Stuttgart - Hat die Polizei überreagiert? Oder müssen sich Fußballfans nach der Verabschiedung des neuen Sicherheitskonzepts der Deutschen Fußball-Liga öfter darauf einstellen, splitternackt durchsucht zu werden? Die Debatte um schärfere Sicherheitsmaßnahmen gegen Fußballfans ist nach dem DFB-Pokalspiel des VfB Stuttgart unter den Kölner Fans heiß entbrannt. Die werfen der Stuttgarter Polizei vor, an den FC-Fans ein Exempel statuiert zu haben.

Die Geschichte spielte sich am Mittwochabend vor dem Anpfiff ab, als ein Reisebus mit Kölner Fans vom Fanclub Rut-Wiess Colonia in einen abgesperrten Bereich des Stadions gelotst wurde. Die Polizei hatte Hinweise erhalten, dass bei der Anfahrt an der Raststätte Lorsch an der A 67 ein Böller gezündet worden sei.

Die Fans wurden nach draußen gebracht und durchsucht, anschließend erkennungsdienstlich behandelt mit Namen und Fotos. Dann ging es in die neue Stadionwache. „Was dort abging, war der Hammer: Wir mussten uns komplett entkleiden!“ Die Vorgehensweise wurde als unangemessen und übertrieben empfunden: „Die Prostatauntersuchungen kann man sich sparen“, schimpft ein Kölner Fan, der den Vorgang als entwürdigend empfand.

Der Stuttgarter Polizeisprecher Jens Lauer verteidigt dagegen die Vorgehensweise: „Hier geht es nicht um Ordnungswidrigkeiten, sondern um Straftaten“, sagt er, „solche Sprengkörper im Stadion sind gefährlich und könnten zu schwersten Verbrennungen führen.“ Außerdem habe sich der Verdacht am Ende auch auch bestätigt: „Bei zwei Fans wurden Böller gefunden“, so Lauer, „das waren Selbstlaborate beziehungsweise verbotene osteuropäische Feuerwerkskörper.“

Sprengstoffsuchhunde fanden im besagten Bus außerdem zwei Feuerwerkskörper, die aber niemandem mehr zugeordnet werden konnten. Dabei hatte die Polizei bei den erkennungsdienstlichen Maßnahmen jeweils die Sitzplatznummer des jeweils Kontrollierten registriert.

Allerdings hatte die Stuttgarter Polizei keinen jener Suchhunde an Ort und Stelle, die derzeit von der Bundespolizei eingesetzt werden. Diese Spezialspürnasen sind auch für die Suche unmittelbar an Menschen ausgebildet – und können binnen weniger Sekunden versteckte Pyrotechnik aufspüren. Den Betroffenen bleibt bei dieser Methode eine komplette Entkleidung erspart – sie ist auch weniger zeitaufwendig. Nach dem Konzept der Bundespolizei kommen diese Spürhunde bereits an den Abfahrtsbahnhöfen der Gästefans zum Einsatz – und sind dabei auch des öfteren fündig geworden.