Bisingen "Es war eine Herzensangelegenheit"

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Uta Hentsch ist als ehemalige Leiterin des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen weiterhin ehrenamtlich aktiv. Foto: Huger Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Robert Huger

Am Montag wird Uta Hentsch, ehemalige Leiterin des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen, für ihre Verdienste um das Land Baden-Württemberg geehrt. Landrat Günther-Martin Pauli wird ihr die Staufermedaille verleihen. Sie selbst ist überrascht.

Bisingen-Wessingen. Ungläubig schaut Uta Hentsch auf das Schreiben in ihrer Hand. "Sie hat sich in herausragender Weise im Bereich ›Versöhnung, Vergangenheitsbewältigung, Völkerverständigung – Frieden in Europa‹ engagiert", steht dort geschrieben. "Ich bin fast vom Stuhl gefallen, als ich das gelesen habe", sagt Uta Hentsch, ehemalige Leiterin des Vereins Gedenkstätten KZ Bisingen. Das sei ihr gar nicht so bewusst gewesen. "Es war immer eine Herzensangelegenheit", sagt sie. Die Arbeit gegen das Vergessen sei unheimlich wichtig.

Vor ihrer Arbeit als Vorsitzende gehörte die gebürtige Berlinerin bereits der Bisinger Gruppe "Möglichkeiten des Erinnerns an". Die war es auch, die in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bürgermeister den Besuch des Holocaustüberlebenden Shalom Stamberg organisiert hatte. Während des einwöchigen Aufenthaltes von Stamberg reifte der Gedanke, aus der Erinnerungs-Gruppe einen Verein zu gründen. Uta Hentsch erinnert sich noch genau, wie Horst Prautzsch – ebenfalls Mitglied der Erinnerungsgruppe – zu ihr sagte: "Wir gründen einen Verein. Und Du wirst die Vorsitzende!"

Elfeinhalb Jahre war Uta Hentsch daraufhin tatsächlich die Vorsitzende des Vereins. Während dieser Zeit hat sie zahlreiche Veranstaltungen mit Überlebenden des Holocausts organisiert, Treffen mit Schülern arrangiert und viele Verbindungen geknüpft. Und auch nachdem sie den Vorsitz abgegeben hat, ist sie weiterhin aktiv für den Verein.

Keine Langeweile: Sie arbeitet auch weiterhin für den Verein

Zum Beispiel betreut sie immer noch die Schüler-AG und ist im Beirat des Gedenkstättenverbundes. "Mir wird auf jeden Fall nicht langweilig", sagt Uta Hentsch. Doch auch im Internet ist die Wessingerin zu Gange. "2006 habe ich gedacht: Mach mal einen Blog", erzählt Uta Hentsch. Inzwischen sind es sogar drei Internet-Blogs, die die Wessingerin betreut.

Die Arbeit am Computer macht ihr viel Spaß. "Ich habe mir alles selbst erarbeitet", sagt sie. Zudem freue Uta Hentsch sich immer, wenn sie einen neuen "Verfolger", also Leser einer ihrer Blogs, hinzubekommt. Zwei ihrer Blogs widmen sich Israel. Denn dort hatte sie vor ihrer Vereinszeit eineinhalb Jahre in einem Gasthaus für Holocaustüberlebende volontiert.

"Das hat mir persönlich einen neuen Lebensabschnitt beschert", sagt Uta Hentsch. Während ihres Aufenthaltes bekam sie die Auswirkungen des dortigen Krieges zu spüren und saß zweimal gemeinsam mit Holocaustüberlebenden im Bunker und hörte wie draußen die Bomben einschlugen. Dennoch blickt sie gerne auf diese Zeit zurück. "Ich habe viele Freunde gefunden und bin immer gerne dort", sagt sie.

Ihre Auszeichnung mit der Staufermedaille sieht Uta Hentsch als ein Gemeinschaftsprodukt. "Die Plakette und die Urkunde kommen ins Museum", sagt sie, "denn dort gehören sie hin." Schließlich sei sie nicht alleine am Erfolg des Vereins beteiligt gewesen.

Die Staufer-Medaille ist eine Auszeichnung für besondere, persönliche Leistungen für Baden-Württemberg. Der Bezug geht zurück auf das schwäbische Adelsgeschlecht der Staufer. Die Ehrung ist mit einer Urkunde des Ministerpräsidenten verbunden.

  
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