Oberndorf a. N. "Dies ist eine Baustelle und kein Museum"

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Mareike Punzel erläutert die Grundlagen karolingischer Landwirtschaft. Foto: Weber Foto: Schwarzwälder-Bote

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Oberndorf (wak). Die jüngste Ausfahrt der Gesellschaft für Heimat- und Kulturgeschichte war zweigeteilt. Meßkirch und der "Campus Galli" waren die Ziele.

Auf der Hinfahrt ging der Vorsitzende des Vereins in kürzester Form auf die beiden Zielpunkte ein. Für Meßkirch stand natürlich die Familie derer von Zimmern, die für mehr als 130 Jahre die Pfandherren Oberndorfs war, im Mittelpunkt. Hierzu führte Fremdenführerin Ines Kneisel die 31 Teilnehmer, zunächst vom ehemaligen Schlossgarten, in die Geschichte der Herren (ab 1538 Grafen) von Zimmern ein.

Im Inneren des Schlosses wies Kneisel auf die noch erhaltenen Decken der Renaissanceausstattung hin. Vor allem die Sicherheitsvorkehrungen, an die Froben Christoph dachte (viele Türen auf gerade Flure, vier Treppenhäuser), wären noch heute vorbildlich. Der Festsaal, für die damalige Zeit eine Glanzleistung an leichter Bauweise, ist einzigartig und wird noch heute für festliche Veranstaltungen genutzt.

Gleich dem Schloss gegenüber steht die Pfarrkirche St. Martin. In ihr waren einst elf Altäre, für die der "Meister von Meßkirch", der namentlich noch immer nicht erfasst werden kann, 142 Bilder geschaffen hat. Nur ein einziges, die "Anbetung der Heiligen Drei Könige", von überwältigender Pracht, hat sich in Meßkirch erhalten. Das Hauptwerk, der "Wildensteiner Altar", ist jetzt in Stuttgart zu sehen.

Nach dem Mittagessen war der "Campus Galli" das Ziel der Gruppe. Bernhard Frick, der dort die Führung übernahm, fasste den Sinn dieses wissenschaftlichen Experimentes exakt und prägnant zusammen: "Dies ist eine Baustelle und kein Museum". Hier soll, in bescheidenem Umfang, verwirklicht werden, was auf dem "Sankt Galler Klosterplan", der auf der Insel Reichenau entstanden ist, entworfen worden war.

Agrarbiologin Mareike Punzel nahm sich viel Zeit, den Besuchern die Grundlagen karolingischer Landwirtschaft zu erklären. Getreide war Basis der Ernährung, doch weniger als Brot sondern mehr als Brei, Rispenhirse die Hauptanbaupflanze. Hiermit eng verknüpft war der Kräutergarten, denn, so Mareike Punzel, wenn man einmal Hirse mit Sauerampfer, einmal mit Lauch und einmal mit Senfkörnern essen kann, schmeckt es einfach besser.

Nun ging es weiter, vorbei an der Schreinerei, wo Schreiner Nikolai mit einem in der Campus-Galli-Schmiede hergestellten Bohrer arbeitete. In der Korbflechterei und in der Töpferei gaben die Handwerker gerne Auskunft und freuten sich über das Interesse der Gruppe.

Der Kräutergarten und Bienenstand waren ebenso interessant wie das Drechseln auf einer Wippbogendrechselbank, wo unter anderem Speichen und Naben für Wagen und Karren aller Art gefertigt wurden.

Vorbei ging es an der Schindelmacherei, der Seilerei, am Besenbinder und der Färberei – und das 21. Jahrhundert nahm am Ausgang des "Campus Galli" die Gruppe wieder in Empfang. Das Feld des Gallus, war zweiter Schwerpunkt. Hier soll mit den technischen Mitteln des 10. Jahrhunderts ein Teil dessen, was im so genanten Sankt Galler Klosterplan aufgezeichnet ist, nachgebaut werden.

 
 
 

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