Margarete Ott in ihrem geliebten Laden auf dem Lemberg. Bis kurz vor ihrem Tod stand sie noch hinter dem Verkaufstresen. Foto: Ott

Generationen von Schülern kannten sie: Margarete Ott. Ihr kleiner Laden auf dem Lemberg war schon immer kult. Doch nun hat er geschlossen. Margarete Ott ist im Alter von 84 Jahren gestorben.

59 Jahre lang war sie da für ihre Kunden, für die vielen Schüler auf dem Lemberg, für die Lehrer, und natürlich für die ganze Nachbarschaft. Der Laden von Margarete Ott war aus einer anderen Zeit, und gerade deswegen auch heute noch so beliebt.

 

Ein klassischer „Tante-Emma-Laden“ eben, der einst 1961 eröffnet wurde, um Nagolds größtes Wohngebiet, den Lemberg mit frischen Backwaren und Lebensmitteln zu versorgen.

Und das tat Margarete Ott dann auch – tagaus, tagein. Jeden morgen ab 6 Uhr. Bis kurz vor ihrem Tod. „Ihr Laden war das wichtigste“, erinnern sich die Söhne Jürgen Ott und Klaus Müller. Deswegen wurde es auch nie etwas mit einem ordentlichen Ruhestand für sie und ihren Mann Eugen. „Ich muss doch meine Leute versorgen“, habe sie immer gesagt.

„Es macht immer noch Spaß“

Bereitst 1961 arbeitete sie als Angestellte in dem Laden, den sie schließlich drei Jahre später übernahm. „Es macht immer noch Spaß“, sagte sie auch einmal zum Autor dieses Nachrufs. Der kleine Laden gleich nach der große Kurve mitten auf dem Lemberg – das war ihr Leben. „Das zweite Wohnzimmer“, erzählen die Söhne. Der Laden, die Kunden, ihre Passion.

Margarete Ott war so viel mehr als „nur“ eine Händlerin. Sie war eine herzensgute Seele, hatte immer ein Lächeln im Gesicht. Und sie fand so oft die richtigen, freundlichen Worte.

Die Kunden waren fester Bestandteil ihre Lebens, und Margarete Ott auch fester Bestandteil des Lebens vieler „Lemberger“ aus ganz unterschiedlichen Schichten und Generationen. Unzählige Kindheitserinnerungen dürften auch den Besuch in diesem kleinen Laden an der Hohenberger Straße beinhalten, an diese humorvolle Frau und ihre pragmatische, zupackende Art. Gute Gespräche waren ihr wichtig, ein offenes Ohr zu haben, für alle. „Gerne hat sie auch einen Rat oder tröstende Worte mit auf den Weg gegeben“, wissen ihre „Jungs“ zu berichten.

Eine Ehrung fürs Lebenswerk

Die Otts wurden von vielen geschätzt. Und „Oma Bäcker“ letztlich sogar ganz offiziell geehrt, für ihr Lebenswerk. Nagolds Christiane-Herzog-Realschule übergab Margarete Ott im Sommer 2023 für ihre jahrelange Treue und ihr Engagement für die gesamte Schulgemeinschaft einen Ehrenpreis. Da gab es Standing Ovations in der Stadthalle. „Das war für sie die allerhöchste Auszeichnung, die man nur bekommen kann. Das hat sie immer und immer wieder erwähnt und unendlich mit Stolz erfüllt“, berichten ihre Söhne.

Am 18. Dezember 2023 erkrankte Margarete Ott dann sehr plötzlich. Und erst da beschloss sie schweren Herzens ihr Geschäft zum Ende des Jahres 2023 zu schließen. Kurz darauf, am 1. Januar 2024 ist Margarete Ott nach kurzer schwerer Krankheit verstorben. Den Söhnen ist es wichtig, sich bei den vielen Kunden für deren Treue und Unterstützung zu bedanken. Ihr wäre das wohl auch wichtig gewesen. Die Söhne sind überzeugt: „Sie alle hatten einen wichtigen Platz in ihrem Leben.“ Und den hat Margarete Ott auch – in den Erinnerungen unzähliger Nagolder.