Von Adelinde Hellstern

Empfingen-Wiesenstetten. Zur ersten Veranstaltung "Kultur im Pfarrhaus" hat der Orgelbauförderverein St. Stephanus Wiesenstetten vergangenen Samstagabend eingeladen. Vorsitzender Thomas Wiechert freute sich über ein volles Haus.

"Mit allem, was das Leben so gibt an schwierigen Dingen", befasst sich Cornelius Häfele, der in Gomaringen eine Praxis für Lebensberatung betreibt, gleichzeitig Theologe ist und sich in seiner Freizeit dem Kabarett widmet. Er sei von seinem Erziehungsseminar PEP4-Teens im vergangenen Jahr in Wiesenstetten als äußerst seriöse Person bekannt, stellte er sich selbst vor. Zuhause habe er 24 Stunden täglich Kabarett – bei einer Frau und vier Kindern sei das der ganz normale Alltagswahnsinn im Wahnsinnsalltag. Aus ganz frommem Elternhaus stammend, habe er bereits im Mutterleib Gesangbuchlieder auswendig gelernt. Im Geburtskanal habe er bereits sternenhoch "Macht hoch die Tür..." gesungen. Das schallende Gelächter des Publikums war für ihn ein Indiz dafür, was das katholische Publikum von ihm als Evangelischem verträgt.

Die Orgel und die Gemeinde haben für ihn etwas gemeinsam: Überall sind lauter Pfeifen an der Arbeit. Häfele nutzte die heitere Stimmung des Publikums für eine praktische Übung. Es galt "besinnlich" zu gucken, um in Weihnachtsstimmung zu kommen.

So präpariert lud der empathische Künstler die Gäste zu einer hoch pädagogischen Fantasiereise ein. Nur anfänglich mit geschlossenen Augen, später lachend, lauschten achtzig Personen seiner köstlichen, äußerst detaillierten Erzählung vom Bummel eines Elternpaares mit vier quengelnden Kindern über den Weihnachtsmarkt bei strömendem Regen und gefühlten 345 000 Menschen, der nur mit viel Glühwein erträglich war. Von sozialkritischer Empörung über Lebkuchen im September und klammheimlicher Freude über endlich wieder Marzipankartoffeln über seine alljährlichen zerrissenen Hosen und blutige Arme beim Adventskranzreisigholen aus dem Wald für den Frieden in der schönen Adventszeit, spannte er den Bogen bis zur Story von der Geburt Jesu, wie sie eventuell im Heftle "Frau im Bilde" stehen könnte.

Als frustrierter Weihnachtsmann Santa Claus gewandet, beklagte er sich über die Schokoladenindustrie, die provoziert, dass Nikoläuse ohne jegliche Achtung einfach gegessen werden! "Nikolaus 21" nannte er seine Protestbewegung, vergaß jedoch die den Zuhörern versprochenen "Bäbber" im Auto. Dafür erhielt das Publikum ein dickes Lob für sein "vorbildliches Lachen" und wurde dennoch zu einer Lachübung mittels eines Kanons in Cis-Dur verdonnert, nicht ohne zuvor in die Geheimnisse des Fisch-Dirigierens und des Siebenarmige-Leuchter-Dirigierens eingeweiht worden zu sein. Einen kompletten Wandel absolvierte der großartige Alleinunterhalter zum Schluss.

Mucksmäuschenstill war das zuvor schallend laut lachende Publikum bei der Darstellung des größten Dramas der Welt, das mit einem gebrochenen Herzen begann. Josef, der Ehemann der werdenden Gottesmutter Maria, erzählte aus seiner Sicht die Weihnachtsgeschichte. Der Tiefpunkt, an den er nach der Geburt von Jesus gelangte, wurde gleichzeitig zu einem Wendepunkt für ihn, als er Gottes Liebe erkannte. Mit meditativen Klängen auf dem Keyboard setzte Cornelius Häfele den passenden Schlusspunkt.

Mit lang anhaltendem Beifall verabschiedete das Publikum den Künstler nach zwei wie im Flug vergangenen Stunden Kabarett der besonderen Art.