Höfen (bh). Claudia Stöckle, Rektorin der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Ludwigsburg, hat mit ihrem Vortrag "Flucht in die Stadt" im evangelischen Gemeindehaus Höfen auf die Konsequenzen des demografischen Wandels für das Leben im ländlichen Raum aufmerksam gemacht.Dabei hat sie auch Wege aufgezeigt, wie der Bevölkerungsrückgang aufgehalten werden kann. Stöckle war bis März beim Calwer Landratsamt tätig und hat einen Demografiebericht für den Kreis erstellt. Seither sei aber nichts geschehen, um dem Rückgang der Bevölkerungszahlen entgegenzutreten, beklagte sie.

Für die Entwicklung der Bevölkerungszahlen seien neben dem Geburtensaldo weitere Faktoren wie Wanderbewegungen innerhalb des Landes und über die Landesgrenzen hinweg ausschlaggebend.

In Baden-Württemberg sei die Abnahme der Bevölkerung langsamer als im Bundesdurchschnitt. Ein Ausgleich erfolge durch Zuwanderung. In Baden-Württemberg sei der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund mit 26 Prozent am höchsten. 2012 habe das Land einen Wanderungsgewinn von 85 000 Personen verzeichnet. Problematisch sei das Wanderungsverhalten innerhalb des Landes. 30 Prozent der Baden-Württemberger leben im ländlichen Raum, 70 Prozent in den Ballungsgebieten – mit steigender Tendenz.

Die größten Verluste auf dem Land verzeichne die Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen, Zunahmen gebe es bei der älteren Generation.

Der Geburtensaldo im Kreis Calw sei zwar etwas höher als im Durchschnitt, zusammen mit den Wanderungsverlusten gingen die Bevölkerungszahlen aber weiter in den Keller. Innerhalb der vergangenen sieben Jahre habe der Landkreis 4611 Personen verloren. Das führe dazu, dass die Infrastruktur besonders in den kleinen Ortschaften verschwinde: Arbeitsplätze, Einkaufsmöglichkeiten, Arzt, Post, Wirtshaus, Busverbindungen gefolgt von Immobilienleerständen und Wertverlust. So seien die Fakten.

Die Entwicklung könne durch aktives Handeln der Bürger aufgehalten werden. Der Wechsel müsse gemeinsam gestaltet werden. Dabei dürfe man aber keine Zeit verlieren und "die Bürger müssen es selbst tun und nicht erwarten, dass es die Politik richtet". Wichtig sei, die Realität zu sehen und professionell zu handeln. Nach Bestandserhebung und Analyse – Warum gehen die Leute weg? Warum kommen die Leute? – könne man im nächsten Schritt Prognosen erstellen, Chancen und Potenziale erarbeiten und schließlich Konzepte erstellen. Dabei müsse man auch offen für Neues sein. Wem es gelinge, Alleinstellungsmerkmale herauszuarbeiten, habe gute Chancen eine intakte Gemeinde zu erhalten.