Bad Herrenalb. In der Theologie- und Philosophiegeschichte ist auch Gott immer wieder zum Gegenstand des Beweises geworden. Immer gab es Menschen, die meinten, ihn logisch bewiesen zu haben und jene, die sie widerlegten. Das neue Programm der Evangelischen Akademie Baden, Januar bis August 2013, will nichts beweisen.Vielmehr will es dazu anregen, nachzudenken und auch das zu hinterfragen, "was in unserer Gesellschaft fraglos und bewiesen scheint".

In der Ankündigung heißt es: "Wir leben in einer Welt, in der möglichst alles mit Zahlen und Fakten hieb- und stichfest untermauert und bewiesen werden muss. Mehr noch: Jede und jeder muss sich in den unterschiedlichsten Lebenssituationen ›beweisen‹." Doch was sei alles zu beweisen? Wo seien Beweise sinnvoll, und wo würden sie haarscharf am Leben vorbeigehen? Und schließlich: Wem wolle man etwas beweisen? "Vielleicht am meisten uns selbst? Dass wir die Probleme im Griff haben? Dass wir letztlich doch die ›Macher‹ sind?" Vieles, was für das Leben bedeutungsvoll sei, lasse sich nicht beweisen. Liebe, Vertrauen und Glück lösten sich in nichts auf, wenn man sie beweisen wollte.

Die erste Tagung vom 11. bis 13. Januar in Bad Herrenalb setzt sich mit dem Titel "Seltene Erden und kritische Metalle" nicht nur mit der Frage der Versorgung der Industrie mit wichtigen Rohstoffen auseinander, sondern fragt nach globaler Gerechtigkeit, nach Umweltverträglichkeit und sozialer Entwicklung.

In Karlsruhe findet mit dem Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) die Reihe "Die kleinen Androiden. Der Maschinenmensch und die elektrische Katze" statt, die sich mit der subtilen Beeinflussung des Lebens durch Computer auseinandersetzt (März bis Juni). Ebenfalls in Karlsruhe findet eine Akademieveranstaltung zum Thema Beschneidung statt, auf der die juristischen Leitlinien und Argumentationsfelder erörtert werden sollen (7. März).

Die Tagung "Was zu beweisen wäre..." in Bad Herrenalb geht vom 8. bis 10. März der Frage nach, was "in unserer Wirklichkeit beweisbar ist und welche Qualitäten die Lebensbereiche haben, die wir als real, aber nicht objektiv beweisbar erleben". Wie in Gärten und Hinterhöfen der Gemeinsinn wächst, soll in Bad Herrenalb auf der Tagung "Guerilleros, Prinzessinnen und das Paradies" (21. bis 23. Juni) geklärt werden. Aus der Trilogie der Liebe wird der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil im Rahmen der Tagung "Die große Liebe. Annäherungsversuche" (5.bis 7. Juli) vorlesen, an deren Ende Akademiedirektor Klaus Nagorni in den Ruhestand verabschiedet wird.

Neu im Programm ist eine Sommerakademie am Bodensee für Kinder mit deren Eltern. Unter dem Titel "Das Schwein im Wolfsmaul" (29. Juli bis 4. August) soll anhand ausgewählter Kriminalfälle aus der Antike und der Bibel gemeinsam mit Juristen sowie Theologen grundlegenden Fragen für das Miteinander nachgegangen werden.

Insgesamt 30 öffentlich ausgeschriebene Tagungen und Seminare bietet die Akademie in den Bereichen Gesellschaft und Politik, Religion im Dialog, Kultur und Kommunikation sowie Spiritualität und Lebenskunst an.

Mehr zum neuen Programm gibt es im Internet unter www.ev-akademie-baden.de/hjp2013a oder unter der Telefonnummer 0721/9 17 53 61.