Der mit einem Wohnwagen zugeparkte Blitzer in Rottweil macht bundesweit Schlagzeilen und sorgt in den sozialen Medien für jede Menge Debatten. Foto: Screenshots Instagram/Otto, Foto: Siegmeier/Montage: Kieninger

Wer hätte gedacht, dass es Rottweil einmal mit einem Blitzer und einem Wohnwagen bundesweit in die Schlagzeilen schafft? Der Fall in der Heerstraße sorgt weiter für Aufsehen – es hagelt aber auch viel Kritik. Und sogar Rottweiler Hunde kommen ins Spiel.

Ob ZDF oder RTL, ob Südwestrundfunk oder Sächsische Zeitung – überall wird seit Tagen über Rottweil berichtet. Aber diesmal eben nicht etwa wegen des Testturms oder des JVA-Neubaus, sondern wegen eines Wohnwagens – der derzeit wohl prominenteste Wohnwagen im Land.

 

Mit eben diesem hatte Dieter E. Albrecht einen Blitzer an der Heerstraße zugeparkt. Im Internet wurde er dafür von vielen Autofahrern gefeiert. Von „Bundesverdienstkreuz“ bis „Alles richtig gemacht“ reichten die Kommentare. Nach unserer Berichterstattung meldete sich die Deutsche Presseagentur bei uns, um den kuriosen Fall aufzugreifen, seither zieht das Thema Kreise.

Als Quiz bei SWR

Der SWR hat den Fall sogar auf seinen Social Media Plattformen in ein Quiz verpackt. Was droht dem Autofahrer? Die von vielen wohl ins Auge gefasste Antwort „Geldstrafe“ oder auch die Lösung „Anhänger wird abgeschleppt“ ist in dem Fall falsch. Dass Albrecht nämlich gar nicht zu belangen ist, erstaunt viele. Er hat auf einem normalen Parkplatz am Straßenrand geparkt – Pech eben für den städtischen Blitzer.

Tempolimit rettet Leben

Viele kritische Stimmen

Mit der großen Reichweite mehren sich allerdings auch die kritischen Stimmen. Einen Blitzer zuzuparken, das finden viele nämlich absolut nicht witzig. Allein bei „ZDF Heute“ wird der Fall auf Instagram mehr als 48 000 Mal geliked und in mehr als 700 Kommentaren zerpflückt – und es wird von vielen Usern betont, dass Geschwindigkeitskontrollen eben durchaus ihren Sinn haben. Im Zweifelsfall, so heißt es, könnten zehn Stundenkilometer mehr oder weniger über Leben und Tod entscheiden. Und viele Autofahrer seien eben nur durch erzieherische Maßnahmen dazu zu bewegen, die Geschwindigkeit einzuhalten.

Eine Nutzerin beschreibt, wie ihre 12-jährige Tochter einen Fahrradunfall in der 30er-Zone nur überlebt habe, weil ein Autofahrer langsam unterwegs war. Ein anderer meint, dass bei keinem Delikt so wenig Unrechtsbewusstsein herrsche wie im Straßenverkehr. „Während wir Schwarzfahrer in den Knast stecken, werden diese Menschen noch als Helden betitelt.

Für viele bleibt es Abzocke

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So oder so: Für manche sind derartige Kontrollen nach wie vor einfach „Abzocke“ und dafür, dass das ZDF diese Nachricht des Schwarzwälder Boten aufgegriffen habe, lohne sich „endlich mal die GEZ-Gebühr“.

Immerhin ist auch ein kleiner Werbeeffekt für Rottweil bei dem ganzen Wirbel inbegriffen. Verbunden mit erstaunlichen Erkenntnissen für den ein oder anderen. So wird tatsächlich darüber debattiert, wie lustig es doch ist, dass Menschen aus Rottweil tatsächlich „Rottweiler“ genannt werden. Und was denn nun zuerst da war, die Stadt (in der Tat) oder der Hund?

Werbung für Rottweil

Einige wissen auf jeden Fall zu berichten, dass sich ein Besuch in Rottweil durchaus lohnt. „Ist wirklich schön da, ich war schon dort.“ Besucher sollten sich aber im Klaren sein, dass es in der ältesten Stadt Baden-Württembergs durchaus auch „scharfe“ und keineswegs zugeparkte Blitzer gibt. In der Regel, so hatte die Stadt betont, werde der Blitzeranhänger so aufgestellt, dass er nicht durch parkende Fahrzeuge behindert werden kann.

Erster Blitzer 1959

Ach übrigens: „Vor 66 Jahren hätte es diesen Vorfall gar nicht erst gegeben“, schreibt das ZDF auf seiner Instagram-Plattform. Der erste Blitzer sei nämlich erst im Februar 1959 zum Einsatz gekommen, ein Telefunken Verkehrsradargerät VGR2. Und die Wohnwagendichte, so darf vermutet werden, war damals auch nicht so hoch.