Gleich mehrere Interessenten gibt es für die Errichtung von Windrädern auf Sulzer Gemarkung. Potenzial für bis zu sieben solcher Anlagen wird beispielsweise auf der „Dicke“ bei Bergfelden/Renfrizhausen gesehen.
Um eine Standortentscheidung oder gar eine Vergabe ging es in der Gemeinderatssitzung am Montagabend nicht. Das schickte der Erste Beigeordnete Hans-Peter Fauser gleich vorweg. Entschieden wurde lediglich, ob die Gespräche mit den Interessenten über die Verpachtung städtischer Flächen für Windräder weitergeführt werden sollen.
Das Projekt der RES-Gruppe ist bereits bekannt. Dazu fand im April eine Informationsveranstaltung im Backsteinbau statt. Die RES-Gruppe hatte von Forst BW den Zuschlag erhalten, im Staatsforst zwischen Sulz und Dornhan – Bereich Binsenwasen/Zimmerplatzhütte – bis zu zwölf Windräder zu errichten. Davon befänden sich drei auf städtischen Grundstücken.
Windhöffigkeit als ein Faktor
Das Thema rief auch ein paar Zuhörer auf den Plan. Gleich mehrere Fragen stellte Bürgerin Susanne Sailer zu Beginn der Sitzung, etwa nach dem Faktor der Windhöffigkeit, den genauen Standorten und danach, ob die Firma RES als Interessent nur Projektierer oder auch Investor sein werde.
Bürgermeister Jens Keucher erklärte, die genaue Verteilung am Standort werde erst eine Detailplanung zeigen. Die RES-Gruppe trete bislang als Projektierer auf, Weiteres sei nicht bekannt.
Der Windatlas stelle derweil ein Indiz für die Errichtung von Windkraftanlagen dar. „Rein darauf verlässt man sich aber nicht“, sagte Keucher. Die RES-Gruppe habe – falls sie die städtischen Flächen pachten darf – bereits mehrere Monate dauernde Windmessungen angekündigt. Die Gruppe werde sicherlich nur dann die Windkraftanlagen bauen, wenn es sich auch wirtschaftlich lohne, meinte Keucher zur Frage nach der vorhandenen Windhöffigkeit.
„Dicke“ als attraktiver Standort
Windkraftpotenzialflächen werden auch an anderen Standorten auf Sulzer Gemarkung gesehen, informierte die Verwaltung den Gemeinderat. Der attraktivste liege auf der „Dicke“ in Bergfelden/Renfrizhausen. Bis zu sieben Windräder sind dort im Gespräch. Vier mögliche Standorte wurden auf einer Karte gezeigt. Möglich sei auch ein interkommunales Projekt mit Vöhringen. Dabei geht es um fünf Windräder.
Der Regionalverband Schwarzwald – Baar – Heuberg arbeitet derzeit einen Teilplan Windkraft zum Flächennutzungsplan aus. Die Gebiete auf der „Dicke“ und Binsenwasen/Zimmerplatzhütte werden darin enthalten sein, sagte Keucher.
Platz für erneuerbare Energien verpflichtend
Hans-Peter Fauser erinnerte an die Festlegung des Landes, dass die zwölf Regionalverbände mindestens zwei Prozent ihrer Flächen für erneuerbare Energie reservieren müssen, davon 0,2 Prozent für Freiflächen-Photovoltaik und 0,8 Prozent für Windkraft (Bundesvorgabe). Heruntergerechnet auf die Sulzer Gemarkung wären das rund 175 Hektar, davon 158 Hektar für Windkraft. Zum Vergleich: Bei den hier angedachten Projekten sei etwa ein Hektar pro Windrad geplant, so Fauser.
Würden Windkraftanlagen auf privaten Grundstücken errichtet, was zulässig und problemlos machbar wäre, profitiere nur der private Grundstückseigentümer, „die Beeinträchtigung der Landschaft erleben aber alle“. Deshalb warb Fauser für die Verpachtung der städtischen Flächen, damit die Einnahmen in den Sulzer Haushalt fließen und die Allgemeinheit von den wirtschaftlichen Vorteilen profitiert.
Finanzspritze für den Sulzer Haushalt
Pro Windrad könne, zurückhaltend gerechnet, mit einer Pacht von rund 90 000 Euro pro Jahr gerechnet werden, zudem mit einer Kommunalabgabe von 0,2 Cent pro Kilowattstunde rund 13 000 Euro pro Jahr – Sulz erhält anteilig 54 Prozent, da sich manche der geplanten Windräder auf den Gemarkungen Vöhringen und Rosenfeld-Heiligenzimmern befinden würden – und einer Gewerbesteuer von 20 000 Euro pro Jahr. Insgesamt also etwa 123 000 Euro pro Windrad pro Jahr.
Der jährliche Ertrag von rund 100 000 Euro ohne Gewerbesteuer müsse nicht im Kommunalen Finanzausgleich angerechnet werden und stünde somit dem städtischen Haushalt uneingeschränkt zur Verfügung, erklärte Fauser. „Diese Zahlungen täten dem Haushalt gut“, betonte er auch vor dem Hintergrund der Haushaltsberatungen für 2024.
Gesunde Wälder schonen
Der Einsatz eines externen unabhängigen Beraters sei bisher nicht vorgesehen, erklärte Fauser auf Nachfrage von Heinrich von Stromberg (CDU). Man werde aber sicherlich keine städtischen Flächen vorab verpachten, ohne den Vertrag im Gesamten abgeschlossen zu haben, versicherte er dem Stadtrat.
Heidi Kuhring (GAL) erklärte, man habe sich die potenziellen Standorte für Windräder angeschaut und festgestellt, dass einer sich inmitten eines dichten, gesunden Waldes befindet. Ein anderer hingegen sei dort geplant, wo der Wald durch Stürme ohnehin schon lückenhaft sei. Kuhring gab dem Wunsch Ausdruck, bei den Standorten darauf zu achten, dass gesunde Waldflächen möglichst geschont werden.
Verträge werden verglichen
Nach dem weiteren Zeitplan, Gesprächen mit der Stadt Rosenfeld und der Beteiligung der Ortschaften erkundigte sich Martin Sackmann. Ein Gespräch mit der Stadt Rosenfeld habe noch nicht stattgefunden, sei aber geplant, erklärte Keucher.
Man werde nun weiter Gespräche mit Interessenten führen, die Verträge miteinander vergleichen, eine Empfehlung von Verwaltungsseite aus vorbereiten und diese dem Gemeinderat vorstellen, denn der entscheide letztlich. Die Interessenten seien auch bereit dazu, ihre Pläne im Ortschaftsrat vorzustellen und in Veranstaltungen über das Projekt zu informieren. Das sei der Akzeptanz des Projektes schließlich nur zuträglich.