"Am Stuttgarter Flughafen kann alles landen, was Flügel hat", sagt Wolfgang Schwend, der die Führung über den siebtgrößten Airport Deutschlands leitet. Doch es gibt noch andere Passagiere von viel weiter her, erfahren die Kinder, die bei der Wünsch-dirwas-Aktion des Schwarzwälder Boten, unterstützt von der Sparkasse Pforzheim-Calw, mitgemacht und gewonnen haben. "Guck guck, i han a Ufo g’seah", singt ein Chor im Terminal 1 des Flughafens. "Das organisiert unser Seelsorgedienst in der Adventszeit", erklärt Schwend, während sich seine Gäste um ihn scharen.

Daniel und Nathanael Deuble, vier und sechs Jahre alt, sind aus Wildberg und werden begleitet vom sechsjährigen Marvel Schmid. Außerdem gehören zur Gruppe Luca Kopf, 8, aus Rosenfeld, Fabian Schmid, fünf Jahre, aus Rosenfeld-Leidringen, Laurenz Hermann, dreieinhalb Jahre, aus Haigerloch-Stetten, und Lenny Gerlach, drei, aus Rangendingen, samt ihren erwachsenen Begleitern.

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Mancher muss den Kasper machen

"Die Abflughalle funktioniert ganz ähnlich wie ein Bahnhof", so Schwend, während sich die kleine Schar bereits in Richtung der Flughafenseelsorge bewegt. Dort können die Besucher ihr Gepäck lagern, denn auch für sie gilt: Keine spitzen Gegenstände, keine Flüssigkeiten mitführen, sonst kommt man nicht durch die Sicherheitskontrolle. Ein kurzer Halt am Schaufenster der Zollkontrolle vermittelt eine Ahnung davon, was Flugreisende alles aus dem Ausland mitbringen, ohne zu ahnen, dass die Einfuhr nach Deutschland verboten ist. Das beginnt bei Lampen, die aus seltenen Hölzern gefertigt wurden, und reicht bis zu zahlreichen Arten gefährdeter und vom Aussterben bedrohter Tiere.

Beim Einchecken dürfen die Kinder auf die Kofferwagen steigen. Ihr Gewicht liegt jenseits des Erlaubten für Gepäckstücke, aber zum Glück ist alles ja nur ein Spaß. Der hört allerdings auf, als die Besuchergruppe an die Sicherheitsschleuse kommt.

"Da muss mancher den Kasper machen", beschreibt Wolfgang Schwend die Szene nach dem Durchgang durch die Personenschleuse. Ertönt ein akustisches Signal, muss der Betreffende durchsucht werden. Er spreizt die Beine, breitet die Arme aus und hat dann durchaus Ähnlichkeit mit einem Hampelmann. Alles und jeder muss hier durch, Menschen wie Gepäck, sperrige Surfbretter, Mountainbikes – und auch Haustiere.

Wolfgang Schwend erzählt dazu eine herrliche Geschichte von einer Deutschen Dogge, die partout nicht in die Transportkiste steigen wollte. Selbst mit Käsekuchen, ein Leckerbissen für den großformatigen Hund, ließ der sich nicht locken. Er trickste seine Besitzer vielmehr aus, fraß den Kuchen und blieb dennoch außen vor. "Die Leute sind dann doch nicht nach Mallorca geflogen", schließt Schwend unter dem Gelächter seiner Zuhörer.

Nach dem Durchgang – nur einer musste "den Kasper machen" – bietet sich vom Duty- Free-Bereich aus der Blick aufs Rollfeld. Fahrgastbrücken, in Stuttgart "Finger" genannt, greifen nach den Jets auf dem Vorfeld. Ein Airbus 319 bekommt Verpflegung geliefert. Die Gruppe steigt eine Treppe hinunter und wartet am Rollfeld auf den Zubringerbus. Der fasst 119 Passagiere, transportiert jetzt aber nur die kleine Wünsch-dir-wasReisegruppe auf dem Weg zur Flughafenfeuerwehr.

Es geht entlang des Sektors für Privatflugzeuge. Da stehen Millionenwerte herum, vom kleinen Propellerflugzeug bis zum komfortablen Jet mit Einbauküche und Schlafzimmer. Man komme als Dienstleister dem Wunsch der Geschäftsleute und Prominenten nach Exklusivität gerne entgegen, sagt Schwend. Extrawürste, zum Beispiel bei der Zollkontrolle, werden aber nicht gebraten. "Ihr Gepäck und sie selber werden genauso behandelt wie die ›normalen‹ Reisenden", versichert der Flughafenmitarbeiter.

Vor dem Feuerwehrgebäude hat die Gruppe Gelegenheit, Starts und Landungen zu beobachten. Wie auf Bestellung kommt eine Maschine vom Typ Airbus 320 der Turkish Airlines herunter, kurz darauf hebt ein Hubschrauber ab und wartet auf das Okay der Fluglotsen. Deren Tower steht als einziger Kontrollturm in Europa nicht auf dem Flughafengelände, sondern auf Gemarkung der Gemeinde Bernhausen. Dadurch scheint, so Schwend, den Lotsen nur beim Auf- und Untergang die Sonne ins Gesicht.

Durchschnittlich zehn Einsätze fährt die Flughafenfeuerwehr täglich. Sie ist nicht nur für den Flughafen zuständig, auch in den Umland­gemeinden und auf einem Teil der Autobahn A 8 kommen die insgesamt 28 Fahrzeuge zum Einsatz. Doch beim Besuch der Wünschdir-was-Gruppe bleibt alles ruhig. Kein Mensch ist zu sehen, nur die Einsatzkleidung eines Fahrers. "Ein prima Tipp für Langschläfer", scherzt Schwend. Die Hosen fallen über die Stiefel, der Fahrer muss nur hineinspringen und ist in 30 Sekunden angezogen. Auch die Fahrzeuge können in kürzester Zeit in den Einsatz gehen. Über einen Stromanschluss werden die Motoren ständig auf Betriebstemperatur gehalten. "Dann können die Mannschaften mit Vollgas losfahren."

Schinden auf der Endlosleiter

Dafür müssen sie topfit sein. Im Fitnessraum gibt es ein Laufband, auf dem die Feuerwehrleute in voller Montur eine bestimmte Strecke zurücklegen müssen. Sie können sich außerdem auf einer Endlosleiter schinden, die auf unterschiedliche Geschwindigkeiten eingestellt werden kann. Und hinter der harmlos klingenden Bezeichnung "Atemschutz-Übungsanlage" verbirgt sich ein ausgeklügeltes Käfig-Labyrinth, das komplett eingeräuchert werden kann. Licht- und Toneffekte schaffen zusätzlich Verwirrung. "Hierher kommen Feuerwehrleute aus ganz Süddeutschland zur Atemschutz-Ausbildung", erklärt Schwend.

Der Weg zurück zum Start der Führung bringt die Gruppe hinter die Kulissen der Gepäckabfertigung. Bis zu 3000 Koffer pro Stunde werden hier in der Hauptreisezeit abgefertigt. Wenn es so richtig rund geht, ist Besuchern der Zutritt verboten. Schwend: "Viel zu gefährlich, bei dem Gedränge."