Bad Herrenalb Kommunen rücken enger zusammen

Wolfgang Krokauer, 30.11.2012 10:00 Uhr

Bad Herrenalb - Das Reiseverhalten der Touristen hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Darauf reagiert jetzt auch die Stadt Bad Herrenalb und setzt auf eine Kooperation im Albtal.

In seiner Sitzung am Mittwochabend beschloss der Gemeinderat mit großer Mehrheit, dem Verein Albtal Plus beizutreten. Es handelt sich um eine Vereinigung der Kommunen Bad Herrenalb, Dobel, Ettlingen, Karlsbad, Malsch, Marxzell, Straubenhardt und Waldbronn. Neben den genannten Kommunen ist auch die Albtal-Initiative Mitglied des Vereins. Dabei geht es um einen Zusammenschluss von privaten Dienstleistern. Der Verein finanziert sich über Mitgliedsbeiträge und Sponsoring.

In der Gemeinderatssitzung erläuterte Sabine Zenker, Geschäftsführerin des Eigenbetriebs Kur, Kultur, Tourismus und Marketing (KKTM) das Projekt. Es müsse auch Bad Herrenalb auf veränderte Marktbedingungen reagieren. So hätten die Gesundheitsreformen große Auswirkungen auf die Stadt gehabt. Zu beachten seien zudem der demografische Wandel und das veränderte Reise- und Kaufverwalten. Die Kurstadt habe darauf bereits mit einigen Maßnahmen reagiert. Allerdings sei in Zukunft noch stärker als bisher eine interkommunale Zusammenarbeit notwendig, da sich bestimmte Aufgaben gemeinsam besser bewältigen ließen.

Als besondere Themen im Rahmen der Albtal-Kooperation betrachtet Zenker die Bereiche Natur und Freizeit, Kultur, Gesundheit sowie Wellness und schließlich Genuss. Mögliche Aufgaben des Vereins Albtal Plus sind nach ihrer Auffassung das Vertriebsmanagement, das Marketing, die Qualitätssicherung, die Interessenvertretung gegenüber Dachorganisationen und Gremien sowie das Steuern von Projekten im Albtal. Mit diversen Übertragungen von Aufgaben an den Verein erhofft sich Zenker Einsparungen sowie Synergieeffekte. Als Beispiel nannte sie unter anderem die diversen Führungen im Albtal.

"Wir wollen touristisch zusammenrücken", nannte Bürgermeister Norbert Mai als Ziel der Kooperation und fügte hinzu: "Gemeinsam sind wir stark." Stadtrat Christian Romoser (CDU) betrachtet es als besonders wichtig, dass die Kooperation mit Leben erfüllt wird. Er hält es aber auch für notwendig, die Kosten im Auge zu behalten und zu fragen, was die Kooperation letztendlich bringe. "Es ist die richtige Initiative zum richtigen Zeitpunkt", sagte Michael Theis (Grüne Liste). Wie Romoser freute er sich darüber, dass das Projekt auch von Unternehmen mitgetragen werde.

Geld muss woanders eingespart werden

Kritisch äußerte sich Stadtrat Peter Müller (UBV). Man habe schon viele Sachen probiert und Geld vergraben. Jetzt werde wieder Geld ausgegeben und erst anschließend geschaut, ob man die Mittel auch habe. Bei der Abstimmung votierte er gegen den Beitritt zum Verein Albtal Plus. Auch sein Fraktionskollege Rüdiger König äußerte Bedenken, auch wenn er die Kooperation grundsätzlich begrüßte. Für ihn kommt es darauf an, in den anstehenden Haushaltsberatungen den Mitgliedsbeitrag pro Jahr in Höhe von 70 000 Euro an anderer Stelle im Kurhaushalt wieder einzusparen. Bei der Abstimmung enthielt er sich zusammen mit Thomas Krempel (CDU) der Stimme. Demgegenüber bekräftigte Bürgermeister Mai noch einmal seine Auffassung. "Wir müssen gemeinsam versuchen, den Gast für die Region zu gewinnen", sagte er. Es gelte, weg vom Einzelkämpfertum zu kommen. Allerdings sei auch der Erfolg zu kontrollieren und zu hinterfragen, wo der Mehrwert liege. Sollte die Kooperation nicht funktionieren, habe er nichts dagegen, wenn Bad Herrenalb wieder ausscheide.

(wk). Beim Verein Albtal Plus tragen Bad Herrenalb sowie Ettlingen mit jeweils 70 000 Euro pro Jahr den Löwenanteil bei den Mitgliedsbeiträgen. Es folgt Waldbronn mit 25 000 Euro. Karlsbad steuert 16 000 Euro bei. Straubenhardt, Malsch und Dobel bezahlen jeweils 10 000 Euro sowie Marxzell 7000 Euro. Die Beiträge ergeben sich anhand eines gerundeten Berechnungsmodells zu Einwohner- und Übernachtungszahlen. Sitz des Vereins ist Ettlingen.

Von dem aus den Mitgliedsbeiträgen zur Verfügung stehenden jährliche Budget in Höhe von 218 000 Euro werden 108 000 Euro in Projektmittel gesteckt. 70 000 Euro stehen für Personal zur Verfügung. Die restlichen 40 000 Euro sind Betriebs- sowie Geschäftsausgaben. Ettlingen übernimmt die Personal- und Lohnbuchhaltung sowie die buchhalterische Darstellung.

Bad Herrenalb kümmert sich um die Kurtaxe inklusive Meldeschein-, Satzungs- sowie Konusbearbeitung. Gegründet werden soll der Verein am 18. Dezember. Bis Mitte Dezember soll der Geschäftsstellenleiter bestimmt sein. Die Mitarbeiter sollen im Februar 2013 mit der Arbeit beginnen. Das Gastgeberverzeichnis Albtal für 2014 ist voraussichtlich bis Ende Oktober 2013 erstellt.

 
 
Kommentare (8)
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DEZ
01
pds, 13:07 Uhr

Überfällig

Diese Zuwarten-, Aussitzen-, Verheimlichungs-, und Hintenrum-Politik geht selbst dem friedlichsten und ruhigsten Bürger allmählich gegen den Strich. Wo ist die versprochene 'Mitnahme' und zeitnahe Info? In den Homepage von Marzell findet man diesen Beitritt schon im Februar und in Waldbronn liest man zum Beitritt zu Albtal plus allerdings die gleichzeitiger Aufgabe von anderen und erfolglosen Werbeauftritten. Und da spricht Herr Theis von 'Initiative zum richtigen Zeitpunkt' wo doch alles schon längst läuft. Die Ausrichtung ins Albtal ist längst vollzogen und absolut wichtig für uns, nur die Stadtpolitik scheint hinterher zu hinken und schon macht man einen neuen kostenträchtigen Fehler und übersieht ab Ettlingen fährt die AVG nach Karlsruhe. Für unsere Stadt bei Touristen zu werben macht uns blind für einfache Lösungen der Dinge. Zum Beispiel finde ich bei Facebook ausser der pesönlichen Seite von Frau Sagawe keinen Auftritt von Bad Herrenalb. Warum gibt man fähigen Leuten hier nicht die Erlaubnis mehr zu tun zumal die Werkzeuge dazu längst da sind. Warum auf unzähligen Erlebnispfaden und Nordportalen zu Kochschows 'wandern' wenn dies nur einem kleinen Kreis zugänglich gemacht wird. Ach so, fast hätte ich es vergessen, der Bäderkreis Calw hat sich ja jetzt eigentlich erledigt und die Brücken nach Baden-Baden sind gekappt. Der baumlichen Auslichtung in Richtung Albtal erfolgt jetzt endlich auch eine in den Köpfen, das gibt zumindest wieder Mut wenn auch die Hoffnung gering ist.

DEZ
01
herrenalber, 09:22 Uhr

Ohne Steuermann

Befinden wir alle uns möglicherweise in einem Komödiantenstadl? Bad Herrenalb, pleite bis zum Geht-nicht-mehr, zahlt ebensoviel wie die reiche Stadt Ettlingen. Man will schon gar nicht mehr fragen für was, auf jeden Fall hat man sich über den Tisch ziehen lassen. Dieser Verein hat dann auch noch seinen Rechtssitz in Ettlingen. Zudem ist jetzt schon klar, meine Herren Gemeinderäte, die Mittel werden nicht reichen. Auf Kosten von uns Steuerzahlern werden wieder zwei oder drei neue Versorger-Arbeitsplätze geschaffen (für 70.000???). Aber was sind schon 108.000 Euro Projektmittel? Zwei, drei mehr oder weniger gute oder langweilige Flyer, eine nochmals neue Broschüre (gähn) – da reicht es noch nicht einmal zu einer halbwegs erfolgreichen Online-Performance. Und das wieder nur wegen ein paar Touris, die man dann wohl in Ettlingen findet? Die brächten noch nicht einmal 7.000 Euro zurück und wenn, dann nur in Privattaschen. Dabei verkommt unsere Stadt innerlich wie äußerlich. Es fehlt der Steuermann. Bad Herrenalb hat einen Bürgermeister ohne Steuerung. Keine Frage mehr - so fahren wir voll gegen die Wand.

DEZ
01
Dieter Schäfer, 08:47 Uhr

Stille Hoffnung?

Man kann dem Leser „Kater Felix“ nur vollends zustimmen. Es sei denn, hier hinter steckt die stille Absicht, das Tourismusbüro in Herrenalb komplett aufzulösen. Dann okay.

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