Von Albert M. Kraushaar VfL Nagold – SV Zimmern 1:1 (1:0). Anlaufen, verschieben und zustellen, so lauteten die Schlagworte im Spitzenspiel der Fußball- Landesliga, Staffel 3, zwischen dem VfL Nagold und dem SV Zimmern.Wenn die Taktik ein Spiel dirigiert, wie das am Samstagnachmittag, dann bleibt der Spielfluss, einschließlich Unterhaltungswert, meist auf der Strecke.

Beim insgesamt eher emotionslosen Unentschieden versprach der Glühweinstand für die rund 300 Zuschauern im Eugen-Breitling-Stadion deutlich mehr Aufwärmung als das Geschehen auf dem grünen Rasen.

Drei gute Aktionen von Marius Seemann (2.), Marc Alle (3.) und Nils Schuon (5./Klassefreistoß, den Matthias Müller super zur Ecke klärte) in den ersten fünf Minuten schienen ein echtes Spitzenspiel einzuläuten, dann jedoch erstickte die Partie an der Taktik. Rasenschach statt Emotionen war angesagt.

Bis zur 23. Minute, als der ehemalige Nagolder Schlussmann Matthias Müller per Fußabwehr gegen Marc Alle klärte, tat sich vor beiden Toren nichts. Bis VfL-Torhüter Andreas Gusenbauer erstmals zu einer Parade gezwungen wurde (27.), war knapp eine halbe Stunde vergangenen.

Der SV Zimmern stand mit Sebastian von Au und Magnus Merz im Abwehrzentrum sehr sicher. Vorne agierten die Gäste mit nie mehr als drei Angreifern auf. Selbst Torjäger Marius Seemann, der nach einer guten halben Stunde mal gefährlich vor Gusenbauer auftauchte, arbeitete ständig nach hinten mit.

In der 33. Minute durften die Nagolder Fans dann doch jubeln. Marc Alle hatte sich über die rechte Seite durchgesetzt und den Abschluss gesucht, doch er zielte etwas zu genau und traf nur die Latte. Der Ball prallte jedoch von der Querstange auf die linke Seite zu Manuel Zug, der brachte den etatmäßigen Torjäger nochmals in Position und diesmal lag der Ball zum 1:0 im Netz.

Bis zur Pause ist unsere Taktik aufgegangen", zeigte sich VfL-Trainer Thomas Schwarz zufrieden. Kurz vor dem Kabinengang hatte Marc Alle sogar den zweiten Nagolder Treffer auf dem Fuß (44.).

Nach der Pause wurde der SV Zimmern angesichts des Rückstandes etwas mutiger, doch die ganz große Chance, die hatte erst einmal Daniel Schachtschneider für die Nagolder. Der junge Torjäger war über links in Richtung Zimmerner Strafraum gelaufen und hatte frei vor Matthias Müller praktisch alle Optionen. Er entschied sich für einen Querpass, der jedoch weder Marc Alle noch den mitgelaufenen Manuel Zug erreichte (59.).

Im direkten Gegenzug hakte Valentin Asch gegen Toptorjäger Marius Seemann im Strafraum nach, dieser fiel. Zum Glück für den Verteidiger und seiner Nagolder Kameraden sah er nach dieser Aktion nur gelb. Den fälligen Strafstoß jedoch, den versenkte Marius Seemann sicher zum 1:1 (60.). Es war sein 13. Saisontreffer.

"Das war ärgerlich. Wir hätten vor dem Gegentor das 2:0 machen müssen", bewertete Thomas Schwarz die Situation. Es war die beste Phase der Gäste, in der Tom Schmid den Nagolder Schlussmann Andreas Gusenbauer wenig später noch zu einem Eingreifen zwang (66.).

Danach schalteten die Gäste wieder auf Sicherheit um. Der VfL Nagold war in der Folgezeit bemüht, mit kontrollierter Offensive vielleicht doch noch den Siegtreffer zu schaffen. Die größte Möglichkeit ließ der SV Zimmern in der Schlussphase zu, als Marc Alle aus fünf Metern den Siegtreffer schon auf dem Fuß hatte (79.), Matthias Müller jedoch mit einer tollen Parade gegen seine ehemaligen Kameraden den einen Punkt für die Gäste festhielt.