Von Martin Kistner

Albstadt. Schöne Bescherung: Die Abwassergebühren steigen 2013, und zwar nicht unerheblich. Der Hauptgrund dafür sind höhere Personalkosten, die gemäß Gemeinderatsbeschluss vom Juni 2010 zu 100 Prozent durch die Gebühren gedeckt werden müssen.

Die Einführung der gesplitteten Abwassergebühr hat allen Gemeinden im Land beträchtlichen Verwaltungsaufwand beschert: Es mussten Daten über den Versiegelungsgrad aller überbauten Grundstücke erhoben werden, auf der Grundlage dieser Daten ergingen Gebührenbescheide, und diese Bescheide zogen, wie bei dieser Materie nicht anders zu erwarten war, jede Menge Widersprüche – 1150 an der Zahl – nach sich: Die Hauseigentümer nahmen Anstoß an der Einstufung ihrer Flächen; sie warfen der Stadt entweder eine Fehlinterpretation der erhobenen Daten vor – wandert das Niederschlagswasser von Dach und Zufahrt in eine Versickerungsmulde oder in den Kanal? – oder revidierten ihre Angaben und machten neue. Das hielt die Verwaltung auf Trab, und zwar so intensiv, dass sie Personal einstellen musste: Anfang 2012 schuf sie eine 75-Prozentstelle und eine befristete 50-Prozent-Stelle; im September kam noch eine volle Technikerstelle hinzu.

Die Doppik macht Schluss mit Geschenken

Das war aber noch nicht alles. Die Stadt Albstadt vollzog nämlich just im Jahr 2011 den Wechsel von der kameralistischen zur doppischen Haushaltsführung, und damit änderte sich auch die Berechnung des Kostenaufwands für die Erhebung der Abwassergebühren: Die Mitarbeit des Tiefbauamts war bei dieser bisher nie berücksichtigt worden, weil der gesamte Personalaufwand der Tiefbauabteilung unter der Rubrik Tiefbau verbucht und überhaupt nicht in Rechnung gestellt wurde. Schön für den Abwassergebührenzahler: Er bekam etwas umsonst. Aber das ist vorbei – die Doppik macht die Kosten transparent, und so findet künftig auch der Leistungsbeitrag des Tiefbaus Eingang in die Kalkulation.

Dritter Schlag ins Kontor des Verbrauchers: die Beschlüsse zur Haushaltskonsolidierung vom Sommer 2010. Zu denen gehörte unter anderem auch der Vorsatz, in Zukunft kostendeckende Abwassergebühren zu erheben – da die gesplittete Abwassergebühr damals noch nicht eingeführt war, konnte man freilich noch nicht so genau wissen, was das hieß. Jetzt sieht man klarer.

Gemäß dem damaligen Beschluss müssen sogenannte Unterdeckungen beglichen werden, und diese Unterdeckungen sind in den Jahren 2010 und vor allem 2011 hoch. Die Kompensation ist es ebenfalls: Um 30 Cent pro Kubikmeter, von 1,93 auf 2,23 Euro, steigt im kommenden Jahr die Schmutzwassergebühr, und von diesen 30 Cent sind 19, also fast zwei Drittel, der Unterdeckung geschuldet.

Die Niederschlagswassergebühr steigt zwar nur um drei Cent – von 41 auf 44 – aber sie würde ohne die Jahre 2010 und 2011 sogar sinken: Sechs Cent pro Kubikmeter beträgt die Kompensationszahlung.

Der Gemeinderat, der diesen Erhöhungen in seiner jüngsten Sitzung seinen Segen gab, hat bei dieser Gelegenheit auch die Spielregeln des Zählereinbaus modifiziert. Wer Niederschlagswasser aus Zisternen als Brauchwasser nutzt, kann sich das anrechnen lassen, aber er muss das Wasser zählen – und dafür einen Zähler von den Albstadtwerken einbauen lassen. In einigen Fällen war es aber technisch nicht möglich, einen gemeindeeigenen Zähler einzubauen, und weil ein ökologisch sinnvolles Projekt daran nicht scheitern soll, dürfen künftig auch eigene Zähler – womöglich kleinere und platzsparendere – eingebaut werden. Die Zählergebühren werden in diesen Fällen neu kalkuliert.