Haben es schon getan: Sowohl Stuttgarts Ex-Ob Wolfgang Schuster (links) als auch Schorndorfs OB Matthias Klopfer (Mitte) oder Schultes Altenberger (rechtes Bild links), Gemeinderat Kirgis zeigten sich in Badehosen. Foto: StN, Kraufmann,

Ganz Fellbach fiebert dem Top-Ereignis des Herbsts entgegen – der Eröffnung des neuen Kombibads der Superlative. Am übernächsten Wochenende dürfen die Riesenrutschen erstmals benutzt werden. Anders als sonst bei derartigen Events verweigert der OB allerdings den spektakulären Premierenköpfer.

Fellbach - Ein Schultes hat es heutzutage auch nicht gerade leicht. Früher hielten die Adligen sich Hofnarren, um dem faden Regierungsalltag etwas Würze zu verleihen. Mittlerweile geht’s in die Gegenrichtung: Wer als Rathausfürst punkten will, sollte bei sich bietender Gelegenheit den Kasper machen, um nicht im nächsten Wahlgang vom Thron katapultiert zu werden. Mal setzt sich der Bürgermeister dann zum Beweis seiner kulturellen Fingerfertigkeit an die Orgel, mal gibt er an Fasching den Büttenredner.

Besonders willkommene Ereignisse, sich in Szene zu setzen, sind Einweihungen –speziell von neuen Badeanstalten. Immer wieder nutzen Lokalhonoratioren die Gelegenheit, mit stolz geschwellter Brust (und eingezogenen Bäuchen) als erste in die Fluten zu tauchen. Bereits im Mai 2001 erklärte Stuttgarts damaliger Oberbürgermeister Wolfgang Schuster die Wiedereröffnung des renovierten Inselbads in Untertürkheim zur Chefsache und stürzte eine der beiden neuen Wasserrutschen hinab. In Schorndorf wagte OB Matthias Klopfer im März 2008 einen gelungenen Rückwärtssalto vom Dreimeterturm. Im vergangenen Dezember paddelte Frank ‚Nopper im rotweißen Ringelbadeanzug samt Rettungsring durch die Murrbäder Backnang Wonnemar. Im März dieses Jahres wiederum waren es blauweiße Streifen, in denen Schultes Stefan Altenberger und die Gemeinderäte ins Becken des Hallenbads in Kernen-Rommelshausen sprangen.

Palm redet von neuer Ära des Badens

Am 14. (für die Ehrengäste) beziehungsweise 15. September (für die Allgemeinheit, ab 10 Uhr) folgt nun die nächste Chance: das neue kombinierte Hallen- und Freibad F.3 wird eröffnet – der Name ist eine Abkürzung für Fellbacher Familien und Freizeitbad. 28 Monate wurde an dem mit einem Auftragsvolumen von knapp 40 Millionen Euro größten jemals getätigten Bauvorhaben der Kappelbergstadt gewerkelt. Nun, verkündet Stadtoberhaupt Christoph Palm voller Enthusiasmus, beginnt eine neue Ära des öffentlichen Badens. „Die ganze Region wird dann nach Fellbach blicken, wird das F.3 doch das modernste Erlebnisbad im weiteren Umkreis sein.“ Entstanden sei „etwas ganz Besonderes – eine Freizeitoase mit bemerkenswerter Architektur und interessanter Farbgebung“. Wer es rasant haben möchte, kann im Turbo-Looping, auf Reifen im Aqua-Racer oder in der Röhrenrutsche den besonderen Kitzel erleben.

„Eine Einlage von mir zur Eröffnung des Kombibads ist nicht vorgesehen“, sagt der Fellbacher OB Christoph Palm. Foto: StN

Beste Gelegenheit also, in die Kapsel zu steigen und sich im freien Fall ins Looping-Vergnügen zu stürzen – oder wenigstens als erster durch die Fluten des Sportbeckens zu kraulen. Die Amtsbrüder Schuster, Klopfer, Altenberger und Nopper sind schließlich beste Vorbilder. Doch klarer Fall von Denkste. Bereits am Rande des Rems-Murr-Sommerempfangs betonte Palm, dass er eine derartige Einlage fürs Publikum nicht vorhabe. Vergeblich sollen zuletzt Fellbacher Bürger und Lokalpolitiker appelliert haben: „Christoph, pack die Badehose ein!“ Das zumindest offenbarte jüngst ein Gemeinderat, der nicht genannt sein möchte.

Damen sollen „bitte keine Schuhe mit Pfennigabsätzen“ tragen

Palms Verweigerung verwundert freilich insofern ein wenig, als er bisher doch für manchen Schabernack zu haben war. Etwa als Staffelläufer einer Rathaus-Mannschaft beim Schmidener 24-Stunden-Lauf, im Maikäferkostüm beim Rathaussturm des Karnevalvereins oder als Frühstückszubereiter für Partygänger am Morgen nach dem Fellbacher-Hopf. „Meine Eier“, witzelte Palm seinerzeit, „sind die Besten.“

Beim F.3 allerdings will der OB offenkundig seriös bleiben. Stattdessen wird er bei der feierlichen Eröffnung entsprechend der Empfehlung auf der Einladungskarte erscheinen. Als „Dress Code“ ist „angemessene Freizeitkleidung (Smart Casual)“ angesagt – und der Rat speziell an die Damen: „Bitte keine Schuhe mit Pfennigabsätzen.“

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