Kathrin Grieble, Michelle Wäschle und ihr Team ließen beim Zunftball die Puppen tanzen. Foto: Katja Weiger

Jede Menge Fasnetsspaß zur besten Nusplinger Sendezeit war am Samstagabend geboten – beim Bunten Abend der Narrenzunft Tannenburg blieb kein Auge trocken. Zumal große Prominenz sich ein Stelldichein gab und schöne Erinnerungen weckte.

Eine schöne Nusplinger Tradition: Jeder Bunte Abend hat ein Motto, nach dem die Gäste mit viel Liebe und Einfallsreichtum ihre Kostüme gestalten. Diesmal lautete es: „Früher war alles besser!“ – eine Aufforderung, in Erinnerungen zu schwelgen, der Nusplingens närrisches Volk bereitwillig nachkam. Da wurden Fußball-Reminiszenzen an Nusplinger Nachtwerk-Zeiten in Szene gesetzt, mondäne Hofdamen, Aerobic-Stars und edle Ritter gaben sich die Ehre.

 

Kein Wunder also, dass zu Beginn des Abends die Euroversionsmelodie aus den Boxen dröhnte – zur besten Sendezeit! Mit Hilfe von Laurin „Gottschalk“ Butz, Dennis „Jauch“ Ullmann und Kathrin „Schöneberger“ Grieble feierten nach der Begrüßung durch den stellvertretenden Zunftmeister Roland Horn die legendären Showsamstage mit Erdnussflips und Schnittchen Auferstehung in der Nusplinger Narrhalla. Kleiner Insidertipp: Allein die Samtschuhe des Nusplinger Gottschalks waren den Besuch wert; sie standen den textilen Eskapaden des wortgewaltigen TV-Urgesteins in nichts nach.

Der Hannes muss wie mal dran glauben

Doch kein bunter Abend ohne Nusplinger Brauchtum. Auch diesmal hatte der Westerbergteufel kein Einsehen mit dem bedauernswerten Hannes und riss den armen Bergbauern erbarmungslos in den Abgrund, sobald die 30 Jahre um waren. Was im Programm eher intransparent als „sportlicher Auftritt“ angekündigt war, erwies sich als Megaspaß fürs Publikum: Kathrin Grieble, Michelle Wäschle und ihr Team ließen zu „Baywatch“, „YMCA“ und „Macarena“ die Puppen tanzen.

Beim Debüt in der Bütt dreht sich alles um Hängebauchschweine und Finderlohn

Nicht minder vergnüglich: der Auftritt von Raphael „Raphi“ Klaiber, der in der „großen“ Bütt sein Debüt gab. Er berichtete freimütig von heimischen Hängebauchschweinen, Friseuren, die offenbar Finderlohn verlangen, und einem berühmten „Karnevalsverein“ ohne eigenen Programmpunkt. Danach zappte sich die närrische Tagesschau wild durch die Kanäle, höchst unterhaltsam ging es quer durch die Parteien-, Show- und Sportlandschaft, und Gottschalk und Jauch plauderten mit messerscharfer Zunge über ministerliche Ziegen, genügsame Profisportler, Schokoweihnachtsmänner mit fragwürdiger politischer Gesinnung und gesenkte Betriebstemperaturen in der Hölle.

Für Stimmung in der Narrhalla ist der von Sandra Klaiber geleitete Fanfarenzug Garant – kein Wunder, dass die Besucher nach kürzester Zeit auf den Stühlen standen und begeistert mitklatschten.

Wellness-Masken sind durchaus essbar

Was wäre ein bunter Abend in Nusplingen ohne die obligatorischen Marschtänze? Die mittlere und die große Garde setzten schwungvolle Glanzpunkte. Zum krönenden Abschluss betrat ein Urgestein der Nusplinger Fasnet die Bühne: Roland „Zewe“ Horn, der sich 2020 fulminant verabschiedet hatte, gab dem winzigen Comeback des vergangenen Jahres jetzt ein großes. Verlernt hat er nichts: Munter ging er mit den kleinen menschlichen Verfehlungen des Ortsgeschehens ins Gericht, berichtete augenzwinkernd von den Versuchen des Fanfarenzugs, die Fasnet zu verlängern, von Kirchenglocken, die zu ungewöhnlicher Stunde läuten, von aufgegessenen Wellness-Gesichtsmasken und von einem schnarchenden Wildschwein, das keines war.

Traditionsgemäß endete das Programm mit einer Schunkelrunde und dem Klassiker: „So ein Tag, so wunderschön wie heute…“ – alle stimmten mit ein.