Hechingen - Im Januar sollte das Urteil gefällt sein, jetzt geht es Richtung Ostern: Der Prozess um die beiden Raubüberfälle auf Schrotthändler in Hechingen und Balingen zieht sich wohl bis 25. März hin.

Bis dahin sicherte sich das Landgericht Hechingen Sitzungstermine. Acht weitere Verhandlungstage hat die Kammer um den Landgerichts-Vizepräsidenten Herbert Anderer veranschlagt. "Um für alle Unwägbarkeiten gerüstet zu sein", so Anderer. Der Prozess hat im September begonnen.

Pause, damit sich die Gemüter nach Disput wieder abkühlen

Was er damit meinte, ließ sich auch am gestrigen Verhandlungstag ablesen. Der Prozess geht schleppend voran. Erst steckten weitere Zeugen auf der Autobahn im Stau fest, dann ordnete Anderer eine halbstündige Pause an. "Damit sich die Gemüter wieder beruhigen", so der Vorsitzende.

Zuvor waren sich er und Verteidiger Klaus Schön bei der Vernehmung eines Zeugen einmal mehr in die Haare geraten. Anderer ermahnte den Anwalt, dem Zeugen keine falschen Aussagen in den Mund zu legen, sondern sich an die Strafprozessordnung zu halten. Das empfahl Schön der Kammer auch. Dann war wieder dicke Luft im Saal.

Der erste Zeuge des gestrigen Prozesstags ist ebenfalls entfernter Verwandter des 44-jährigen Angeklagten, der Anstifter der beiden Raubüberfälle gewesen sein soll. Es belastete seinen Großcousin, offenbarte im Kreuzverhör des Verteidigers aber auch Gedächtnislücken.

Jedenfalls lieh er dem 44-Jährigen über Jahre hinweg mehrfach Geld, jeweils mehrere hundert Euro alle zwei bis drei Wochen. Der 44-Jährige gab an, damit Schrott aufkaufen zu wollen. Allerdings trug er davon mindestens einen Teil in die Spielhallen. Der Zeuge sei mehrmals dabei gewesen und habe den Laster des Angeklagten auch sonst öfter mal vor dem Casino in Bisingen gesehen. "Dass er ein Spieler ist, wusste ja jeder", so der 53-Jährige. Demnach spielte der 44-Jährige stundenlang und teils an vier Automaten gleichzeitig.

Ein paar Wochen vor dem Überfall auf den Schrotthändler in Weilstetten soll der Angeklagte ihm erzählt haben, dass der Schrotthändler 240 000 Euro zu Hause in einer Tüte liegen habe. Hier hakte der Verteidiger ein. Laut Aussage im Vernehmungsprotokoll der Polizei hätten aber auch andere mitbekommen, dass der Schrotthändler 100 000 Euro im Haus haben soll. An diese Aussage wollte sich der Zeuge gestern nicht mehr erinnern, ebensowenig daran, mit dem Angeklagten über die Überfälle gesprochen zu haben.

Auf dem Plan stand gestern ferner die Vernehmung dreier weiterer Spielotheken-Mitarbeiter, diesmal aus dem Raum Ludwigsburg, die mehr zu den Spielgewohnheiten des 44-Jährigen sagten sollten. Wie berichtet, könnte sich eine Spielsucht im Falle einer Verurteilugn strafmildernd für den Angeklagten auswirken.

- Der Prozess wird am 7. Januar fortgesetzt.