Der ukrainische Botscher in Deutschland, Andrej Melnyk, wird abberufen. Foto: dpa/Michael Kappeler

Ohne Botschafter Andrej Melnyk kann das Verhältnis von Deutschland zur Ukraine eine neue Basis finden, kommentiert Rafael Binkowski.

Undiplomat, oberster Waffenlobbyist, Talkshow-Dauergast – Andrej Melnyk hat viele Rollen gespielt seit dem Kriegsausbruch am 24. Februar. Aus dem distinguierten ukrainischen Botschafter mit Einstecktuch wurde ein Politiker, der durch geschickte PR und Grenzüberschreitungen Deutschlands Zurückhaltung bei Sanktionen und Waffenlieferungen aufgebrochen hat. Doch je mehr er sich selbst in der Rolle des Agent Provocateur gefiel, desto mehr schadete er seinem Land. Zuletzt verstieg sich Melnyk sogar dazu, die Ermordung von Juden durch den Nationalisten Stepan Bandera zu relativieren – das ist unentschuldbar.

 

Deutschland ist einer der wichtigsten Unterstützer Kiews

So wurde der laute und schrille Botschafter für das deutsch-ukrainische Verhältnis zur Belastung. Insofern ist seine Abberufung richtig, vermutlich wird er bald zum Vizeaußenminister wegbefördert. Nun kann das angespannte Verhältnis zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz und Wolodymyr Selenskyj neu aufgestellt werden, denn de facto ist Deutschland inzwischen einer der wichtigsten Unterstützer Kiews. Einigkeit statt persönliche Befindlichkeit ist dringend nötig – denn von Streit profitiert letztlich nur der russische Präsident Wladimir Putin.