Bad Liebenzell Biogasanlage erregt die Gemüter

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In Deutschland gibt es etliche Biogasanlagen. Sie sind wegen des Geruchs strittig. Foto: Armer/Kraushaar

Bad Liebenzell-Maisenbach-Zainen - Von der Geruchsentwicklung bis zum Fahrzeugaufkommen gehen die Beschwerden rund um die Biogas-Anlage von Marc Berger in Maisenbach-Zainen. Einem Teil der Bürger geht der "Gestank" auf den Geist. Die Beschwerden häufen sich. Ortsvorsteher Fritz Steininger lud zu einem Info-Abend ins Bürgerhaus ein, bei dem Experten vom Landratsamt Auskunft geben sollten.

Wie brisant das Thema im kleinen Höhenort ist, ließ sich an der Zahl der Besucher ablesen. Mehr als 120 Gäste drängten sich im völlig überfüllten Bürgersaal, rund ein Viertel der gesamten Bevölkerung im Ort. Und die teilt sich in inzwischen in zwei Lager. Nur der cleveren bis energischen Moderation von Bürgermeister Dietmar Fischer war es zu verdanken, dass sich die Emotionen in Grenzen hielten. Die Biogasanlage – besser gesagt die "Gerüche" die aus und um sie herum auf dem Eichbuschhof entstehen, entzweit Maisenbach-Zainen.

Ein Faktum, das Ortsvorsteher Fritz Steininger so nicht stehen lassen will. Als Hausherr warb er um Verständnis aber auch um Antworten auf die Fragen nach Geruchsbelästigung und Intensität. Gerüche lassen sich weder messen, noch statistisch einordnen. Jede Nase reagiert anders. Schnell schaukelte sich das Thema zu Lebensqualität – "Wir sind wegen der schönen Natur hierher gezogen" – Wert der Immobilien bis zum Zwist "Einheimischen" contra "Neubürger" hoch.

Peter Schäfer, Leiter der Abteilung Landwirtschaft und Naturschutz im Landratsamt Calw, erläuterte die Basis, die zum Bau der Anlage geführt hatte. Von ehemals 60 Betrieben zu Beginn der 1960er-Jahre seinen heute noch zwei, drei übrig. Bei 60 Prozent Grasfläche gebe es halt nur die Möglichkeit sie mit Kühen, Schafen, Ziegen oder Pferden offenzuhalten. "Wer Natur will, muss Landwirtschaft akzeptieren", so sein Fazit. Sonst wächst hier alles zu und wir haben in ein paar Jahren einen Urwald. Mit der Vorgabe "Atomausstieg" hin zu erneuerbaren Energien seien die Biogas-Anlagen im Vergleich mit Sonne und Wind ein zuverlässiger Träger, der zudem noch Wärme erzeuge. Mit der würden in Maisenbach-Zainen rund 32.000 Liter Heizöl eingespart und 450 Haushalte mit Strom versorgt.

"Vor der Genehmigung so einer Anlage werden Standort, Windrichtung, Geruchsemissionen, wasserrechtliche- und Lärmschutzfragen geprüft" erklärte Arno Reif. Nach Auflistung des Experten vom Landratsamt regelt das Geruchsemissionsgesetz zumutbare Zeiten. Für Maisenbach-Zainen gelten 36 Tage, oder wie Bad Liebenzells Bürgermeister Fischer schnell umrechnete: "864 Stunden dürfte es stinken".

Alles recht kompliziert, zumal das "Geruchs-Empfinden" nach den Eindrücken der Wortmeldungen in Maisenbach-Zainen sehr unterschiedlich ausfällt. Während ein Anrainer "Gerüche" bis auf wenige Phasen als nicht außergewöhnlich einstuft, stinkt es für andere geradezu "bestialisch" zum Himmel. "Sollen wir den ganzen Sommer im Haus sitzen, weil es stinkt", so eine eher emotionale Wortmeldung, während anderen nach den Gründen für die Gerüche, welcher Art sie sind, aus welchen Gasen sie bestehen könnten und wie man sie vermeiden könne, nachfragten. Heißes Thema war die Offenhaltung der Entnahmestellen aus den Silos und die Forderung nach besserer Abdichtung beim Fermenter. Der Fermenter ist eine Maschine, die das Material in den Gärtank befördert. Dieses Begehren scheidet wegen der Schimmelbildung als kontraproduktiv aus, was auch von den anwesenden Landwirten bestätigt wurde. Auch deren Stellungnahme zum Fahrzeugaufkommen war eindeutig. "Aufgrund der Wetterlage besteht Landwirtschaft heute oftmals aus "Stoßzeiten". Da werde auch bis tief in die Nacht gefahren.

"Silage können Sie mit Sauerkraut vergleichen, der Gärprozess dauert vier bis sechs Wochen und findet unter luftdichten Bedingungen statt", so Schäfer. Warum es "stinkt" und in unterschiedlicher Intensität, blieb offen. Als Gründe wurden Wetterlage, Qualität der Silage, Gülle und Schwemmmist angeführt.

Fischer hat sich aus der Diskussion einen Zehn-Punkte- Fragebogen aufgestellt, der in den nächsten Wochen abgearbeitet werden soll. "Geben Sie uns zwei, drei Monate Zeit, wir bleiben an dem Thema dran und werden sie mit einem zweiten Info-Abend über die Erkenntnisse informieren", versprach er.

Bio-Landwirt Uwe Gorjup vom Hardhof appellierte an das Verständnis der Bürger. "Landwirtschaftliche Betriebe ohne Geruch gibt es nicht", sagte er. Aber die Flächen müssten halt irgendwie offengehalten werden.

 
 
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