Nationalpark "Schatzkammer der Artenvielfalt"
Saskia Schuh, 14.07.2012 11:36 Uhr
Auch der Schliffkopf im Nordschwarzwald ist für einen neuen Nationalpark im Gespräch. Wanderer dürften den Wald dann nur noch auf dafür vorgesehenen Wegen betreten.Foto: Deck
Freudenstadt - Der umstrittene Nationalpark Nordschwarzwald erfährt Zuspruch aus Bonn. Ganz unerwartet ist das nicht: Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) wirbt für mehr Nationalparks im Südwesten.
»Diese großräumigen Schutzgebiete sind notwendig für eine ungestörte Wildnisentwicklung«, sagte BfN-Pressesprecher Franz Emde. Das Amt will sich indes nicht direkt in die Auseinandersetzung vor Ort einmischen. Doch der Rückschluss ist erlaubt: Da man in Bonn Nationalparks in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz vermisst, dürften die prinzipiellen Sympathien dem Projekt im Nordschwarzwald gelten.
»In einer Zeit, in der die Wildnis in Mitteleuropa mehr und mehr ausstirbt, ist es eine wesentliche Kulturaufgabe, Nationalparks auszuweisen«, betonte auch BfN-Präsidentin Beate Jessel. Solche Flächen seien »unverzichtbare Freiluftlabore der Natur, Zentren der Umweltbildung und Räume einer naturnahen, erlebnisreichen Erholung«.
Nach Untersuchungen, die das Bundesumweltministerium und das BfN in Auftrag gegeben haben, seien alle deutschen Nationalparks zum Motor der Regionalentwicklung geworden. Die Anzahl der Arbeitsplätze und das Lohnniveau sei in diesen Regionen höher als zuvor.
Bei einem neuen Nationalpark müssten die Anliegen der Bevölkerung berücksichtigt werden, »aber wir bedauern sehr, dass in manchen Regionen eine derart emotionale Diskussion gegen Nationalparke geführt wird, die einer fachlichen Diskussion nicht standhält«. Diese Projekte seien ein »ganz wichtiger Bestandteil unseres nationalen Naturerbes und verdienen mehr Befürworter«, betonte Emde. Zu Details im Nordschwarzwald könne man noch keine Stellung nehmen, da man sich nicht zum laufenden Verfahren äußern wolle. Erst nach der Vorlage eines Konzeptes, wie im Bundesnaturschutzgesetz vorgesehen, könne man von Amts wegen konkrete Aussagen treffen.
Die bundesweit 14 Nationalparks haben zusammen eine Fläche von 1942 Quadratkilometern. Dies entspricht 0,54 Prozent der Fläche Deutschlands. »Das hebt Deutschland auf eine Ebene mit Griechenland«, betonte Jessel. In der 2007 verabschiedeten Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt werde jedoch bis 2020 ein Ziel von zwei Prozent Wildnisgebieten angestrebt.
Entscheidendes Gutachten bewertet Vor- und Nachteile
Um das zu erreichen, müssten neue großflächige Gebiete für Nationalparks ausgewiesen werden, heißt es weiter. »In den Nationalparks erhöht sich langfristig die Artenvielfalt. Sie gewähren national bedeutenden Lebensräumen wie dem Wattenmeer und den Rotbuchenwäldern und Arten wie dem Luchs langfristigen Schutz«, verteidigt Jessel den Einsatz für weitere Parks.
Das Land Baden-Württemberg möchte im Gebiet um Kaltenbronn (Kreis Calw), den Hohen Ochsenkopf (Kreis Rastatt) und den Schliffkopf (Kreis Freudenstadt) auf rund 10.000 Hektar Fläche einen Nationalpark einrichten. Im Mai hat die Landesregierung ein Gutachten zu den Vor- und Nachteilen eines möglichen Nationalparks Nordschwarzwald in Auftrag gegeben. Parallel dazu laufen die Beratungen in Arbeitskreisen.
Auch NABU, BUND und Teile der Wissenschaft machen sich für das Projekt stark. Der für die Region zuständige BUND-Funktionär Walter Appenzeller sagte: »Die Impulse für die Wirtschaft vor Ort wären bedeutend, insbesondere für den Tourismus und für eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft.«
In einem offenen Brief an Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und den zuständigen Minister Alexander Bonde (Grüne) sprachen sich zudem 57 Hochschullehrer und Wissenschaftler für das Projekt aus. Ein Nationalpark sei »sehr erstrebenswert«, weil er eines der wichtigsten Instrumente sei, das »dem Naturschutz im Kampf um den Erhalt der Artenvielfalt zur Verfügung« stehe, heißt es. Ein Nationalpark könne zu einer »wahren Schatzkammer der Artenvielfalt« werden. Weiterhin kritisch gesehen wird ein solches Schutzgebiet unter anderem von der holzverarbeitenden Industrie und kleinen Sägereien. Im Landtag lehnte zuletzt die FDP das Projekt ab. Die zusammenhängende Fläche sei nicht groß genug. Bei dem Nationalpark geht es um eine zehn mal zehn Kilometer große Fläche im Nordschwarzwald.
Unfrage überrascht mit Zustimmung für umstrittenes Projekt
Laut Gesetz geht es in einem Nationalpark um den »möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ursprünglicher Dynamik.« Doch genau daran stören sich viele Bauern im Nordschwarzwald. Deren Flächen würde wohl zum großen Teil in dem geplanten Nationalpark liegen. Das Land zu bewirtschaften, ginge damit nicht mehr. Der Landesbauernverband warnt deshalb: Vielen Bauern würde die Lebensgrundlage wegbrechen. Lieber setze man auf Bewährtes – wie die sieben Naturparks, die jetzt schon im Südwesten existieren.
Minister Bonde bezeichnete das Projekt dagegen als einen großen Gewinn für den Tourismus. »Ein Nationalpark wäre ein wichtiger Impuls für die Region – nicht nur aus der Sicht des Naturschutzes, sondern auch in Bezug auf den Tourismus und die Wirtschaft«, sagte er. Besucher dürften den Wald weiterhin betreten, aber nur auf den dafür vorgesehenen Wegen.
Die Gegner-Initiativen befürchten jedoch eine Borkenkäfer-Plage, wenn der Wald sich selbst überlassen wird. Zudem stehe das Holz der Kernzonen im Nationalpark nicht mehr als Rohstoff zur Verfügung, was einen Verlust von Arbeitsplätzen in der Wald- und Forstwirtschaft zur Folge haben könne.
Die jüngste Studie des Staatsministeriums zu landespolitischen Grundfragen überraschte jedoch beim umstritten Thema Nationalpark Nordschwarzwald. 64 Prozent der befragten 2100 Baden-Württemberger sprachen sich für das Projekt aus, nur 30 Prozent dagegen. Die Diskussion der Gegner und Befürworter wird weitergehen, erst wenn das Gutachten Ende des Jahres fertig gestellt ist, soll eine Entscheidungen fallen.



Wertvolle Kulturlandschaften bleiben erhalten
Der Suchraum für den NP umfasst insgesamt 17.000 Hektar. Wertvolle Kulturlandschaften, wie die Grinden auf dem Schliffkopf, können also auch durchaus erhalten werden, wenn sie im Suchraum des zukünftigen NPs liegen. Kein Naturschützer hat ein Interesse daran, wertvolle, artenreiche Kulturlandschaften zu zerstören. Diese können durchaus in die Managementzone eines NPs eingegliedert werden. Das hätte sogar Vorteile für die Landwirte, denn die Ausweisung der Flächen würde ihnen den Zugang zu Fördermitteln für die Bewirtschaftung erleichtern. Im Übrigen ist genau definiert, welche Flächen überhaupt als Kernzone des NPs in Frage kommen: Festlegung des Suchraumes Das Gebiet für einen Nationalpark muss bestimmte Kriterien erfüllen: 1. Ein großes, möglichst unzerschnittenes, bewaldetes Gebiet, mit einer Mindestgröße von 10.000ha. 2. Die Fläche sollte möglichst im Besitz der öffentlichen Hand sein. 3. Das Gebiet soll einen hohen naturschutzfachlichen Wert haben. Nicht bewaldete Flächen sind damit eindeutig ausgeschlossen.
@Herrn Burster
Sicher leben Sie nicht im Suchraum, denn die örtlichen Gegebenheiten sind Ihnen unbekannt, sonst würden Sie wissen, dass das Gebiet Schliffkopf Grindenfläche ist, als einmalige Kulturlandschaft gepriesen wird, Jährlich von Rindern und Schafen beweidet wird und auch unter besonderem Schutz des Naturschutzzentrum steht.Wenn man alle diese Flächen, auch die Ausnahme wie Skischanze, Lifte, Loipen, Wanderhütten etc. aus dem Bereich nimmt, dann die Schutzzonen wie angedeutet auf 1000 m zu anderen Waldbesitzern ausdehnt, private Wassernutzungsrechte nicht tangiert, fragt sich die örtliche Bevölkerung einfach, woher kommen dann die 7500 ha, die als Kernzone nach 30 Jahren entstanden sein sollen.Da es auch 3 getrennte Gebiete im Suchraum sind, sind ja schon durch den Abstand große Gebiete Schutzzone.
:-)
Schon mal was von Grinden gehört?