Eutingen Kostenexplosion macht die Räte sauer

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Ein stolzes Gebäude, dass sich NABU und Gemeinde geleistet haben. Foto: Morlok Foto: Schwarzwälder-Bote

Wie nicht anders zu erwarten, haben die explodierten Baukosten – Mehrkosten von 48 000 Euro – für das Nabu-Naturschutzzentrum auch im Eutinger Gemeinderat für mehr als nur ein wenig Diskussionsbedarf gesorgt.

Eutingen. Bürgermeister Armin Jöchle wusste anscheinend schon im Vorfeld, dass es nicht ganz einfach wird, die Genehmigung der Mehrkosten und deren Finanzierung durch das Gremium absegnen zu lassen. Aus diesem Grund hielt er den Ball auch gleich von vorne weg flach und stellte lapidar fest: "Ein paar Kleinigkeiten kamen dann im Nachhinein dazu." Kleinigkeiten, die das Gemeindebudget nun recht ordentlich belasten werden. Ursprünglich ging man von einer Gesamtsumme von insgesamt 185 000 Euro aus, von der die Stiftung "Naturschutzfonds" 112 000 Euro übernimmt.

Der NABU selbst wollte mit Spenden, Eigenleistung und Eigenmitteln insgesamt 35 400 Euro zuschießen, und der Gemeindeanteil sollte sich auf 37 600 Euro belaufen. Bereits im Mai dieses Jahres stellte man fest, dass dies nicht ausreichen wird und erhöhte den Anteil der Gemeinde auf 48 000 Euro, die in der Haushaltsplanung 2015 und 2016 bereitgestellt wurden.

Nun kamen halt noch die "Kleinigkeiten" dazu, und der Gemeindeanteil soll sich laut Finanzierungsplan für das Gebäude auf 110 000 Euro belaufen. Schaut man jedoch genauer hin – und das taten einige Gemeinderäte – dann ist das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange.

26 000 Euro sollen aus dem Ausgleichsstock kommen

26 000 Euro sollen aus dem Ausgleichsstock kommen, so die Kalkulation der Gemeindeverwaltung. Doch Jöchle räumte schon Mal vorsichtshalber ein, dass man heute schon wisse, dass es schwierig wird, dieses Geld zu bekommen. "Wenn, dann erst in 2017, aber auch das ist ungewiss", bremste er irgendwelche Erwartungshaltungen ein.

Weiter wird man dem NABU einen Kredit in Höhe von 25 000 Euro gewähren. Ein Kredit, der sofort bereitgestellt werden muss, der aber in einem Zeitraum von zehn bis 15 Jahren zurückfließt. "Wir zahlen also nicht nur 110 000 Euro, sondern insgesamt 161 000 Euro drauf", stellte Rat Roland Raible fest. "Aber dafür haben wir einen schönen Stall da draußen", so Raible ironisch, der den gesamten Bau als überdimensioniert bezeichnete. "Es fällt mir schwer, zu rund 60 Prozent Überziehung der Gemeindeanteile an den Baukosten ja zu sagen – ich mache es trotzdem", so Raible, dem beim Controlling und der Bauplanung die Professionalität fehlt.

Für Rat Tobias Plaz sind es geradezu Peinlichkeiten, die man sich in letzter Zeit mit den Baukosten leistet. "Erst die Halle in Göttelfingen, dann die Eutinger Mauer und nun das NABU-Haus", brachte er als Beispiele der jüngsten Vergangenheit. "Das ist alles Scheiße – so sieht es zumindest der Großteil der Bevölkerung", regte sich Plaz auf, der betonte, dass er sich als Rat überrumpelt fühlt. "Ich bin nicht damit einverstanden, dass dieses Projekt im nächsten Jahr über den Rechnungsabschluss läuft, sondern transparent im Haushalt ausgewiesen wird. Plaz betonte aber, wie viele seiner Ratskollegen, dass er die Arbeit des NABU schätzt und es schade findet, dass es nun gerade die Naturschützer trifft.

Sechs Gemeinderäte verweigern ihre Zustimmung

Armin Jöchle entgegnete, dass man das Ganze im Kontext der vergangenen 20 Jahre sehen müsse. "Da können drei, vier Bauprojekte locker mal aus dem Ruder laufen."

Rat Sebastian Lazar fragte: "Können sie zum heutigen Zeitpunkt sagen, dass es nun bei diesem Betrag bleibt?" Jöchle antwortete: "Wenn nichts mehr dazwischen kommt, ja."

Lazar ist auch der Meinung, dass alle Argumente, die für die weitere Finanzierung des Baus durch die Gemeinde sprechen, nicht nachhaltig in der Bevölkerung ankommen. Seine klare Forderung daher, dass bei zukünftigen Projekten bessere Controlling-Mechanismen vorgeschaltet werden. "Aber wir müssen uns alle selbst an die Nase packen – im Mai hätten wir bereits die Möglichkeit gehabt, hier gegenzusteuern. Wir haben uns aber von dem hohen Zuschuss blenden lassen."

Genau wie Rat Horst Niessner möchte auch er eine detaillierte Übersicht, über die Gründe für diese Preisexplosion. Erst dann wäre er bereit, über das weitere Vorgehen zu entscheiden. "Heute bekommen sie meine Zustimmung nicht."

Wie man die Mehrkosten nun tatsächlich finanzieren will, darüber muss sich die Verwaltung nochmals ernsthafte Gedanken machen. Im Rat war man nur bereit, über Mehrkosten von 48 000 Euro abzustimmen. Hier sprachen sich sechs Räte dagegen aus, neun stimmten zähneknirschend zu. "Die Finanzierungsvorschläge legen wir ihnen dann in der November- oder Dezember-Sitzung vor", versprach Jöchle.

Im Fazit dieser Diskussion zeigte sich der überwiegende Teil des Gemeinderates darüber einig, dass man zukünftig genauer bei Projekten mit ehrenamtlicher Beteiligung hinschauen wird. Dass der Bau dieses Naturschutzzentrums ein Mehrwert für die ganze Gemeinde sei und erhebliches Prestige mit sich bringt, steht außer Frage, doch die Bezeichnung "Ziegenstall" wäre nicht mehr passend. "Das ist jetzt viel mehr", lautete der Tenor.

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