In Grosselfingen werden die Windkraft-Pläne immer konkreter. Foto: Jan Woitas

Die Windkraft in Grosselfingen soll vorangetrieben werden. Nun sind auch konkrete Standorte im Gespräch, die einiges an Waldflächen verbrauchen könnten. Wo könnten wie viele Windräder gebaut werden?

Windenergie war schon unter Bürgermeister Franz Josef Möller in Grosselfingen ein Thema. In den vergangenen Jahren rückte es aber immer mehr in den Hintergrund. Nun soll die Energiewende neuen Aufschwung erfahren. „Das Windkraftprojekt Grosselfingen muss angegangen werden“, sagte Bürgermeister Friedbert Dieringer bei einer Informationsveranstaltung. Gerade, weil der Ausstieg aus der Kohle- und Atomkraft aktuell vorangetrieben wird, bleibe keiner andere Alternative für den Strom der Zukunft.

 

Verfahren vereinfacht Den Gemeinderat weiß er in dieser Sache hinter sich: Seit gut anderthalb Jahren sei man im Austausch. Als möglichen Standort für Windräder präsentierte er die gemeindeeigenen Wälder in den Gewannen „Bosch“, „Pfarrwald“, „Neubau“ und „Rotes Kreuz“. Dirk Seidemann vom Regionalverband Neckar-Alb stellte das Projekt vor. Der hatte vorweg gute Nachrichten dabei: Das Land Baden-Württemberg hat die Rahmenbedingungen für Planungsverfahren und Genehmigungen verbessert, um den Ausbau der Erneuerbaren Energie zu beschleunigen.

Abstand zu Siedlungsgebiet Bis Dezember soll vom Regionalverband ein sogenannter „Anhörungsentwurf“ für „tatsächlich realisierbare“ Vorranggebiete aufgelegt sein, damit man mit konkreten Standorten auf den Markt gehen könnte. Weiterhin müssen Windkraftanlagen zu Siedlungsgebieten Abstände zwischen 1000 und 1500 Meter einhalten.

1,8 Prozent der Fläche Dem Standort Grosselfingen bescheinigte Seidemann in manchen Gebieten eine recht gute Windhöffigkeit und er betonte: „Jeder Raum mit Potenzial soll und muss seinen Beitrag leisten, um das Flächenziel sicher zu erreichen – auch Grosselfingen.“ Der Regionalverband muss seinen Regionalplan fortschreiben und darin 1,8 Prozent der Regionsfläche als Windkraftstandorte ausweisen.

Bürger mit ins Boot holen Matthias Pavel von Uhl Windkraft mit Firmensitz im bayerischen Ellwangen, die in Süddeutschland bereits eine Vielzahl an Windkraftprojekten umgesetzt hatte, ist es wichtig, schon früh die Gemeinde und die Bevölkerung ins Boot zu holen und setzt bei der Planung auf Transparenz.

Fünf oder sechs Anlagen Pavel sieht auf den vom Gemeinderat eingebrachten Gewannen „Bosch“, „Pfarrwald“, „Neubau“ und Rotes Kreuz“ – alles gemeindeeigene Flächen – Potenzial für fünf oder sechs Windkraftanlagen. Dennoch sei es oberstes Gebot, Rücksicht auf Waldbestand und Lebensräume von Tieren zu nehmen. Pro Anlage benötige es weniger als 0,5 Hektar Schotterfläche, hinzu kämen Zuwege und die Kabel verlaufen im Untergrund.

Auch wenn einiges an Wald verschwinden werde: Es verstehe sich von selbst, dass dieser ökologische Verlust durch verschiedene Maßnahmen ausgeglichen werden wird.

Gutachten werden erstellt Wie geht es nun weiter? Laut Pavel sollen im kommenden Jahr die Gutachten – etwa zu Schall, Schatten und zu Natur- und Artenschutz – erstellt werden, 2024 das Genehmigungsverfahren. Er schätzt, dass 2027 oder 2028 die Anlagen ihren Betrieb aufnehmen könnten. Die Betriebszeit solcher Anlagen lägen bei rund 25 Jahren.

Nicht zuverlässig? Allgemein stehen die Grosselfinger Bürger dem Projekt Windkraft aufgeschlossen und wohlwollend gegenüber. Doch es gibt auch kritische Stimmen: Die Bürgerinitiative „Gegenwind Hohenzollern“ merkt etwa an, dass Windturbinen sind keine verlässliche Energiequelle seien.