Wolfgang Schäuble (†) hat als CDU-Mann die Politik in Deutschland maßgeblich geprägt – darin sind sich Politiker über alle Parteigrenzen einig. Foto: dpa/Marijan Murat

Niemand war so lange Bundestagsabgeordneter wie er: Mit Wolfgang Schäuble verliert Deutschland einen Vollblutpolitiker.

– Großer Staatsmann, scharfer Denker, prägende Persönlichkeit: die Reaktionen auf den Tod von Wolfgang Schäuble lassen erkennen, wie sehr der CDU-Politiker Deutschland beeinflusst hat. Über die Parteigrenzen hinweg zeigen sich viele Politiker betroffen, so auch Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne): „In einer Zeit, in der der spalterische Populismus unsere Gesellschaft angreift wie lange nicht, verlieren wir mit Wolfgang Schäuble einen leidenschaftlichen, streitbaren, fairen und immer glühenden Verteidiger unserer parlamentarischen Demokratie.“ Özdemir erinnerte an eine gemeinsame Diskussion mit Schäuble bei „Anne Will“ im Jahr 2017: „Dieses Aufeinandertreffen mit Respekt, Leidenschaft und sogar Verständnis ist mir bis heute in allerbester Erinnerung.“

 

„Ich verliere mit Wolfgang Schäuble meinen engsten Freund und Ratgeber, den ich in der Politik je hatte“, schrieb CDU-Chef Friedrich Merz auf der Plattform X, vormals Twitter. Auch Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich bestürzt. Sie würdigte Schäuble „als Architekten der Deutschen Einheit“. Die Bundestagsvizepräsidentin Yvonne Magwas (CDU) sagte unserer Zeitung: „Wolfgang Schäuble hat unsere Demokratie geprägt.“ Auch Politiker anderer Parteien äußerten ihr Mitgefühl – darunter der Bundeskanzler. „Sein Intellekt, seine Freude an der demokratischen Auseinandersetzung, sein konservatives Weltbild und seine rhetorische Schärfe zeichneten ihn in all dieser Zeit ganz besonders aus“, erklärte Olaf Scholz (SPD). Wirtschaftsstaatssekretärin Franziska Brantner (Grüne) sagte: „Dieses Land hat heute einen seiner größten Demokraten und Europäer verloren.“ Auch Finanzstaatssekretär Florian Toncar (FDP) sprach Schäuble seinen tiefsten Respekt aus. „Vor allem seine Willenskraft, aber auch analytische Klarheit und sein Humor haben ihn ausgezeichnet.“

Politiker der Linken, denen Schäuble stets fernstand, fanden Worte des Respekts für ihn. Der ehemalige Parteichef Bernd Riexinger sagte: „Wolfgang Schäuble war ohne Zweifel über Jahrzehnte hinweg einer der mächtigsten Politiker der CDU.“ Er habe hart sein können, sei in den letzten Jahren altersmilder geworden und habe mit zum Teil überraschend toleranten Positionen auf sich aufmerksam gemacht. „Politiker seines Schlags sind selten geworden.“

Aus der AfD äußerten sich die Bundeschefs Alice Weidel und Tino Chrupalla. In einer kurzen Erklärung würdigten sie Schäuble als „engagierten und streitbaren Parlamentarier“.

Mit Schäubles Tod ist sein Platz im Bundestag frei geworden. Die Regeln besagen, dass für den verstorbenen Abgeordneten der nächste Kandidat der Landesliste zum Zuge kommt. Da die vor Kaufmann auf der CDU-Liste platzierten Kandidaten, unter anderem Annette Widmann-Mauz und Steffen Bilger, bereits Mitglied des Bundestages sind, ist Kaufmann auf der ersten Nachrückerposition.