Von Steffen Maier

Balingen. Gerangel um den Bahnhof – und wer bekommt den Zuschlag? Peter Seifert hat ein Angebot abgegeben, und auch die Stadt hat "starkes Interesse" gen Berlin signalisiert. Wahrscheinlich schon in der nächsten Woche sagt die Bahn, wer zum Zug kommt.

In dieser Woche sind Seiferts Unterlagen an den Noch-Eigentümer, die Bahn, zur Entscheidung nach Berlin gegangen. Zu Beginn der nächsten Woche erwartet Seifert die Nachricht, ob er den Zuschlag erhält. Er habe ein "gutes Angebot" gemacht, so Seifert, und gehe davon aus, dass er zum Zuge komme.

Wie im September berichtet, will das Unternehmen das Balinger Bahnhofsensemble, bestehend aus Gebäude und Vorplatz, wie so viele andere Bahnhöfe in der ganzen Republik verkaufen. Durch den Artikel in unserer Zeitung ist Seifert auf das Angebot aufmerksam geworden – er sieht darin für sich, noch mehr aber für Balingen eine "Riesenchance".

Seifert ist indes nicht der einzige, der Interesse am Bahnhof hat. Auch die Stadt Balingen will sich insbesondere das Gelände unbedingt sichern, um das Gebiet, wie lange schon geplant, nach der Aufhübschung der Bahnhofstraße im Jahr 2008 städtebaulich voranzubringen. Eine klassische Konkurrenzsituation also? Seifert sagt: "Nein." Seine und die Interessen der Stadt könnten prima unter einen Hut gebracht werden.

Eigentlich hat Seifert ein Auge nämlich erst einmal nur auf das Bahnhofsgebäude geworfen. Dieses will er als Privatmann denkmalgerecht – erbaut worden ist es 1911 – sanieren. In dieser Hinsicht ist dort einiges zu tun, davon hat er sich bei mehreren Besichtigungen schon ein Bild gemacht. Bisher sind in dem Gebäude im Erdgeschoss die Bäckerei Gulde und die Bahn selbst untergebracht, dazu kommen im Obergeschoss die DB-Tochter Regionalverkehr Alb-Bodensee sowie private Mietparteien in drei sehr großzügigen Wohnungen.

Das bisher brachliegende Dachgeschoss will Seifert ausbauen und dort Appartements einrichten. Mit den Stadtwerken habe es zudem erste lose Gespräche gegeben bezüglich eines Blockheizkraftwerks, das das Gebäude mit Strom und Wärme versorgen könnte. Seifert betont, dass er mit seiner Investition nicht "die schnelle Kohle" machen wolle – das mache schon die sogenannte Mehrerlösklausel im Kaufvertrag unmöglich, mit der die Bahn verhindern wolle, dass das Gebäude zum Objekt von gierigen Spekulanten wird.

Im Zuge der Sanierung will Seifert das Gebäude aus seinem, wie er findet, bisherigen Schattendasein und der Schmuddelecke herausholen – und zugleich "Dynamik" in die Weiterentwicklung des gesamten Umfelds bringen. Die Stadtverwaltung habe sich hier nach dem Ende der Bauarbeiten an der Bahnhofstraße sehr träge gezeigt. Als Beispiele für das derzeitige "Nichtstun" nennt Seifert das Gebäude 19 (ehemals Rock-Café und Tiffany), das die Stadt zwar gekauft habe, das aber immer mehr vor sich hin gammele. Er verweist zudem auf die für Geschäftsbetreiber und Kunden weiterhin unerträgliche Parkplatzsituation auf dem Gelände in Verlängerung des Bahnhof Am Lindle, für das das Bauamt zwar große Pläne habe, wo aber dennoch nichts geschehe. Mit dem Eigentümer der Bahnhofsgaststätte würde Seifert, wenn er den Zuschlag erhält, unverzüglich das Gespräch suchen. Er wolle ernst machen mit seinem Motto aus dem Oberbürgermeisterwahlkampf von 2007 – "Wir sind, was wir tun" – und am Bahnhof nachhaltig etwas bewegen, zum Wohle Balingens, so Seifert.

Der Stadt wiederum will Seifert den Vorplatz zum Kauf anbieten , allerdings nur unter einer Bedingung: dass sie dort schnell in die Puschen kommt und die so lange geplante Neugestaltung endlich angeht. Denn anders als Seifert hat die Stadt eigentlich nur ein Interesse an diesem Vorplatz, wie Baudezernent Ernst Steidle schon im September betonte: Dieser sei städtebaulich höchst interessant, das Gebäude brauche die Stadt eigentlich nicht – zumal der Kauf mit hohen Folgekosten verbunden sei. Auch die Stadt sei wegen des Bahnhofsensembles mit der Bahn in Verhandlungen und "guten Gesprächen", sagte Oberbürgermeister Helmut Reitemann gestern gegenüber unserer Zeitung. Man habe "starkes Kaufinteresse" nach Berlin signalisiert, das letzte Wort, falls die Bahn sich für die Stadt als Käufer entscheidet, hat allerdings der Gemeinderat. Indes könnte die Stadt den Zuschlag an Seifert möglicherweise dadurch verhindern, dass sie das Vorkaufsrecht ausübt und das komplette Ensemble erwirbt. Und bei all diesen Fragen drängt die Zeit: Die Bahn will das Geschäft noch in diesem Jahr unter Dach und Fach bringen.

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