicht abreißt. Sie erneuern die Einladung der Rathauschefs an Scheuer, die Region zu besuchen und die Situation an der A 8 persönlich unter die Lupe zu nehmen. Die Planung für eine neue Autobahn im Enztal ginge nur "mit und nicht gegen die betroffenen Gemeinden", schreiben die Politiker.

Folge der Bund dem Kompromiss, hinter dem die ganze Region stehe, ließe sich der jahrelange Streit sofort beenden. Die Abgeordneten weisen Scheuer auf die Vorteile einer schnellen Einigung und eines raschen Baubeginns hin. Für den Ausbau der A 8 zwischen Karlsbad und Pforzheim zum Beispiel habe der Bund 2006 mit 100 Millionen Euro gerechnet. Jetzt, da der Bau auf Hochtouren läuft, seien für die Modernisierung schon rund 140 Millionen Euro nötig. Der Verweis des Bundes auf höhere Kosten für einen langen Tunnel erscheine dadurch in einem anderen Licht.

Die drei Abgeordneten ärgern sich auch darüber, dass der Verkehrsstaatssekretär "neuen Überlegungen der Region nicht Rechnung trägt". So übergehe er die schwerwiegenden Probleme für die Trinkwasserversorgung, die die Verwaltungschefs von Pforzheim und Niefern-Öschelbronn befürchten: "Das wird offensichtlich übersehen."

Der Bund übersehe auch die Vorteile, wenn die Tank- und Rastanlage verlegt werden könne. Das Regierungspräsidium prüft noch, ob das möglich ist. Niefern-Öschelbronns Bürgermeister Jürgen Kurz, von dem diese Überlegung stammt, verspricht sich davon einen besseren Lärmschutz, weil die A 8-Trasse beim Anstieg in Richtung Wurmberg dann tiefer gebaut werden könnte.