Calw Straßennamen unter der Lupe

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Otto Göhner war von 1918 bis 1946 Calwer Bürgermeister. Dass er in die Machenschaften der Nazi-Machthaber verstrickt war, dafür gibt es bislang keine Belege. Foto: Fritsch

Calw - Ein Arbeitskreis, der sich aus interessierten Calwer Bürgern zusammensetzt, soll sich mit aus der NS-Zeit belasteten Straßennamen auseinandersetzen und eine Empfehlung für Stadtverwaltung und Gemeinderat erarbeiten, wie damit verfahren wird.

Koordinieren und moderieren wird dieses Gremium Stadtarchivar Karl ­Mayer. Er soll zunächst Personen aus Calw ansprechen, die für eine Mitarbeit in Frage kommen können. Aber auch interessierte Bürger können sich beim Stadtarchiv (Telefon 07051/16 72 60) melden. Dieser Arbeitskreis, so Oberbürgermeister Ralf Eggert, soll zwischen fünf und sieben Personen umfassen.

Durchaus kontrovers diskutieren

Dabei soll die Zusammensetzung so gewählt werden, dass durchaus kontrovers diskutiert werden kann. Das soll, so der OB, "nicht stromlinienförmig sein." Eine kritische Einstellung zur NS-Zeit sei allerdings Voraussetzung.

In Calw geht es um vier Namen. Paul von Hindenburg (1847-1934), Generalfeldmarschall im Ersten Weltkrieg und Reichspräsident von 1925 bis 1934, gilt vielen Historikern als Steigbügelhalter Hitlers. Otto Göhner war von 1918 bis 1946 und somit auch während der NS-Zeit, Calwer Bürgermeister. Dass er in der Zeit zwischen 1933 und 1945 in Machenschaften der Nazi-Machthaber verstrickt war, dafür hat Mayer bislang keine Belege gefunden.

Heinz Schnaufer (1922-1950) gilt als weltweit erfolgreichster Nachtjägerpilot des Zweiten Weltkriegs und als einer der am höchsten dekorierten Soldaten der Wehrmacht. Teile seines Flugzeugs stehen in Museen in Großbritannien und Australien.

Auguste Supper (1867-1951) war mit ihren Schwarzwald-Geschichten eine erfolgreiche Schriftstellerin. Zugleich war Supper eine glühende Verehrerin von Adolf Hitler und des Nationalsozialismus, auch über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus.

Auch künftig daran reiben

Der Arbeitskreis soll eine Empfehlung an den Gemeinderat erarbeiten. Das könnte darauf hinauslaufen, dass die Namen ganz oder teilweise gestrichen werden. Oder ob man sie beibehält und durch kurze historische Anmerkungen ergänzt. Ganz gleich, wie die Entscheidung ausfällt: Nach Auffassung von Eggert sollte man sich auch künftig daran reiben. Hans-Martin Dittus, Leiter des Fachbereichs Bildung, Kultur, Tourismus, sieht in solchen Straßennamen im weitesten Sinne Stolpersteine, die eine Diskussion ermöglichen müssen.

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