Haigerloch Alabama-Prozesse: Jochen W. darf vorerst nicht heim

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Jochen W. betritt das Gerichtsgebäude. Ein Frau macht davon Filmaufnahmen. Foto: Screenshot

Haigerloch/Auburn - Begleitet von Kamerateams, Fotografen und Reportern hat der Haigerlocher Jochen W. zu einer Anhörung das Gericht in Opdike im ­US-Staat Alabama betreten. Nach dem Termin ist klar: W. bekommt seinen Pass noch mindestens eine Woche lang nicht zurück.

W. wird vorgeworfen, Ende September auf dem Campus der Universität in Auburn in angetrunkenem Zustand eine mit Toilettenpapier umwickelte Eiche angezündet und dadurch niedergebrannt zu haben (wir haben berichtet). Trunkenheit, Denkmalschändung und Sachbeschädigung sind die drei Anklagepunkten.

Illegalität droht

Dem 29 Jahre alten Familienvater aus Haigerloch droht ein Jahr Haft. Er war Mitarbeiter einer Firma aus dem sogenannten Hechinger "Medical Valley" und in einer deren US-Filialen in Alabama beschäftigt. Nach dem Vorfall verbrachte er drei Tage im Gefängnis, musste seinen Pass abgeben und eine Kaution von 3500 Dollar hinterlegen.

Da sich die Hauptverhandlung vor einem Schwurgericht bis März kommenden Jahres hinziehen könnte, hat seine Rechtsanwältin Margaret Brown eine Änderung der Kautionsbedingungen beantragt. W.s Firma hatte ihn nach dem Vorfall freigestellt.

Anwältin Brown will erreichen, dass W. gegen die Hinterlegung einer höheren Kaution die Wartezeit bis zur Hauptverhandlung in seiner Heimatstadt Haigerloch bei seiner Familie verbringen, eventuell auch wieder arbeiten kann.

Da er in den USA nicht mehr arbeiten könne, sein Arbeitsvisum damit ungültig werde und er kein Einkommen habe, könne er nicht mehr für seine Familie sorgen. Er laufe zudem Gefahr, sich bald illegal in den Vereinigten Staaten aufzuhalten. Außerdem könnte er aufgrund finanzieller Probleme bald nicht mehr in der Lage sein, für den Schaden an dem verbrannten Baum aufzukommen oder eine Geldstrafe zu bezahlen.

Entsetzen bei der Familie

Um die Höhe dieses Schadens ging es auch in der jüngsten Anhörung in Opdike. Richter Steven Speakman will, bevor er eine Entscheidung über die Höhe von W.s Kaution fällt, entweder eine eidesstattliche Erklärung oder eine Zeugenaussage von Gartenbauprofessor Gary Keever hören. Der hatte den Baum und den Schaden daran bereits in Augenschein genommen und sich gegenüber der Uni-Verwaltung und den Medien über die Höhe der Kosten geäußert.

Der Richter will vom Fachmann wissen, was es maximal kosten wird, den Baum zu ersetzen und die beschädigte Bewässerung neu zu verlegen. Diese Summe, die Keever auf 15- bis 20 000 Dollar beziffert hatte, müsste W. dann hinterlegen, bevor er nach Deutschland zurück kehren kann.

"Ich will sicherstellen, dass die Ansprüche der geschädigten Universität befriedigt werden können, bevor ich ihn zum Flughafen lasse", wird Richter Speakman von einem US-Medium zitiert. Deshalbsoll es am 8. Dezember eine weitere Verhandlung geben, in der der Gartenbauexperte aussagt oder seine eidesstattliche Erklärung verlesen wird.

Trotz eines Überwachungsvideos, mehrerer Zeugenaussagen und obwohl bei seiner Verhaftung ein schwarzes Feuerzeug gefunden wurde, bestreitet Jochen W. die Tat weiter. Bekannte und Freunde des Haigerlochers schildern W. durchweg als ruhigen, gutmütigen und geselligen Menschen. Seine Familie und Freunde sind entsetzt, dass er in die Mühlen der US-Justiz geraten ist.

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