Bad Liebenzell Sogar der König soll da gewesen sein

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"Nicht alle wurden geheilt", erinnern sich Pfarrer Lennart Meißner und Kirchengemeinderätin Beate Wollmeister angesichts der zwei kleinen Grabsteine an der Blumhardtkirche Möttlingen. Ihr Wissen über das Leben von Johann Christoph Blumhardt wollen sie weitergeben. Foto: Fisel Foto: Schwarzwälder-Bote

Möttlingen soll einmal eines der bekanntesten Dörfer in Süddeutschland gewesen sein. Das behauptet zumindest der evangelische Pfarrer dieses Bad Liebenzeller Stadtteils, Lennart Meißner.

Bad Liebenzell-Möttlingen. Und Meißner muss es schließlich wissen, verdankt seine Kirchengemeinde diesen hohen Bekanntheitsgrad doch einem seiner Amtsvorgänger: Johann Christoph Blumhardt. Jener in Stuttgart geborene, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Geistliche war im Jahre 1838 als junger evangelischer Theologe in die landwirtschaftlich geprägte Gemeinde gekommen, hatte dort seine Frau Doris geheiratet und sich bis zu seinem Wegzug im Jahre 1852 intensiv um das geistige, seelische und körperliche Wohlbefinden der Bevölkerung gekümmert.

Blumhardts Predigten, vor allem aber sein gelebter Glaube und sein aufopferndes soziales Handeln erlangten in der damaligen Zeit schnell überregionale Beachtung.

Die Heilung einer schwerkranken Frau, die er über zwei Jahre seelsorgerlich betreut und für die er selbst unermüdlich gebetet hatte, löste nicht nur in der eigenen Gemeinde, sondern in der ganzen Umgebung eine regelrechte Buß- und Erweckungsbewegung aus. Sogar der König von Württemberg soll heimlich nach Möttlingen gekommen sein.

Sechs Monate lang an der Lektüre gearbeitet

Doch das Wissen um jene bedeutenden Geschehnisse sowie um die grundlegenden Glaubensinhalte, die Blumhardt verkündete, geht in der heutigen Zeit mehr und mehr verloren.

"Ich möchte jungen Menschen, Neuzugezogenen oder Menschen, die der Kirche fern stehen, Blumhardt bekannt machen oder wieder nahebringen", sagt Pfarrer Meißner. Fragen wie "Wer war Blumhardt? Was ist damals in Möttlingen passiert?" sollen in einer informativen, aber auch leicht verständlichen und zugleich zeitgemäßen Form beantwortet werden.

Er selbst sei schon von Kindheit an ein großer Comic-Liebhaber gewesen, bekennt Meißner. Vor allem "Asterix" habe es ihm angetan. Was wäre da nicht naheliegender, als das Leben und Wirken von Blumhardt in einen Comic zu verpacken? Sechs Monate habe er an der Lektüre gearbeitet, Texte erstellt, sich mit dem landeskirchlichen Blumhardt-Experten Dieter Ising beraten und nach intensiver Suche in Judith Müller, Lehrerin für Deutsch und Bildende Kunst, die ideale Zeichnerin gefunden. "Die Personen oder Gebäude sollten zwar erkennbar sein, aber es musste auch kein hochkommerzielles Produkt entstehen", beschreibt Meißner die Anforderungen an Bilder und Layout des Werkes.

Von der überaus gelungenen Comic-Ausgabe "Die erstaunliche Geschichte von Johann Christoph Blumhardt in Möttlingen" kann sich ab sofort jeder Besucher der Blumhardtkirche oder des Gottliebin-Dittus-Hauses überzeugen. Auch im Religions- und Konfirmandenunterricht wird zukünftig mit dieser Lektüre gearbeitet.

Die zweite Vorsitzende des Kirchengemeinderats, Beate Wollmeister, ist jetzt schon begeistert über den Comic: "Hier wird Blumhardt so gezeigt, wie er wirklich war: sozial, menschlich und sehr, sehr normal."

In pietistischen Kreisen werde der Geistliche bisweilen völlig überhöht, fast glorifiziert, gibt Wollmeister zu bedenken. Er sei zweifelsohne ein guter Prediger gewesen, doch zusammen mit seiner Frau sei er vor allem ein glaubwürdiger, hilfsbereiter und lebensfroher Mensch gewesen, der die gesellschaftlichen Missstände wahrgenommen und gelindert habe. Und über allem sei sein unerschütterlicher Glaube an das Wirken des Heiligen Geistes gestanden.

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