Platz 14 ist der krönende Abschluss für Andreas Katz. Foto: Schmidt

Olympia: Skilangläufer Andreas Katz beendet 50 Kilometer-Klassikrennen auf unerwartetem 14. Platz. Mit Umfrage

Viele Erfolge haben die Skisportler des SV Baiersbronn bereits gefeiert. Der 14. Platz des Skilangläufers Andreas Katz bei den Olympischen Spielen in der Königsdisziplin 50 Kilometer klassisch wird aber in den Annalen wohl einen besonderen Platz einnehmen.

"Gib niemals auf und kämpfe weiter. Leidenschaft siegt." Seinen Wahlspruch optimal umgesetzt hat der 30-Jährige bei seinem vierten Auftritt in den Loipen von Pyeongchang mit einer Leistung, die ihm vor allem nach seinem Auftritt als Startläufer der deutschen Staffel kaum noch jemand zugetraut hätte. Von vielen danach als Versager abgestempelt, kämpfte er über die gesamte Distanz bis zur völligen Erschöpfung und musste beim Verlassen des Zielraums von zwei deutschen Betreuern gestützt werden. Sein Kommentar, als er wieder einiger maßen bei Atem war: "Das ganze ist einfach schweinehart, die Königsdisziplin. Ich freue mich nun auf ein Weißbier und das Bett."

Dabei heimste der Baiersbronner auch ein Extralob vom Sportlichen Leiter Andreas Schlütter ein, der Andreas Katz attestierte, von Anfang an mutig voll auf Angriff gelaufen zu sein. Zusammen mit dem später entkräftet ausgeschiedenen Jonas Dobler hielt sich Andreas Katz trotz eines Sturzes in der ersten Stadionpassage nach einem Zusammenstoß mit Alexej Poltoranin in einer 20-köpfigen Spitzengruppe und passierte die Zwischenzeit bei 12,5 Kilometern auf dem achten Platz praktisch zeitgleich mit den zu diesen Zeitpunkt führenden Alexej Chervotkin.

Folgenschwerer als der erste Strauchler sollte sich ein weiterer Sturz in einem Anstieg erwiesen. Katz rappelte sich zwar schnell wieder auf, hatte aber den Kontakt zu der Gruppe erst einmal verloren und musste sich ohne Windschatten mühsam wieder nach vorne kämpfen. Und das kurz vor dem ersten Skiwechsel und der damit eingeläuteten entscheidenden Phase, in der der spätere Sieger Iivo Niskanen, zunächst begleitet vom Klassikspezialisten Alexej Poltoranin, Druck machte und sich vom Verfolgerfeld löste.

Dahinter war Andreas Katz zunächst auf den 22. Platz zurückgefallen, kämpfte sich in der Folge bei einsetzendem leichten Schneefall aber wieder nach vorne und biss sich in einer Gruppe mit Dobler und sieben weiteren Läufern fest, die um die Positionen 13 bis 20 kämpften. Als 17. wurde er nach 30 Kilometern gelistet, auf Platz 15 lag er zehn Kilometer vor dem Ziel. Auf der letzten Abfahrt überholte er nach einem zweiten Skiwechsel auch noch den völlig entkräfteten Alexej Poltoranin und passierte knapp hinter dem Norweger Niklas Dyrhaug nach 2:13.32,3 Stunden die Ziellinie. Damit war er als klar bester deutscher Läiufer auch nur etwas weniger als 50 Sekunden hinter Dario Cologna. Schaut man auf die Zeitabstände, wäre ohne den zweiten Sturz sogar ein Platz unter den ersten Acht vermutlich machbar gewesen.

Kommentar

Löwenherz

von Arno Schade

Riesengroßen Respekt und Hut ab vor der Leistung von Andreas Katz bei seinem letzten Rennen in Pyeongchang. Nach den Plätzen 35 und 25 in den Einzelwettbewerben und einem verkorksten Auftritt beim sechsten Rang der deutschen Staffel endete das olympische Abenteuer mit seinem stärksten internationalen Rennen überhaupt. Bezeichnend für Andreas Katz, dass er sich auch von zwei Stürzen nicht aus der Bahn werfen ließ: Das Spiegelbild einer Karriere, in deren Verlauf der 30-Jährige viele Rückschläge einstecken musste und auch in Südkorea noch durch eine Schulterverletzung gehandicapt war.

Mit der "Rennkatze" mit dem Löwenherzen sollte man daher bei der nächsten WM 2019 in Seefeld rechnen; und warum nicht auch bei den Olympischen Spielen in Peking 2022? Zur Erinnerung: Die 30 km-Siegerin Marit Bjoergen ist gerade einmal 38 Jahre jung.

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