Für Emma Weiß ist der Frühling eine Zeit der Erholung und Reflexion. Die 24-jährige Ski-Freestylerin nimmt aktuell in der Albstädter Heimat Abstand von den Strapazen einer langen Saison. Doch schon jetzt richtet sich ihr Blick auf den kommenden Winter, die WM in St. Moritz – und die Olympischen Spiele 2026.
Mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ erlebt Emma Weiß dieser Tage die erste Phase nach Ende der Wintersaison 2023/24. „Es ist immer schade, wenn eine Saison vorbei ist. Und es ist auch immer so, dass es noch Dinge gibt, an denen man gerne weitergearbeitet hätte. Aber es war auch ein sehr langer Winter mit vielen Reisen. Ein Reset jetzt wird mir guttun, damit ich mit frischer Energie in den Sommer starten kann“, gibt die 24-Jährige einen Einblick in ihrer Gefühlswelt.
Erst Albstadt, dann Mallorca
Diesen „Reset“ erlebt Weiß gerade in der Heimat. Im Vergleich zum phasenweise zermürbenden Weltcup-Alltag lässt sie es gerade zwar entspannter angehen – „aber ich trainiere zurzeit noch mehr oder weniger normal weiter“, erzählt sie. Krafttraining, Osteopathie, Ballett – Entspannung pur sieht anders aus. Das wird jedoch bald nachgeholt: „Ich bin jetzt noch knapp zwei Wochen zuhause und dann fahre ich für vier Wochen in den Urlaub.“ Und wohin geht die Reise? „Ein Mallorca-Roadtrip“, verrät die Albstädterin. Knapp einen Monat lang will sie auf der spanischen Insel ihren Akku aufladen – bevor es dann schon bald wieder ernst wird.
WM in St. Moritz erst spät in der Saison
Im Sommer stehen für Emma Weiß und ihre Aerials-Kolleginnen Trainingssprünge auf einer Wasserschanze an. In der Schweiz wird sich die 24-Jährige auf die Aufgaben des kommenden Winters – allen voran die Weltmeisterschaften in St. Moritz – vorbereiten. Eine solche Saison, in der ein Großevent ansteht, hat ihren ganz eigenen Charme, aber auch ihre ganz eigenen Herausforderungen. „In so einem Jahr achtet man schon darauf, dass man über den Winter hinweg auf ein gewisses Schwierigkeitslevel bei den Sprüngen kommt.“ Auch das Thema Fitness könnte entscheidend werden. Die WM 2023 in Georgen fand noch Anfang Februar statt – die Wettkämpfe in St. Moritz werden erst Mitte bis Ende März über die Bühne gehen. Zu einem so späten Zeitpunkt der Saison das höchstmögliche Level zu erreichen, ist gar nicht so einfach. „Hoffentlich haben wir im Laufe des Winters die ein oder andere Erholungsphase. Aber da sind wir natürlich vom Weltcup-Kalender abhängig“, denkt Weiß schon ins nächste Jahr voraus.
Zeit für Reflexion
Auch wenn sich der Blick schon jetzt wieder auf die kommende Saison richtet, ist der Frühling für Emma Weiß auch eine Zeit für Reflexion. „Was ist gut gelaufen? Was ist vielleicht auch nicht so gut gelaufen? Was kann ich lernen? Wie kann ich in bestimmten Situationen anders reagieren? Diese Fragen stelle ich mir im Urlaub und generell im Sommer“, erzählt Weiß. Gerade nach einer besonders lehrreichen Saison mit einigen ungewöhnlichen Situationen – beispielsweise das Nebel-Chaos und die damit verbundene Wettkampfabsage beim letzten Weltcup in Kasachstan – geht Emma Weiß während des Sommers in sich.
Olympia am Horizont
Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo liegen zwar noch fast zwei Jahre in der Zukunft, doch wie Emma Weiß zu sagen pflegt: „Nach den Spielen ist vor den Spielen.“ Weiß konnte 2022 in Peking erstmals Olympia-Luft schnuppern. Für die damals 22-Jährige sprang dabei der 20. Platz heraus. Im Februar 2026 will sie in Italien ein gutes Stück weiter oben mitmischen. Doch inwiefern können Weiß und ihr Trainer Michel Roth schon jetzt darauf hinarbeiten, dass die Freestylerin an einem Stichtag in fast zwei Jahren auf der Höhe ihres Schaffens ist? „Natürlich hat man seinen Plan, beispielsweise gewisse Sprünge, die zu bestimmten Zeitpunkten bereit sein sollen. Aber wenn ich eines gelernt habe in den letzten Jahren, dann dass solche Pläne selten aufgehen“, bleibt Weiß realistisch. Das Wetter, die körperliche und psychische Verfassung, die Jury – der Erfolg an einem Wettkampftag hat immer auch viel mit Glück zu tun.
Gesund und verletzungsfrei
Doch zurück in die Gegenwart. Die Winterspiele und die anstehende WM sind natürlich schon jetzt prominent in Emma Weiß’ Hinterkopf vertreten, sind Stand jetzt aber noch Zukunftsmusik. „Ich bin froh, dass ich gesund und verletzungsfrei durch die Saison gekommen bin“, ist die 24-Jährige dankbar für die Erfahrungen der vergangenen Monate. Nun genießt sie ihre Zeit in der Heimat, freut sich auf die Mallorca-Rundreise – und wappnet sich körperlich und mental auf einen neuen Angriff in der kommenden Saison.