Die Männer der Quotenfrauen

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Von Anne Guhlich Oberndorf. Frauen stehen der Wirtschaft gut. Darum kümmern sich die Unternehmen zunehmend um mehr weibliches Führungspersonal. Viele Männer fühlen sich dabei ziemlich vernachlässigt."Sicher verdanken einige Millionäre ihren Erfolg ihren Frauen", hat der US-amerikanische Komiker Danny Kaye einmal gesagt. "Aber die meisten verdanken ihre Frauen dem Erfolg." Kaye ist 1987 verstorben. Der erste Teil des Zitats wirkt so modern wie ein Telefon mit Drehscheibe. Was gilt für den zweiten?

Immer mehr junge Männer sprechen über Benachteiligung. "Frauen können sich ihren Lebensentwurf aussuchen", sagt Johannes Meiners. Der 25-Jährige schreibt gerade seine Master-Arbeit in Politik und ist bei den Jusos aktiv. "Wenn sie beruflich erfolgreich sein wollen, werden sie von der Wirtschaft und der Politik gefördert." Nicht der Hauptverdiener in der Familie zu sein, sei für die Frau jedoch auch keine Schande. Ihr Anspruch an den Mann als Versorger hätte sich über die Jahre hinweg aber nicht verändert. "Wer als Mann sagen würde, dass er nicht studieren, sondern heiraten möchte, um dann erst mal bei den Kindern zu Hause zu bleiben, würde keine Frau finden", so seine These. "Die meisten Frauen finden Hausmänner auch heute alles andere als attraktiv."

Der Frau gegenüber den geforderten Erfolg im Beruf nachzuweisen, werde zunehmend schwerer. Denn in Wirtschaft und Politik wird verstärkt der Aufstieg von Frauen gefördert: "Auf der individuellen Ebene kann es durchaus sein, dass Männer durch unternehmensinterne Ziele im Hinblick auf den Frauenanteil viel stärker unter Konkurrenzdruck bei Bewerbungen oder internen Aufstiegschancen kommen", meint Barbara Burkhardt-Reich, Projektleiterin des Internetportals spitzenfrauen-bw.de.

Denn um einer gesetzlichen Regelung vorzugreifen, verpflichten sich immer mehr Unternehmen, einen gewissen Prozentsatz an Führungskräften weiblich zu besetzen. "Wir haben uns das sehr ambitionierte Ziel gesetzt, bis Anfang 2013 in Führungspositionen einen Frauenanteil von 15 Prozent und bis 2020 von 20 Prozent zu erreichen", sagte etwa der Bosch-Personalchef Christoph Kübel unserer Zeitung. "Als sehr technisch orientiertes Unternehmen können wir solche Anteile auf Dauer ohnehin nur erreichen, wenn neben den heute angebotenen Seminaren und Mentorprogrammen bei unseren Neueinstellungen der Frauenanteil deutlich höher ist als in den entsprechenden Studiengängen", so Kübel. Das Technologieunternehmen habe sich daher vorgenommen, bei der Einstellung von Frauen 20 Prozent über der jeweiligen Absolventinnenquote zu liegen. "Bei Elektrotechnik etwa sind nur 8,3 Prozent der Absolventen Frauen", sagt Kübel. "Im vergangenen Jahr haben wir mit 11 Prozent überproportional viele Absolventinnen dieser Fachrichtung eingestellt."

Die Nachfrage nach Absolventinnen ingenieurwissenschaftlicher Studiengänge ist in der Wirtschaft also größer als ihr Angebot. Der "MINT-Report" des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln geht von einem steigenden Bedarf aus. MINT steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik.

Bei einer Umfrage der Personalberatung Egon Zehnder haben zwei Drittel der 15 befragten Konzerne (darunter 12 Dax-Unternehmen) angegeben, dass sie das Thema Frauenförderung verfolgen. "Fast 90 Prozent der angefragten Unternehmen wünschen, dass mindestens ein weiblicher Kandidat unter den Bewerbern ist", sagt Heiko Wolters, Partner der Personalberatung. "25 Prozent aller Aufsichtsratsbesetzungen bei uns sind Frauen." Es gebe Management-Positionen, bei denen Männer definitiv schlechtere Karten hätten, sagt er. "Das ist tatsächlich eine Benachteiligung gegenüber männlichen Bewerbern. Es handelt sich hier jedoch um eine notwendige Benachteiligung." Nur so könnten die Unternehmen nachholen, was sie über Dekaden hinweg versäumt hätten.

"Selbst wenn künftig 20 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt sind, sind die übrigen 80 Prozent immer noch Männer", gibt Personalchef Kübel zu bedenken. Glaubt man Barbara Burkahrdt-Reich von den Spitzenfrauen bringt es nicht nur den Frauen etwas, dass das Thema Diversity (zu deutsch Vielfalt) derzeit im Trend liegt. "Gesamtgesellschaftlich gesehen profitieren beide Geschlechter von dieser Entwicklung", sagt die Politikwissenschaftlerin. "Gemischte Teams arbeiten erfolgreicher, Unternehmen mit mehr Frauen in Führungspositionen sind erfolgreicher", sagt sie. Frauenförderung beschränke sich zudem nicht auf die Quote bei Einstellungen und Beförderungen, dazu gehöre auch in vielen Unternehmen interessante Teilzeit-Angebote, Flexibilisierungen wie etwa Home-Office und vielfältige Angebote zur Unterstützung bei der Kinderbetreuung. "Von diesen Veränderungen in der Arbeitswelt profitieren Frauen und Männer."

Dieses Gefühl teilen nicht alle. "Die Männer meiner Generation müssen ausbaden, was unsere Vorfahren an den Frauen verbrochen haben", sagt Meiners. Wie schnell es gehen kann, dass Frauen wegen einer Quote an Männern vorbeiziehen, hat er bei der Vorstandswahl seines Jusos-Regionalverbands München Nord erlebt. Weil von vier Stellen zwei mit Frauen besetzt werden müssen, sind zwei junge Sozialdemokratinnen gewählt worden, die am Tag der Wahl zum ersten Mal bei einer Sitzung erschienen seien. Es standen nur drei Frauen zur Wahl. "Für die Posten der beiden Männer hätten sich dagegen wesentlich mehr Kandidaten interessiert, die schon seit ihrer Schulzeit bei den Jusos aktiv sind."

Johannes Meiners fordert, dass mehr nach den Bedürfnissen der Männer gefragt wird. Er setzt sich für eine Entdämonisierung des Mannes ein, der häufig als gewaltbereit dargestellt werde und in der Familie oft nur ein Zaungast sei. Frauen sollten aufhören, den Mann automatisch in die Versorger-Rolle zu drängen, indem sie nur nach den erfolgreichen Alphamännchen schielen – so wie es das Zitat von Kaye suggeriert.

Ob es sich Meiners denn überhaupt wünschen würde, zu Hause zu bleiben, Wäsche zu waschen, Blusen zu bügeln und das Geld seiner Frau auszugeben? "Nein", sagt er.

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