Alpirsbach Großes Herz für Waisenkinder

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Sie hat Waisenkindern geholfen und ein großartiges Lebenswerk geschaffen: Else Schwenk-Anger in Alpirsbach wird morgen, Sonntag, 80 Jahre alt. Foto: Maier Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Walter Maier

Die notleidenden Waisenkinder in Rumänien haben ihr Leben verändert. Mit ihren 80 Lebensjahren steht die Alpirsbacher Waisenkindermutter und Kinderbuchautorin Else Schwenk-Anger für ein besonderes Lebenswerk.

Alpirsbach. Else Schwenk-Anger hat etwas bewegt in ihrem Leben. Durch drei Ereignisse steht sie dieser Tage im Rampenlicht: Mit ihrem Musiktheater Apovilya, ihrem 80. Geburtstag am morgigen Sonntag und der anstehenden Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Das wird der engagierten Frau aus Alpirsbach-Ehlenbogen am Freitag, 19. Februar, um 13 Uhr im Haus des Gastes in Alpirsbach verliehen. Den Verdienstorden überreicht Landesminister Peter Friedrich. Am selben Tag wird auch "Apovilya", ein eindrucksvolle Schauspiel über das Schicksal rumänischer Waisenkinder, ab 19.30 Uhr im Kurtheater Freudenstadt aufgeführt.

Voller Tatendrang und mit humanitärem Geist hat Else Schwenk-Anger ihr Leben angepackt. Aus Krisen ging sie gestärkt hervor. "Ich habe immer viel riskiert", erzählt die Frau, die der erbärmliche Zustand der Waisenkinder in Rumänien so berührte, dass sie handeln musste: "Ich konnte mir nicht länger einfach ein schönes Leben machen."

Als die Schreckensbilder der Waisenkinder um die Welt gingen, fuhr sie an Ostern 1991 nach Rumänien. Völlig geschockt kehrte sie vom Waisenhaus in Lipova zurück. Und sagte zu ihrem Mann Werner und ihren drei Kindern Steffi (Jahrgang 1964), Eva (1967) und Axel (1970): "Hier muss geholfen werden. Ich kann nicht anders." Die zum Teil apathischen Kinder hätten in den Heimen wie in einem Gefängnis gelebt.

Hilfswerk gegründet

Mit 55 Jahren veränderte Else Schwenk-Anger ihr Leben nochmals grundlegend. Ursprünglich hatte sie immer SOS-Kinderdorfmutter werden wollen, erzählt sie. Doch es kam anders: 1964 heiratete sie den Ehlenbogener Bauunternehmer und späteren Bürgermeister Werner Schwenk. Durch ihre Arbeit in Rumänien schenkte Else Schwenk-Anger 100 Waisenkindern ein Zuhause. Mit Spendengeldern kaufte und renovierte sie in Lipova zehn Häuser, dort kümmern sich Pflegeeltern um die Kinder. Finanziert wird dies unter anderem durch ihren 1990 gegründeten Spielwarenladen Kinder-Reigen. In Rumänien gründete sie 1992 das Hilfswerk "Hora Copiilor", darüber hinaus eine Sonderschule, eine Arzt- und Zahnarztpraxis sowie ein Haus für aidskranke Kinder. Es folgten weitere Einrichtungen, vom betreuten Wohnen für Jugendliche mit Lehrlingswerkstatt über ein Therapiezentrum bis zu einem Altenheim.

Auch als Kinderbuchautorin machte sich Else Schwenk-Anger einen Namen. Zwölf Bücher hat sie geschrieben und im Eigenverlag herausgebracht. Ihr Bilderbuch "Tao der kleine Rabe", vor 45 Jahren für die eigenen Kinder entworfen, wurde mit über 70 000 Exemplaren zum Bestseller. "Eulalia" ging 50 000-mal über den Ladentisch. Mit ihrer Autobiografie "Aus meinem Leben – muss sei" von 2014 gewann sie den Biografie-Wettbewerb "Was für ein Leben" in der Kategorie "Engagement". Verfilmt wurde die Lebensgeschichte der Else Schwenk-Anger auch. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde ihr 1995 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg verliehen, im Jahr darauf wurde sie Ehrenbürgerin der Stadt Lipova.

Dinge in Bewegung halten

Auf ihre sechs Enkel Jascha, Sebastian, Lia, Tim, Mascha und Milo hält Schwenk-Anger große Stücke. "Ich habe mich in meinem Leben immer selbst verwirklichen können", sagt sie. Ihre Freiheit sei ihr immer wichtig gewesen, ihr Mann habe dies respektiert. Frei entfalten konnte Else Schwenk-Anger auch ihre künstlerische Ader. Zwischen 1970 und 1990 betrieb sie drei Kunstgewerbeläden in Alpirsbach, Loßburg und Dornstetten sowie eine Töpferei in Ehlenbogen.

Else Schwenk-Anger will die Dinge in Bewegung halten, ihre Visionen umsetzen. Geprägt hat sie, neben ihrem Glauben, die Ethik Albert Schweitzers. Mensch, Tier und Umwelt – für Schwenk-Anger ist das eins. "Diese Botschaft möchte ich auch in meinem Musiktheater Apovilya vermitteln."

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