Horb. Eine Ausbildung bei Bosch Rexroth umfasst weit mehr als die Vermittlung von Fachwissen. So beteiligen sich viele Auszubildende an den deutschen Standorten des Unternehmens an sozialen Projekten und engagieren sich in gemeinnützigen Einrichtungen. Die Eindrücke im Rahmen einer solchen Projektwoche sollen den Erfahrungsschatz der jungen Menschen bereichern und ihnen soziale Kompetenzen ebenso wie gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein vermitteln. Praktikumsplätze bieten unter anderem die SOS Dorfgemeinschaft Hohenroth oder die Gemeinnützigen Werkstätten und Wohnstätten GmbH (GWW) in Nagold.

Mitarbeit korrigiert falsche Bilder in Köpfen der jungen Menschen

Die Mitarbeit in sozialen Projekten hat für Auszubildende und Studierende bei Bosch Rexroth Tradition: Schon seit 2004 engagieren sich die Nachwuchskräfte auf freiwilliger Basis in unterschiedlichen Einrichtungen. Viele von ihnen sind zum ersten Mal konfrontiert mit Menschen, die aufgrund von körperlichen oder geistigen Einschränkungen nicht an gängigen Normen und Leistungskriterien zu messen sind. Die Mitarbeit korrigiert falsche Bilder in den Köpfen der jungen Menschen und hilft, Vorurteile abzubauen. Marvin Luger, der in der Bosch-Rexroth Niederlassung in Horb im zweiten Lehrjahr zum Industriekaufmann ausgebildet wird, spricht nach seinem Besuch in der GWW gar von einer Erfahrung fürs Leben: "Mich hat überrascht, wie offen und herzlich die Mitarbeiter mit Handicap mir begegnet sind", berichtet der 17-Jährige. "Imponierend war außerdem, in wie viele Arbeitsbereiche behinderte Menschen involviert sind und welche Leistungen sie dort erbringen."

"Es ist uns als ausbildendes Unternehmen wichtig, neben hervorragender fachlicher Kenntnisse auch soziale Fähigkeiten zu vermitteln", erläutert Ingo Rendenbach, Senior Vice President Human Resources von Bosch Rexroth, die Motivation für das Angebot. "Die Mitarbeit in sozialen Projekten schärft bei unseren Nachwuchskräften das Einfühlungsvermögen in die Lebensumstände anderer Menschen und stärkt sie für einen verantwortungsbewussten Umgang miteinander. Von dieser Erfahrung profitieren wir als Unternehmen, aber natürlich auch die Gesellschaft."

Von den Tagen in der GWW war auch Isabel Rath beeindruckt, die als Studentin des dualen Studiengangs Wirtschaftsingenieurwesen zunächst mit gemischten Gefühlen in die Einrichtung kam. "Die Offenheit der Menschen war dann richtig ansteckend", findet sie. "Für mich war es eine einmalige Erfahrung und es hat meinen Blick auf die Welt behinderter Menschen sehr gewandelt." Maschinenbaustudent Tim Wilke war ebenfalls fasziniert, wie viel Lebensfreude die Mitarbeiter mit Handicap ausstrahlten. "Ich gewinne hier ungeheuer viele Eindrücke und lerne zahlreiche Menschen kennen, die alle wahnsinnig nett sind. Ich kann kaum deren Interesse an meiner Person befriedigen, obwohl sie mich kaum kennen."

Jochen Güll, Fachkraft zur Berufsförderung bei der GWW, ist sich sicher, dass die Nachwuchskräfte von dem sozialen Projekt profitieren. "Sie sehen, dass es in einer schnelllebigen Welt nicht immer nur um Geschwindigkeit geht und lernen die Bedeutung von Werten wie Geduld, Hilfsbereitschaft und Verantwortung." Die GWW in Nagold und Bosch-Rexroth in Horb verbindet eine langjährige Kooperation. Die Werkstätten sind in der Metallbearbeitung aktiv und produzieren für den Antriebs- und Steuerungspezialisten eine Reihe wichtiger Montageteile.