Alpirsbach Von Freud und Leid der Klosterschüler

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Das Klostermuseum vermittelt Einblicke in das Leben vor Jahrhunderten. Foto: Schwerer Foto: Schwarzwälder-Bote

Rund 60 Jahre ist es her, dass bei Instandsetzungsarbeiten im Kloster Alpirsbach ein spektakulärer Fund gemacht wurde.

Alpirsbach. Faszinierende Alltagsgegenstände aus sechs Jahrhunderten sind heute im Klostermuseum zu besichtigen. Über die Kloster- und Baugeschichte berichtet das Informationszentrum im Klosterkeller.

In den Hohlräumen der Gewölbekappen des östlichen Kreuzgangflügels fand man ein Sammelsurium unterschiedlichster Alltagsgegenstände, so die Staatlichen Schlösser und Gärten über den Fund vor 60 Jahren. Viele Fundstücke stammen aus dem Alltag der ehemaligen Klosterschüler. Wie und warum sie dort gebunkert wurden, ist bis heute nicht geklärt. Vielleicht wurden sie als Dämmmaterial verwendet.

Faszinierende Kleidungsstücke, Briefe, Zeichnungen, Spiele, Gefäße aus sechs Jahrhunderten sind in der Dauerausstellung "Mönche und Scholaren" im Klostermuseum anschaulich präsentiert. Freud und Leid der Klosterschüler sind aus Hausaufgaben, Briefen, Sprüchen und Zeichnungen abzulesen. So hat sich eine entrüstete Beschwerde an den Abt erhalten, in der ein Klosterschüler seinen Mitschüler "verpetzt".

Lustige Zeichnungen, die Karikaturen von heute gleichen, erwecken den Alltag der Klosterschüler von einst zu neuem Leben.

Die "Scholaren", Klosterschüler, wohnten in den ehemaligen Zellen der Mönche. Sie verzierten ihre Wände mit "Graffiti": Viele Initialen sind bisher nicht geklärt. Viele Schülernamen sind erfasst, teilweise zusammen mit Jahreszahl und Herkunftsbezeichnung wie zum Beispiel Herrenberg, Nürtingen oder Stuttgart. Dazu gibt es Zeichnungen oder Sprüche auf Lateinisch, wie den folgenden: "Wenn die launische Natur mir die schöne Gestalt verweigert, wiege ich die fehlende Schönheit einfach durch Geist auf..."

Der Fund beinhaltet zahlreiche Kacheln, Ziegel und bunt eingefärbte Glasstücke, die vermutlich aus der Klosterkirche stammen. Ein Großteil des Fundes stammt aus der Zeit der Klosterschule im 16. Jahrhundert und vermittelt ein überaus lebendiges Bild des Klosteralltags. Spannend und ungewöhnlich sind die Papier- und Pergamentfragmente: Briefe, Strafarbeiten und Zeichnungen der Klosterschüler. Ihr Erhaltungszustand ist außergewöhnlich gut, was auf die Fundsituation in den Gewölbezwickeln zurückzuführen ist.

Schuhe und Hemden, eine Männerhose und ein Wams: Die Ledersachen und Textilien, die im Klostermuseum zu sehen sind, werden von Fachleuten auf das 15. und 16. Jahrhundert datiert. Die Wissenschaftler sind von den Fundstücken besonders begeistert, weil mittelalterliche Kleidung sonst nur aus zeitgenössischen Darstellungen bekannt ist.

Beispielsweise gehört zu den erhaltenen Lederschuhen ein Paar sogenannte Bundschuhe aus der Zeit um 1490 bis 1520 – das einzige erhaltene Exemplar überhaupt.

Die Dauerausstellung mit den sensationellen Funden findet einen angemessenen Rahmen in der ehemaligen Abtswohnung im Westbau der Klausur. Nach aufwendigen Sanierungen konnte die spätmittelalterliche Ausstattung wieder hergestellt werden, und so präsentieren die hochgotischen Räume nun wieder ihre reichen Putz- und Farbdekore. Die moderne Ausstellungsarchitektur bildet heute einen spannenden Kontrast zur historischen Ausstattung.

Weitere Informationen: Öffnungszeiten sind vom 2. November bis 14. März von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 13 bis 15 Uhr. Letzter Einlass ist um 14.30 Uhr.

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