Empfingen (jb). Teo und Aliza Galwas dürfen morgen, Sonntag, 6. Januar, das seltene Fest der Diamantenen Hochzeit feiern. 60 Jahre sind sie miteinander unterwegs und haben auf diesem Lebensweg schwierigste Lebensabschnitte erlebt und gemeistert.

Teo Galwas wurde am 25. August 1929 auf der Krim geboren. Am 18. August 1941 wurde er mit seiner Familie (Mutter und vier Kinder) von Stalin nach Dschambul/ Kasachstan ausgesiedelt. Der Vater lebte damals nicht mehr, denn er wurde bereits 1934 fortgenommen.

Auch Aliza Galwas ging es nicht besser. Geboren am 12. November 1934 auf der Krim, wurde auch sie mit ihrer Familie von Stalin nach Dschambul/Kasachstan ausgesiedelt. Auf der Krim mussten sie alles Eigentum von heute auf morgen aufgeben.

1951 hat Aliza ihren Ehemann Teo kennengelernt.

Am 6. Januar 1953 wurde geheiratet. Drei Kinder wurden geboren. Die Familie blieb in Dschambul. Sie erinnern sich noch, dass es harte Winter gab und mit getrockneten Mistballen geheizt wurde. Später hatte man wenigstens Kohlen zur Verfügung. Das Ehepaar hat ihren Kindern selbst die deutsche Sprache so gut beigebracht, dass der Sohn Eduard einen russischen Ingenieur als Dolmetscher in Deutschland begleitet hat. Als es die Möglichkeit gab, als Spätaussiedler in die alte Heimat auszuwandern, nutzte die Familie Galwas dies. Alte Heimat deshalb, weil die Vorfahren von Aliza Galwas aus Baden-Baden stammen, wie sie schon in Kasachstan erfahren hatte. Diese wanderten 1809 nach Russland auf die Krim aus.

In den Jahren 1991 bis 1993 kam die ganze Familie nach Deutschland. Die Zentrale Aufnahmestelle für Spätaussiedler in Empfingen (im örtlichen Sprachgebrauch auch Aussiedlerlager genannt) war die erste Bleibe. "Da uns Empfingen gut gefiel, fanden wir hier auch bald Wohnungen und fühlen uns seither in Empfingen sehr wohl, auch wenn manchmal kleine Ressentiments zu spüren sind", so das Ehepaar Galwas. Vor unserer Aussiedlung waren wir schon in Rente. Jedoch reichte diese Rente in Kasachstan nicht aus für unseren Lebensunterhalt und wir mussten weiterhin etwas dazuverdienen, Aliza im Labor, Teo als Schlosser.

"Hier in Deutschland wollten wir auch nicht unsere Hände in den Schoß legen, sondern uns nützlich machen, einfach arbeiten", so Aliza und Teo feststellend. Teo war im katholischen Kindergarten von 1993 bis 2002 Hausmeister. Er war 1993 schon 73 Jahre alt, als er dieses Engagement übernahm.

Da beide in ihrem christlichen Glauben sehr fest stehen, lag es fast nahe, dass sich Aliza der Stelle als Mesnerin in der evangelischen Kirche annahm, als sie vom früheren Pfarrer Andreas Borchardt gefragt wurde. Von 1996 bis 2007 übte sie das Amt der Mesnerin aus. Das Ehepaar Galwas hatte schon vorher immer wieder ausgeholfen. Seit 2007 hat dieses Amt die Tochter Larissa übernommen.

Die Familie Galwas habe hier in Deutschland, wie sie dankbar erzählen, vor allem in der Anfangszeit viel Unterstützung und Zuspruch erfahren, dies auch bei der beruflichen Integration der Kinder. Hieraus gebe es heute noch wunderbare Freundschaften.

Zu ihrer diamantenen Hochzeit haben die Kinder und Enkel für den Festtag eine große Überraschung vorbereitet.