Stuttgart - Keine Erde nach Hause schleppen, keinen Dünger kaufen und weniger Müllgebühren zahlen: Ein Komposthaufen hat viele Vorteile. Damit die Erdfabrik richtig arbeitet und der Humus dem Garten nicht schadet, gilt es aber, einiges zu beachten.

Der Behälter: Eingebaute Rührwerke, siebartige Bodenplatten oder Kunststoffwände mit Thermoeigenschaften – im Handel gibt es Komposter für mehrere Hundert Euro. Sie versprechen besonders hohe Temperaturen und schöne Erde. „Bei den kleinen Mengen Hauskompost werden ohnehin nie die Temperaturen erreicht wie auf professionellen Kompostieranlagen“, sagt Martin Jauch vom Institut für Gartenbau der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Verrotten tue der Kompost trotzdem, weswegen er zu einfachen Modellen mit Betonpfeilern und Holzlatten rät: Sie werden gut belüftet, sind stabiler als Plastikmodelle, und der Kompost lässt sich besser entnehmen als durch die kleinen Klappen im Komposter. „Damit nicht zu viel Feuchtigkeit in den Komposter kommt, wird er oben mit einem Vlies abgedeckt.“

Der Standort: Leicht erreichbar und nicht direkt an der Terrasse – mehr muss beim Standort nicht beachtet werden. „Es ist ein Mythos, dass der Komposthaufen im Schatten unter Bäumen stehen muss. Gegen Nässe und ­Geruch hilft eine ­Abdeckung.“

Der Inhalt: Wer einen neuen Komposthaufen anlegt, sollte am Boden eine etwa zehn Zentimeter dicke Schicht aus Rindenmulch, Gehölzhäcksel oder Stroh aufbauen, damit er nicht fault. Danach ist eine gute ­Mischung wichtig: Feuchte, nährstoffreiche ­Obst- und Gemüseabfälle werden mit trockenem und nährstoffarmem Material (gehäckselte Äste und Zweige, Laub) ­gemischt. Da davon im Winter weniger ­anfällt, legt man sich im Herbst am besten einen kleinen Vorrat an. Nicht auf den Komposter gehören Unkraut und kranke Pflanzen: Die Temperaturen im Hauskompost werden nicht hoch genug, um die Krankheitserreger abzutöten – über die Erde gelangen sie dann wieder in die ­Beete. Gekochte Essensreste ziehen Ratten an, Holz – und Kohlereste enthalten viele Schwermetalle und gehören deshalb auch nicht auf den Komposthaufen.

Die Zusätze: Kalk wird im Handel verkauft, um unangenehme Gerüche im Kompost zu mindern. Jauch zufolge hilft das zwar, beseitigt aber nicht die Ursachen des Gestanks: Nässe und fehlenden Sauerstoff. „Für die Kompostierung ist diese Vergärung kein Problem, gegen den Gestank hilft eine Schicht Erde.“ Stickstoff (etwa Hornspäne) muss nur zugeben, wer viel Laub oder Gehölz auf den Kompost gibt.

Der Humus: Bevor Komposterde im Garten verteilt wird, sollte man alle fünf Jahre eine Bodenuntersuchung in einem Labor machen lassen (Kosten 10 bis 20 Euro, etwa www.agrolab.de oder Abgabe an der Uni Hohenheim, Landesanstalt für landwirtschaftliche Chemie, www.lachemie.uni-hohenheim.de, Tel. 45 92 26  72). „90 Prozent der Gärten sind überdüngt und enthalten vor allem zu viel Phosphat“, sagt Jauch. Mit den Werten aus der Bodenuntersuchung kann man sich auf der Seite der Fachhochschule Weihenstephan ausrechnen lassen, welche Düngung der Garten überhaupt noch braucht (www.hswt.de/fgw/wissenspool/software). „Wichtig ist auf jeden Fall, den Kompost überall im Garten zu verteilen und nicht nur im Gemüsebeet.“ Denn die Inhalte, die auf den Kompost kommen, stammen aus dem ganzen Garten, hinzu kommt der Biomüll aus dem Haus. Die Folge: Das Gemüsebeet bekommt viel mehr Nährstoffe zugeführt, als daraus entnommen wurden. Auch für Balkonkästen kann Komposterde verwendet werden – wenn man zuvor den Kressetest macht: Dazu in einen Topf zu gleichen Anteilen Kompost und Gartenerde einfüllen. Dann Kresse einsäen, gießen und bis zum Keimen mit Folie abdecken. Wächst die Kresse schön und zügig, ist der Kompost gut gereift und pflanzenverträglich.

Die Biotonne: Auf den Kompost kann nicht alles, was in ­den Kompostieranlagen verwertet wird. Außerdem produzieren die meisten Haushalte mehr Kompost, als der Garten an Dünger wieder aufnehmen kann. „Eine zusätzliche Biotonne ist deshalb sinnvoll“, sagt Jauch.