Der Snoezelen-Raum, den die Rossentalschule nach der Renovierung 2012 einrichtete, dürfte kaum ausreichen, um die Raumnot zu beseitigen. Foto: Karina Eyrich/Eyrich, Karina

Die Schülerzahlen steigen seit Jahren unaufhaltsam – und an der Hechinger Weiherschule, der zweiten sonderpädagogischen Einrichtung des Landkreises mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, ebenfalls. Der Kreis muss etwas tun. Aber was?

Zwischen 2005 und 2016 hat die Truchtelfinger Rossentalschule immer um die 60 Schülerinnen und Schüler gehabt – meistens etwas weniger, gelegentlich mehr. Doch seit 2016 steigt die Schülerzahl kontinuierlich; im laufenden Schuljahr werden 99 Schüler unterrichtet; spätestens im kommenden Schuljahr wird die Zahl dreistellig. Laut den Prognosen des Statistischen Landesamtes für die kommenden sechs Jahre wird die Rossentalschule bei einem Klassenteiler von sechs Schülern bis 2030 auf 20 Klassen anwachsen.

Zurzeit sind es 15, theoretisch 16, doch Schulleiter Jörg Schmid versteht sich aufs Improvisieren. Für diese 15 Klassen stehen in Schulgebäude im Rossental sieben offizielle Klassenzimmer zur Verfügung. Drei Berufsschulstufen- und eine Hauptstufenklasse sind in die Walther-Groz-Schule in Ebingen ausquartiert worden; außerdem wurden hinter dem Schulhaus drei Container aufgestellt, die sowohl als Klassen- als auch als Werkräume genutzt werden können. Das Flächendefizit wird vom Schulträger, dem Landkreis, mit 1116 Quadratmetern beziffert; das entspricht der Durchschnittsgröße eines Discount-Marktes.

Mit oder ohne Erweiterungsbau?

Was tun? Die Antwort „Bauen“ liegt auf der Hand. Neben dem bestehenden Schulhaus wäre noch Platz für einen Erweiterungsbau, der eingeschossig Platz für fünf, zweigeschossig für zehn Klassenzimmer böte. Das reicht aber nicht; um den Bedarf zu decken, müsste zusätzlich auf dem Gelände des evangelischen Rossentalkindergartens, der nur noch bis 2026 bestehen wird, ein Neubau entstehen – was die Frage nahelegt, warum man dann nicht gleich Nägel mit Köpfen macht, ein großes neues Schulhaus baut und auf die Erweiterung verzichtet.

Die Jüngsten wären abgehängt

Die Antwort: aus pädagogischen Rücksichten. Jörg Schmid würde gerne die Grund- und die Hauptstufe am bisherigen Standort belassen und nur die Berufsschulstufe im Neubau unterbringen. Verzichtete der Zollernalbkreis, der Schulträger ist, auf die Erweiterung, dann bliebe nur die Grundstufe im alten Haus, und dann wären ausgerechnet die Jüngsten „abgehängt“.

Allerdings dürften derartige Überlegungen für die Entscheidung des Kreises nachrangig sein; den Ausschlag geben die Kosten. Der Ebinger Architekt Friedrich Rau klärt derzeit im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, welche Variante die günstigere wäre; im Balinger Landratsamt tippt man offensichtlich auf die zweite und liebäugelt deshalb mit ihr. Die Kosten bewegen sich zwischen elf und 19 Millionen Euro; da wird das Geld den Ausschlag geben.

Allerdings ist noch längst nicht ausgemacht, dass überhaupt im Rossental gebaut wird. Außer der Rossentalschule gibt es nämlich auch noch die Hechinger Weiherschule, die genau die gleichen Probleme hat – ihr Flächendefizit beträgt 648 Quadratmeter.

In Balingen ist noch eine Wiese frei

Der Kreis hofft, der Not kurz- und mittelfristig durch die Nutzung der ehemaligen Werkrealschule in Haigerloch-Stetten abhelfen zu können, muss sich aber noch mit der Gemeinde darüber verständigen und sieht die Lösung zudem augenscheinlich nicht als eine endgültige an. Diese könnte noch einmal anders aussehen: Südlich der Balinger Sprachheilschule wäre noch eine Wiese frei für eine dritte sonderpädagogische Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Die könnte die Weiherschule dauerhaft entlasten; sie würde auch einen Teil der Schüler aus dem Albstädter Einzugsgebiet übernehmen, etwa die Nusplinger, Obernheimer oder Tieringer. Dass sie aber einen Neubau in Albstadt selbst überflüssig machen würde, das kann sich Jörg Schmid nicht vorstellen – Pendelverkehr zwischen Winterlingen und Balingen mag er seinen Grund- und Hauptstufenschülern nicht zumuten.

Im übrigen verweist er auf die steigenden Zahlen: 120 Schüler im Jahre 2030 – das werde nicht ohne Neubau gehen. Doch schon in der Zwischenzeit wird die Rossentalschule wachsen; fürs nächste Schuljahr rechnet Schmid mit 18 Klassen. Wo er die unterbringen soll? Er hat noch überhaupt keine Ahnung.